Nach Brand neu auferstanden: Bischof Morerod weiht Sacré-Cœur in Genf ein
Bischof Charles Morerod hat am Freitag die Kirche Sacré-Cœur in Genf neu eingeweiht. Nach einem Brand 2018 wurde das Gebäude neu aufgebaut – und dient fortan als vielfältig genutztes, offenes Diözesanhaus.
Geneviève de Simone-Cornet, cath.ch /Adaption: Regula Pfeifer
Auch wenn Sacré-Cœur zum multifunktionalen Diözesangebäude umgebaut wird: Es bleibt primär eine Kirche. Hier feiern die französischsprachige Pfarrei und die spanischsprachige Mission von Genf ihre Gottesdienste.
Charles Morerod, Bischof von Lausanne, Genf und Freiburg, weihte am Freitag den Gottesdienstraum im Zentrum des Gebäudes ein. Er sprach das Weihegebet, salbte den Altar mit heiligem Chrisamöl und hüllte ihn in Weihrauch. Fortan wird auf dem Altar wieder die Messe gefeiert werden. «Der Zweck der Eucharistie ist, dass Christus in uns gegenwärtig ist, dass wir sein Leib sind», betonte der Westschweizer Bischof.
Vom Unglück zum Positiven
Der Bischof wies auch auf die Anordnung der Bänke in der Kirche hin, die sich gegenüberstehen. Dies würde die «menschliche und christliche Berufung bewusst machen». Ebenso, «dass wir eine Gemeinschaft sind». Wobei «Gott erwartet, dass wir uns mit den anderen austauschen».
Laut Charles Morerod «bringt uns dieser zentrale Ort dazu, darüber nachzudenken, dass ein unglückliches Ereignis manchmal etwas Positives hervorruft».
Heiligenlitanei und Ablegen von Reliquien
Die Einweihung der Kirche wurde mit weiteren Ritualen vollzogen. Priester Pascal Desthieux, Leiter der Basilika Notre-Dame, führte den Gesang der Heiligenlitanei an. Die Segnung des Wassers und die Besprengung der Kirche und der Gläubigen erinnerten an die Taufe. Das Ablegen von Reliquien auf dem Altar drückte die Verbindung zu den Heiligen aus, die den Glauben der Apostel weitergegeben haben.
Vier Heilige standen hier im Mittelpunkt: Franz von Sales (1567-1622), Bischof von Genf, Johanna von Chantal (1572-1641), Gründerin des Ordens Von der Heimsuchung Mariens, auch Salesianerinnen oder Visitantinnen genannt, Johann Baptist Scalabrini (1839-1905), Gründer der Missionare vom Heiligen Karl und schliesslich Marguerite Bays (1815-1879), die Freiburger Schneiderin, die 2019 heiliggesprochen wurde.
Flötenspielende aus der französischsprachigen Pfarrei und Gitarristen aus der spanischsprachigen Mission – unter der Leitung von Anne-Claire Rivollet von der Familienpastoral – unterstützten die Gemeinde beim Singen auf Französisch, Spanisch und Lateinisch.
Neues Bauprojekt
Die Sacré-Cœur-Kirche war am 19. Juli 2018 durch einen Brand zerstört worden. Nach einem Umbau soll die ursprüngliche Kirche fortan «ein weltoffener Ort der Feier und des Glaubens sein, ein Ort der Arbeit, ein Raum des Zusammenlebens und der Begegnung», wie die römisch-katholische Kirche Genf (ECR) schreibt. Vorgesehen sind auch ein Restaurant, ein Festsaal und öffentlich zugängliche Versammlungsräume. Die ECR zieht ebenfalls ins neue Gebäude ein.
Das Bauprojekt Sacré-Cœur war von Philippe Fleury, dem Präsidenten des Kirchenrats, und einem Team von Fachleuten und Freiwilligen vorangetrieben worden. Ziel war, dem Gebäude eine Ausstrahlung zu verleihen, die der Bedeutung seiner geografischen Lage entspricht: zentral, zugänglich, im Herzen der Stadt. Sacré-Cœur sollte zu einer anziehenden Kirche werden. Die Bauarbeiten dauerten bisher sechs Jahre.
Die Architekten Christian Rivola und Sara Anzi entwickelten einen Ansatz, der innovativ und respektvoll mit dem denkmalgeschützten Gebäude aus dem Jahr 1859 umging. Sie ergänzten die Vision des Architekten Jean-Marie Duthilleul für die Kirche: eine zentrale sakramentale Achse mit der Orgel, dem Baptisterium, dem Ambo, dem Altar, dem Tabernakel, einem imposanten, von der Decke hängenden Kreuz und einem Olivenbaum; Bänke auf beiden Seiten dieser Achse, so dass sich die Gläubigen gegenübersitzen können.
Für die Architekten ging es darum, Volumen und Licht zu schaffen, um die Beziehung zwischen Himmel und Erde zu aktivieren: Ein Lichtschacht durchzieht die vier Ebenen des Gebäudes vom Giebel bis zur Krypta. Er beleuchtet den Ort des Gottesdienstes und die neuen Glasfenster des Franzosen Jean-Paul Agosti.
Hinzugefügt wurden Büros, Konferenzräume und ein Festsaal auf verschiedenen Etagen, wodurch der Raum besser ausgenutzt wurde.
Verletzlichkeit als Schlüssel zur Solidarität
Dominique Pittet, Generalsekretär der ECR, hob an der Eröffnung hervor, wie sehr sich dieses Gebäude für ein Haus der Kirche eigne. Das Projekt sei aus den Überlegungen von Pierre Farine hervorgegangen. Dem emeritierten Weihbischof in Genf schwebte demnach eine bessere Synergie zwischen Verwaltungs- und Pastoralmitarbeitern vor.
Christina Kitsos, Stadträtin von Genf, begrüsste die bemerkenswerte Offenheit von Sacré-Cœur gegenüber der Stadt: «Das ist sehr selten. Dieser Ort versöhnt uns mit dem Menschlichen. Er erinnert uns an unsere Verletzlichkeit, da wo wir den Schlüssel zur Solidarität haben.»
Eine «Wiedergeburt»
Fabienne Gigon, Vertreterin des Bischofs für die Diözesanregion Genf, drückte ihre Freude aus, die Anwesenden «an diesem Ort zu empfangen, der seine Wiedergeburt feiert. (…) Wir stehen vor einem weissen Blatt Papier für die katholische Kirche in Genf, an einem Ort, der mehrere Gemeinschaften in einem gemeinsamen Geist des Dienstes vereint. Und vor einem Notenblatt: Es liegt an uns, die Noten für eine harmonische Musik zu erfinden.» Sie sieht den Umzug als «eine Bewegung, wie eine Kirche im Aufbruch».
Die ECR besteht aus 52 Pfarreien, über 110 Mitarbeitern – Priestern, Laien, Ordensleuten und Verwaltungspersonal – und zahlreichen Freiwilligen. Durch die Zusammenlegung vieler Mitarbeiter in einem Gebäude möchte sie «die Möglichkeiten für Begegnungen und Austausch sowie eine gemeinsame Dynamik erhöhen».
Die Eröffnung des Sacré-Cœur-Diözesanhauses wird bis zum 8. Juni gefeiert – mit einem vielfältigen, öffentlichen Programm: Vorträgen, Filmen, Theaterstücken, Kunstwerk-Führungen und Gottesdiensten in der Kirche.
Die Bauarbeiten gehen weiter
Die Arbeiten zum Wiederaufbau des Sacré-Cœur haben 2022 begonnen. Es sei aber noch nicht alles fertig, erklärte Philippe Fleury. Im Herbst wird die Krypta fertiggestellt, die zu einem Ort der Kultur werden soll. Ende des Jahres werden alle Glasfenster eingesetzt und hinterleuchtet sein. Die 14 Glasfenster stammen aus der Werkstatt Simon-Marq in Reims. Die Orgel wird bis Ende 2025 installiert sein.
Die Büros und das Restaurant werden nach und nach eingerichtet. Die Gesamtkosten belaufen sich auf 25,5 Millionen Franken. Diese werden durch Versicherungen (8 Millionen), Spenden (9 Millionen), einen Bankkredit (7 Millionen) und öffentliche Zuschüsse (1,5 Millionen) gedeckt werden.
Im Herbst soll ein Buch über die Geschichte des Gebäudes, den Brand, das Wiederaufbauprojekt und die Bauarbeiten erscheinen. Dieses werde «Texte von Künstlern, die dem Gebäude eine Seele gegeben haben, und einige pikante Anekdoten» enthalten, heisst es.
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