Papst Franziskus ist tot

Papst Franziskus.
Papst Franziskus.

Papst Franziskus ist tot. Er starb am Ostermontag, 21. April 2025. Noch am Vortag hatte er, sichtlich geschwächt, den Segen Urbi et Orbi auf dem Petersplatz gespendet. Papst Franziskus schien auf dem Weg der Genesung von einer langwierigen Atemwegsinfektion, die ihn am 14. Februar für gut fünf Wochen ins Krankenhaus brachte.

Franziskus war seit dem 13. März 2013 der 266. Papst der römisch-katholischen Kirche und der erste Lateinamerikaner in diesem Amt. Er war eine zentrale Figur des Glaubens und der Weltpolitik. Sein Pontifikat zeichnete sich durch Bescheidenheit, den Einsatz für soziale Gerechtigkeit und eine Öffnung der Kirche gegenüber drängenden globalen Herausforderungen aus.

Dieses Dossier beleuchtet die wichtigsten Stationen seines Lebens und Wirkens, die Reaktionen auf seinen Tod sowie die kommenden Abläufe, die zur Wahl eines neuen Papstes führen werden.

Leben und Wirken von Papst Franziskus

Franziskus wird am 17. Dezember 1936 als José Mario Bergoglio in einem Vorort von Buenos Aires als eines von fünf Kindern italienischer Einwanderer geboren. Er besitzt die argentinische und die italienische Staatsangehörigkeit.

Mit 21 Jahren entscheidet sich Bergoglio für den Priesterberuf. In diese Zeit fällt eine schwere Lungenerkrankung, bei der ihm ein Teil der rechten Lunge entfernt wird, was dauerhaft eine gesundheitliche Belastung darstellt. Am 11. März 1958 tritt Bergoglio dem Jesuitenorden bei. Er studiert zunächst Geisteswissenschaften und Philosophie in Chile. Nach seiner Rückkehr nach Argentinien studiert Bergoglio an der Theologischen Fakultät des Colegio Máximo San José in San Miguel Philosophie und Theologie. Die Studien schliesst er 1970 ab. Gleichzeitig lehrt er Literatur und Psychologie am Kolleg in Santa Fe und später in Buenos Aires. Am 13. Dezember 1969 wird Bergolio zum Priester geweiht. Sein Terziat zur Beendigung seiner Ausbildung, um in den Jesuitenorden eingegliedert zu werden, verbringt er in den Jahren 1970 und 1971 in Alcalà de Henares in Spanien.

Nach Argentinien zurückgekehrt, arbeitet er als Novizenmeister und Theologiedozent an der Hochschule von San Miguel bis ihm schliesslich 1973 das Amt des Jesuitenprovinzials für Argentinien übertragen wird. Dieses Amt sollte er bis 1979 innehaben. In diese Zeit fallen die Proteste der Befreiungstheologie gegen Ungerechtigkeit und Diktatur in Lateinamerika, die von Geistlichen vor allem in Chile und Brasilien unterstützt wird.

Nach dem erfolgreichen Putsch der Militärjunta 1976 in Argentinien stellt sich die katholische Kirchenhierarchie hinter das Regime. Der unbarmherzige Umgang mit Oppositionellen und Andersdenkenden durch das Regime führt zu einer Spaltung der katholischen Kirche. Die meisten Bischöfe lehnen die Befreiungstheologie ab. Für Bergoglio ist es eine Gratwanderung zwischen sozialem Einsatz, Gewährung von Schutz für Verfolgte und Kontakten mit der Militärjunta. Als er 2013 zum Papst gewählt wird, werfen ihm Kritiker vor, er habe sich zu sehr mit dem Regime arrangiert. Bergoglio selbst weist die Vorwürfe zurück.

Von 1980 bis 1986 steht Bergoglio als Rektor der Theologischen Hochschule von San Miguel vor. 1986 verbringt er einige Monate zu Forschungszwecken in Frankfurt am Main.

In Cordoba wirkt Bergoglio zwischen 1986 und 1992 als Priester bevor Papst Johannes Paul II. ihn am 20.Mai 1992 zum Weihbischof von Buenos Aires und Titularbischof von Auca ernennt. Die Bischofsweihe findet am 27. Juni in Buenos Aires statt. Bergoligo gilt als volksnah, bescheiden und den Armen zugewandt. Er kritisiert offen die Korruption der Herrschenden und die miserablen Lebensbedingungen eines Grossteils der Bevölkerung.  Nach dem Tod von Kardinal Antonio Quarracino 1998 wird Bergoglio zum Erzbischof von Buenos Aires ernannt. Er übernimmt gleichzeitig die Aufgabe des Ordinarius für die Gläubigen der orientalischen Riten. Am 21. Februar 2001 wird  Bergoglio Kardinalpriester mit der Titelkirche San Roberto Bellarmino.

Er ist Mitglied der Kongreation für den Gottesdienst, den Päpstlichen Rat für die Familie und die Päpstliche Kommission für Lateinamerika. Von 2005 bis 2011 hat Bergoglio den Vorsitz der Argentinischen Bischofskonferenz inne.

Am 13. März 2013 wurde Bergoglio im fünften Wahlgang zum 266. Papst gewählt. Er gab sich den Namen Franziskus, in Anlehnung an den Heiligen Franz von Assisi. Er war seit 1272 Jahren der erste Nichteuropäer und der erste Jesuit auf dem Stuhl Petri. Viele verbanden mit seinem bescheidenen und unprätentiösen Stil die Hoffnung auf Wandel in der katholischen Kirche.

Werke und Enzykliken

Enzyklika Lumen fidei

Die erste Enzyklika von Papst Franziskus. Mit ihr wurde am 29. Juni 2013, zum ersten Mal in der Geschichte der römisch-katholischen Kirche, eine gemeinsame Enzyklika zweier Päpste veröffentlicht. Die Lehrschrift baut auf einer begonnenen, aber nicht vollendeten Enzyklika des emeritierten Papstes Benedikt XVI. Unterzeichnet wurde die Enzyklika nur von Franziskus. Die zentrale Aussage der Lehrschrift ist, dass der Glaube notwendigerweise Konsequenzen für das Handeln der Christen in der Gesellschaft haben muss. Weiter sollten Christen für Menschenwürde, Schutz von Ehe und Familie, Achtung der Schöpfung sowie für Frieden und gerechte Regierungsformen eintreten.

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Enzyklika Laudato si

Auf 220 Seiten entwirft Papst Franziskus eine umfassende Zusammenschau und Analyse der gegenwärtigen ökologischen und sozialen Krise und er spart nicht mit deutlichen Ansagen. Der Titel «Laudato si» spielt an auf den Sonnengesang des Heiligen Franziskus von Assisi. Der Heilige Franziskus verfasste dieses Gebet im 13. Jahrhundert und ruft die Menschen zum Lobpreis Gottes in all seinen Geschöpfen auf.

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Enzyklika Fratelli Tutti

Das dritte grosse Lehrschreiben des amtierenden Kirchenoberhaupts soll eine Gesellschaftsordnung für die Zeit nach der Corona-Pandemie entwerfen. Es ist nach seinen Anfangsworten dem Ordensgründer Franz von Assisi (1181/82-1226) und dessen Offenheit gegenüber allen Menschen verpflichtet.

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Infografiken zur Enzyklika

Nachapostolisches Schreiben: Amoris Laetitia

Amoris laetitia („die Freude der Liebe”) über die Liebe in der Familie ist ein nachsynodales Schreiben von Papst Franziskus. Es wurde am Fest des heiligen Josef des Jahres 2016, dem 19. März, unterzeichnet und von der römischen Kurie am 8. April vorgestellt. Das Schreiben bezieht sich auf die Beratungen und Ergebnisse der ordentlichen Bischofssynode zu den pastoralen Herausforderungen der Familie im Kontext der Evangelisierung. Die Bischofssynode hatte dem Papst im Oktober 2015 nach zweijähriger Arbeitszeit den Abschlussbericht übergeben.

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Apostolisches Schreiben Laudate Deum

Laudate Deum ist das zweite Apostolisches Scheiben des Heiligen Vaters zum Thema Umwelt und führt die Enzyklika Laudato si’ fort. In seiner Schrift ruft Franziskus zu einem konsequenten Handeln in der Klimakrise auf und wendet sich gegen die Leugnung des Klimawandels. Das Schreiben wurde am 4. Oktober 2023, dem Fest des heiligen Franz von Assisi, unterzeichnet und richtet sich an alle Menschen guten Willens.

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Enzyklika Dilexit nos

Unter dem Titel «Dilexit nos» («Er hat uns geliebt») hat Papst Franziskus am 24.10.2024 sein viertes päpstliches Lehrschreiben veröffentlicht. Im Text der Enzyklika erklärt Papst Franziskus aus welchen Quellen er seinen Glauben und sein Engagement für eine solidarische Welt schöpft. Kritisch setzt sich der Papst mit der gegenwärtigen geistigen Verfassung der Welt auseinander und ruft die Kirche dazu auf, die Liebe wieder als den eigentlichen Kern der christlichen Botschaft zu verkünden und zu leben. In Kirchenkreisen wird diese Enzyklika als «geistliches Testament» des Papstes bezeichnet.

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Das Konklave - ein neuer Papst wird gewählt

Nach dem Tod eines Papstes kommen die wahlberechtigten Kardinäle zum «Konklave» zusammen, um einen Nachfolger zu wählen. Dies geschieht von der Aussenwelt abgeschlossen unter strengster Geheimhaltung. Das aus dem Lateinischen stammende Wort Konklave bedeutet `verschlossener Raum`. Es leitet sich von `cum clave` (mit dem Schlüssel) ab.

Das Konklave muss zwischen dem 15. und dem 20. Tag nach Beginn der Sedivakanz, der Zeit ohne Papst, beginnen. Am Konklave teilnehmen dürfen alle Kardinäle, die das 80. Lebensjahr zu Beginn der Sedisvakanz noch nicht vollendet haben. Von den insgesamt 252 Kardinälen sind bei einem kommenden Konklave 135 wahlberechtigt (Stand: 21. April 2025). Die Abstimmung erfolgt durch Stimmzettel. Zum Papst gewählt ist, wer zwei Drittel der Stimmen erhält. Den Vorsitz hat diesmal voraussichtlich Kurienkardinal Pietro Parolin.

Die Kardinäle sowie die im Konklave tätigen Helfer verpflichten sich eidlich zu absoluter Geheimhaltung. Die Benutzung von Kommunikationsmitteln aller Art, von Zeitungen bis Social-Media, ist untersagt.

Seit 1996 ist die Sixtinische Kapelle als ausschliessliche Wahlstätte festgeschrieben. Bislang fanden hier 25 Papstwahlen statt. Bis 1878 wählten die Kardinäle auch an anderen Orten.

Das erste Konklave fand im Jahr 1241 statt. Im Jahr 1274 fixierte Papst Gregor X. die Papstwahl in einem Konklave kirchenrechtlich. Dadurch sollte die Einflussnahme weltlicher Machthaber verhindert und ein zügiger Ablauf gewährleistet werden. Das längste Konklave dauerte vom 29. November 1268 bis zum 1. September 1271. Das kürzeste Konklave (im Jahr 1503) dauerte nur wenige Stunden. Seit 1831 dauerte keine Papstwahl länger als vier Tage.

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Bilder des Pontifikats

Joseph Maria Bonnemain, Bischof von Chur, und Papst Franziskus am 15. November 2023 im Vatikan. | © KNA
Felix Gmür soll sich beim Papst für ein Schweizer Partikularrecht einsetzen (Aufnahme von 2020). | © Romano Siciliani
Papst Franziskus und Kardinal Kurt Koch | © KNA
Alain Berset, Bundespräsident der Schweiz, und Papst Franziskus am 9. November 2023 im Vatikan. | © KNA
Genesungswünsche für Papst Franziskus vor dem Gemelli-Krankenhaus am frühen Abend in Rom (Italien) am 15. Februar 2025. | © Pablo Esparza/CNS photo/KNA
Papst Franziskus schliesst die Heilige Pforte im Petersdom. | © screenshot Radio Vatikan
Papst Franziskus beim Gottesdienst an Palmsonntag, 24. März 2024. | © KNA
Papst Franziskus scherzt im Flugzeug | © KNA
Andacht und Segen - Papst Franziskus steht der Feier des Kreuzwegs vor | © Screenshot VaticanNews
 | © Screenshot
Papst Franziskus im Film von Wim Wenders | © UPI Universal Pictures International
Papst Franziskus | © Oliver Sittel

Unser Gebet für Papst Franziskus

Allmächtiger und barmherziger Gott,
Du hast Deinen Diener Papst Franziskus berufen,
Deiner Kirche in Demut, Güte und Liebe vorzustehen.
Du hast ihm die Kraft geschenkt, Brücken zu bauen,
die Armen zu trösten, die Welt zum Frieden zu mahnen und die Freude des Evangeliums zu verkünden.
Wir danken Dir für sein mutiges Zeugnis,
für sein offenes Herz und seine Worte,
die vielen Menschen Orientierung und Hoffnung gaben. Nimm ihn auf in Dein himmlisches Reich,
wo kein Leid mehr ist, sondern nur noch Frieden. Lass sein Leben und Wirken in unseren Herzen weiterleben, und stärke uns, seinen Weg des Glaubens, der Hoffnung und der Barmherzigkeit fortzusetzen.
Nimm alle Verstorbenen in Dein Reich auf und lass sie Deine Herrlichkeit schauen.

AMEN.