Adventisten warten auf die zweite Wiederkunft Christi.
Schweiz

Was haben Adventisten eigentlich mit dem Advent zu tun?

«Advent, Advent, ein Lichtlein brennt …» – die Adventszeit als Vorbereitungszeit für Weihnachten hat für Katholikinnen und Katholiken begonnen. So weit so gut. Doch was haben eigentlich Adventisten mit dem Advent zu tun?

Wolfgang Holz

Das Wort Advent kommt vom lateinischen «adventus» und bedeutet so viel wie «Ankunft». Für Christen ist der Advent die Zeit der Vorbereitung auf die Ankunft Jesu auf Erden, die an Weihnachten gefeiert wird. In den Gottesdiensten werden häufig Texte aus dem Alten Testament verwendet, die die Ankunft des Erlösers prophezeien.

Der Advent dient also der Vorbereitung der Christen auf die Menschwerdung Gottes. Sprich: die Geburt Jesu an Weihnachten. Geht es bei den Adventisten um dasselbe?

Freikirchliche Konfessionsfamilie

Als Adventisten werden Mitglieder einer freikirchlichen Konfessionsfamilie bezeichnet, die Mitte des 19. Jahrhunderts in den USA ihren Ursprung hatte. Die Siebenten-Tags-Adventisten sind eine weltweite protestantische Freikirche mit einer ziemlich langen Geschichte. Wobei sie früher aufgrund ihres Anspruchs, die einzig «wahre» Kirche zu sein, auch als Sekte eingestuft wurde.  

"Sola Scriptura": Das Bibelstudium ist für Adventisten zentral.
"Sola Scriptura": Das Bibelstudium ist für Adventisten zentral.

In der Schweiz gibt es die Siebenten-Tags-Adventisten offiziell seit 1883. Sie folgen dem reformatorischen Prinzip «sola scriptura» – das heisst, allein die Bibel ist die Richtschnur des Glaubens.

Es geht um den zweiten Advent

Zentrales Merkmal ihrer Lehre ist der zweite Advent, das heisst, die nahe Wiederkunft Jesu. Das heisst, die Adventisten warten ebenfalls auf Jesus. Aber eben nicht auf das Christkind im Stall von Bethlehem. Sondern auf den Jesus, der schon einmal auf der Welt war, und bei seiner ersehnten Wiederkunft die Welt erretten wird. Die Adventisten warten also quasi auf den zweiten Advent des Advents. Auf die zweite Ankunft beziehungsweise Wiederkunft von Jesus Christus.

«Die Adventszeit, wie sie in der christlichen Tradition vor Weihnachten gefeiert wird, erinnert an die erste Ankunft Jesu, als er in Demut und Menschlichkeit geboren wurde», antwortet Mediensprecher Marvin Brand von der Deutschschweizerischen Vereinigung der Freikirche der Siebenten-Tags-Adventisten auf Anfrage von kath.ch.

«Jesus wird nochmal wiederkommen.»

«Für uns Adventisten ist dies ein bedeutsamer Teil der Heilsgeschichte, der uns zugleich auf die Verheissung hinweist: Jesus wird nochmal wiederkommen – nicht als Kind, sondern als König und Erlöser, um sein Reich der Liebe, Gerechtigkeit und des Friedens aufzurichten», so Brand.

«So verbinden wir Advent und Adventismus: Wir blicken dankbar auf das, was Gott in Jesus bereits getan hat, und voller Hoffnung auf das, was er noch tun wird. Diese lebendige Perspektive prägt unseren Glauben, unsere Verkündigung und unser tägliches Leben.»

«Gott wird das gute Werk, das er bei euch angefangen hat, auch vollenden bis zu dem Tag, an dem Jesus Christus kommt.»

Ganz gemäss dem Bibelspruch (Phillipper 1,6): «Ich bin ganz sicher: Gott wird das gute Werk, das er bei euch angefangen hat, auch vollenden bis zu dem Tag, an dem Jesus Christus kommt.» Im Glauben der Siebenten-Tags-Adventisten steckt also die Hoffnung: Jesus Christus kehrt eines Tages sichtbar auf diese Erde zurück.

Wer dem biblischen Zeugnis von Tod und Auferstehung Christi glaubt, darf wissen, so das Credo der Siebenten-Tags-Adventisten, dass der menschgewordene und verherrlichte Sohn Gottes eines Tages für alle Menschen sichtbar, hörbar und eindeutig wiederkommen wird. Siebenten-Tags-Adventisten glauben an den biblischen Bericht von der Zeit des Millenniums nach der Wiederkunft von Jesus Christus, an deren Ende die endgültige Vernichtung des Bösen steht.

Der Samstag ist den Adventisten heilig

Neben der Bibel als Basis ist für die Siebenten-Tags-Adventisten das Feiern des geheiligten Ruhetages am Samstag – in Anlehnung an den jüdischen Sabbat – und nicht am Sonntag charakteristisch. Am Samstag, eben dem Siebenten Tag der Woche, feiern die Adventisten auch ihre Gottesdienste.

Eine intakte Schöpfung und ein gesundes Leben sind für die Adventisten ebenfalls sehr wichtig.
Eine intakte Schöpfung und ein gesundes Leben sind für die Adventisten ebenfalls sehr wichtig.

Last, but least legen die Adventisten Wert auf eine gesunde Ernährung und eine ganzheitliche Lebensführung. Die Einheit von Körper, Seele, Geist sowie sozialen Aspekten ist stets als Grundlage eines umfassenden Gesundheitsbegriffes betrachtet worden.

Gesund leben heisst glücklich leben

Themen wie Nichtrauchertum, Abbau von Übergewicht bei Kindern, Vorteile vegetarischer Ernährung, der bereichernde Einfluss positiven Denkens und körperliche Aktivität auf das Lebensgefühl sowie die Wichtigkeit von Pausen, Ruhe und Erholung spielen bei den Adventisten eine grosse Rolle. Auch der Verzehr von Nüssen gehört dazu. Nach dem Motto: Wer gesund lebt, lebt ein glückliches Leben.

In Deutschschweiz rund 3000 Siebenten-Tags-Adventisten

Mit 21,9 Millionen weltweiten Mitglieder der Freikirche der Siebenten-Tags-Adventisten im Jahr 2022 gelten Adventisten weltweit als grösste sabbathaltende Gruppe, sogar noch grösser als das Judentum mit 15,25 Millionen Mitgliedern im selben Jahr. Und statt Babys taufen sie erwachsene Menschen, die sich mit dem christlichen Glauben auseinandergesetzt und dann eine selbstständige Entscheidung für ihr Ja zu Gott getroffen haben.

In der deutschsprachigen Schweiz gibt es mehr als 2600 Menschen, die zu den Siebenten-Tags-Adventisten gehören. 21 Pastoren engagieren sich in Vollzeit für alle Belange der 32 Kirchen und Gruppen. Bei den Siebenten-Tags-Adventisten darf jeder mitmachen, heisst es. Entscheidungen werden demnach auf allen Ebenen demokratisch gefällt. Offiziell heissen die Siebenten-Tags-Adventisten «Deutschschweizerische Vereinigung der Freikirche der Siebenten-Tags-Adventisten» und sind als Verein mit Sitz in Zürich organisiert.

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Das lokale Gemeindeleben ist grösstenteils ehrenamtlich gestaltet; unterstützt und geistlich geleitet werden die Gemeinden von festangestellten Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. Die Freikirche erhält keine Kirchensteuer, sondern finanziert ihre fest angestellten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sowie alle Aufgaben der Kirche über den sogenannten Zehnten und andere Gaben beziehungsweise Kollekten und Spenden.


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7. Dezember 2024 | 17:01
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