Sängerin im Kirchenchor: «Ich freue mich, wenn es anfängt zu klingen»
Kirchenchöre werden geschätzt. Das hat die neue Umfrage zum Image der katholischen Kirche gezeigt, die ansonsten ernüchternd ausfällt. Warum engagieren sich Menschen im Kirchenchor? Kath.ch hat bei Sängerinnen in einem Rapperswiler Chor nachgefragt.
Barbara Ludwig*
Mechthild Vollenweider (73) ist seit 2008 Mitglied der Caecilia-Musikgesellschaft Rapperswil. Diese begleitet mit ihrem Chor und ihrem Orchester Gottesdienste und führt auch Konzerte auf. Während 14 Jahren stand die Altistin dem Verein als Präsidentin vor. «Ich bin Mitglied bei der Caecilia, weil ich Kirchenmusik gern habe und weil ich glaube, dass unser Glaube durch geistliche Musik vermittelt werden kann», sagt die Katholikin.
Zugang zum Glauben ermöglichen
Viele Menschen hätten keinen Zugang mehr zum Glauben und zur Kirche, doch dieser könne durch Kirchenmusik wieder geschaffen werden, ist sie überzeugt. Deshalb finde sie es wichtig, dass «wir weiterhin unsere Messen singen können». Die Rapperswilerin misst zudem der Freiwilligenarbeit – sei es nun in der Musik oder ganz generell – eine grosse Bedeutung zu.
Doch auch persönlich bringt ihr das Engagement im Kirchenchor viel. «Ich freue mich, wenn es anfängt zu klingen, wenn man nach langen Proben eine gelungene Aufführung hat», sagt Vollenweider. Aufgeführt werden die Werke in der Pfarrkirche St. Johann, die das Stadtbild ebenso prägt wie das daneben liegende Schloss.
Das Publikum ansprechen
Judith Gresch (71) ist ebenfalls seit 2008 Mitglied. Ihr gefällt nicht nur die musikalische Ausrichtung, der Fokus auf klassische Werke. Was sie an der Musikgesellschaft besonders anspricht, ist die Kombination von Chor und Orchester. «Das ist das Besondere bei diesem Chor: Er hat ein eigenes Orchester.» Sie habe zudem einen engen Bezug zu St. Johann, ihrer Heimatpfarrei.
Zusammen mit anderen ein Werk zu erarbeiten und aufführen zu können, bereitet der Katholikin im Alt besondere Freude, auch zu spüren, wenn die Musik das Publikum anspricht. «Das ist ein Effekt, für den es sich lohnt, mitzumachen», sagt Gresch.
Freude an anspruchsvollen Werken
Barbara Bachmann (66) ist eine treue Sängerin der Musikgesellschaft. Seit einem halben Jahrhundert schon engagiert sich die Sopranistin im Kirchenchor. Auch sie schätzt die besondere Kombination von Chor und Orchester in Rapperswil. «Wir können anspruchsvollere Werke aufführen, nicht nur einfache Kirchenlieder. Es ist ein Privileg, in einem Chor mit Orchester singen zu können», sagt die Katholikin.
Bachmann gefällt es, ein neues Werk gemeinsam zu erarbeiten, zum Beispiel eine Messe. «Am Anfang ist es chaotisch, aber am Schluss klingt es schön und macht Freude. Und man kann stolz darauf sein.»
«Es gefällt mir, wenn im Frühling die Sonne durch die Kirchenfenster scheint.»
Eine Sängerin
Eine weitere Sängerin sagt, sie singe gerne «anspruchsvolle» Musik. Das Programm der Rapperswiler Musikgesellschaft spreche sie an. «Es sind Werke, die man üben muss», sagt die Katholikin, die ihren Namen nicht auf kath.ch lesen will. Und «zufällig» sei es der Kirchenchor, der das anbiete.
Ihre Motivation bestehe denn auch nicht primär darin, mit ihrem Engagement die Messe zu bereichern, so die Sängerin. Was sie aber sehr schätze, sei die Atmosphäre in der Stadtpfarrkirche. «Die Akustik, das Singen im grossen Raum ist etwas Besonderes. Es gefällt mir, wenn im Frühling die Sonne durch die Kirchenfenster scheint.»
«Brüder und Schwestern»
Kirchenchöre bieten ihren Mitgliedern auch Gemeinschaft. Diesen Aspekt bewerten die Frauen unterschiedlich. Mechthild Vollenweider sieht die Mitglieder gar in einer gewissen Pflicht. «Wir sind eine Bruderschaft. Und als Brüder und Schwestern haben wir einen Auftrag, einander Sorge zu tragen», sagt die ehemalige Vereinspräsidentin.
Damit spielt sie auf die lange Geschichte der Musikgesellschaft an, die als Bruderschaft gegründet wurde – lange bevor es privatrechtlich organisierte Vereine in der Schweiz gab. Dieser Auftrag sei zwar nicht in den Statuten festgehalten, es sei mehr eine «innere Verpflichtung» der Mitglieder, einander zu unterstützen und füreinander Sorge zu tragen.
Nach der Probe geselliges Beisammensein
Zum Leben des Chors gehöre mehr als die Präsenz in den Proben und bei Auftritten. «Auch das gesellige Beisammensein nach der Probe gehört dazu», sagt Vollenweider. Vereinsanlässe und Reisen böten Gelegenheit, sich ausserhalb der Proben anders kennenzulernen.
Judith Gresch hingegen sagt, Gemeinschaft spiele zwar eine Rolle, sei aber nicht ausschlaggebend für ihren Entscheid, im Chor mitzusingen. Bei der Caecilia fühle sie sich «frei» zu entscheiden, wie viel Gemeinschaft sie wolle.
*Die Autorin ist selbst Mitglied der Caecilia-Musikgesellschaft Rapperswil, die aus Chor und Orchester besteht. Der Verein führt die Tradition der Bruderschaft der heiligen Caecilia und Katharina fort, die 1737 gegründet wurde. Bruderschaften sind kirchlich anerkannte Vereinigungen von Gläubigen zur Pflege von freiwilligen Werken der Frömmigkeit und sozial karitativer Tätigkeit.
Hier geht es zur › Bestellung einzelner Beiträge von kath.ch.




