Emmaus Schweiz ächtet Gründervater Abbé Pierre
Die Schweizer Emmaus Vereinigung will nichts mehr mit ihrem Gründervater Abbé Pierre zu tun haben. Wegen der Vorwürfe sexueller Übergriffe hat sie beschlossen, keine Fotos und keine Zitate mehr von ihm zu verwenden.
Christian Maurer
«Die Poster mit Abbé Pierre werden in allen Emmaus-Einrichtungen nun abgehängt», präzisiert François Mollard, Präsident der SEV gegenüber kath.ch. «An einigen Orten ist das schon geschehen, nicht alle Sektionen haben den formellen Entscheid des Dachverbands abgewartet», sagt er. «Viele Mitarbeitenden ertrugen den Anblick des Abbés nicht mehr, sie dachten an die Opfer.»
Der Ächtungs-Entscheid an einer ausserordentlichen Generalversammlung am 15. Oktober sei einstimmig gefallen – begleitet von Konsternation und Traurigkeit, so Mollard. Die Missbrauchsvorwürfe gegen den Abbé waren Mitte Juli ans Licht gekommen.
Brockis spüren keine Einbusse
Auf die Umsätze in den Brockenhäusern von Emmaus hätten die Enthüllungen keinen Einfluss gehabt, sagt Mollard weiter. «Es kommen immer noch gleich viele Leute zu uns.» Auch bei den Spenden sei nichts zu spüren. Bilanz werde allerdings erst Ende Jahr gezogen.
Anders als in Abbé Pierres Heimat Frankreich haben sich die Menschen also nicht von dem Hilfswerk abgewendet. «Das liegt vielleicht daran, dass Abbé Pierre in der Schweiz weniger berühmt ist», meint Mollard. Vor allem in der Deutschschweiz ist die Verbindung zwischen Emmaus und Abbé Pierre weniger präsent.
«Er bleibt der Gründer»
Ganz leicht fiel der Schweizer Emmaus Bewegung die klare Distanzierung nicht. Sie betont die Unterscheidung zwischen dem Abbé und seinem Werk.
«Ohne die Geschichte der Emmaus-Bewegung zu verleugnen, verurteilt die SEV diese unaussprechlichen Vorfälle und distanziert sich von der Figur des Gründers Abbé Pierre», schreibt der Schweizer Ableger. «Er wird immer der Gründer bleiben», ekrlärt Mollard.
Der Schweizer Ableger begrüsse die Bemühungen um Transparenz und Wahrheit von Emmaus International. Den Opfern drückt sie «ihre uneingeschränkte Unterstützung aus und würdigt ihren Mut, Zeugnis abzulegen». Mindestens einmal, in Genf, soll Abbé Pierre auch in der Schweiz sexuellen Missbrauch gegenüber einer Journalistin begangen haben.
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