Beat Grögli
Schweiz

Dompfarrer zum Kathi-Urteil: «Man erträgt die christliche Diversität nicht mehr»

Das Bundesgericht hat den Betrieb der Mädchenschule St. Katharina in Wil SG für verfassungswidrig erklärt. Das Urteil sorgt für Kopfschütteln und Empörung bei katholischen Priestern in der Ostschweiz. Es ist die Rede von einem «Dammbruch».

Barbara Ludwig

Vergangenen Freitag hat das Bundesgericht einem jahrelangen politischen Streit in Wil SG um eine Privatschule mit städtischem Leistungsauftrag ein zumindest vorläufiges Ende gesetzt: Die katholische Mädchensekundarschule St. Katharina verstösst wegen des Ausschlusses von Knaben gegen das Gebot der Gleichbehandlung – und sie verletzt die Glaubens- und Gewissensfreiheit, aufgrund ihrer religiösen Aktivitäten ist sie konfessionell nicht neutral genug.

Keine Freude an dem Verdikt haben katholische Priester aus der Region. Zu dritt haben sich der Pfarrer des Doms, Beat Grögli, der St. Galler Pfarrer Roman Giger sowie der Pfarrer von Wil, Sebastian Wetter, mit einem Leserbrief im «St. Galler Tagblatt» an die Öffentlichkeit gewandt.

«Gesellschaft ohne Religion»

Insbesondere der Aspekt der Glaubens- und Gewissensfreiheit beschäftigt sie. Das Bundesgerichtsurteil stelle einen «ausserordentlich starken staatlichen Eingriff» dar, schreiben sie. «Das Grundrecht der Religionsfreiheit wird neu interpretiert in ‹Richtung Gesellschaft ohne Religion›.» Der eigentliche Sinn der Religionsfreiheit sei aber, die freie Religionsausübung zu schützen.

Sebastian Wetter, Priester.
Sebastian Wetter, Priester.

Und wenn religiöse Anlässe im Schulalltag, von denen man sich dispensieren lassen könne, ein Problem darstellten, treffe dies das «Herz unserer christlichen Werte-Schulen». Damit nehmen die Priester Bezug auch auf weitere christliche Privatschulen katholischer Prägung im Kanton, die unter der gemeinsamen Dachmarke «Wertebilden» auftreten.

Staat hat sein «Fundament vergessen»

«Wenn christliche Werteschulen per se keine staatliche Unterstützung mehr erhalten sollen, hat der Staat vergessen, auf welchem (zumindest historischen!) Fundament er steht», kritisieren Grögli, Giger und Wetter. Und sie schreiben, dass die Stimmbürgerinnen und Stimmbürger in den betroffenen Gemeinden der Unterstützung der Schulen zugestimmt hätten.

«Wacht auf, ihr Christen, seid bereit!»

Dem Urteil messen die drei Pfarrer eine grosse, wenn auch negative, Bedeutung zu. Dieses sei «keine kleine Sache, sondern ein Dammbruch. In der ganzen Diversitätsdebatte erträgt man die christliche Diversität offenbar nicht mehr.» Ihren Leserbrief schliessen sie mit einem Appell, der wohl aufrütteln soll: «Wacht auf, ihr Christen, seid bereit!»

Beat Grögli und Roman Giger gehören dem Domkapitel an, das voraussichtlich in diesem Jahr den künftigen St. Galler Bischof wählen wird – als solche sind sie erfahrungsgemäss selbst potentielle Bischöfe.

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Beat Grögli | © Bistum St. Gallen
23. Januar 2025 | 14:00
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