Bettina Filacanavo bei ihrer Sitzperformance
Schweiz

«Lebende Skulptur auf dem Altar»: Schutzmantelmadonna als symbolische Performance für den Frieden

Gegen den Krieg will die Zürcher Künstlerin Bettina Filacanavo ein Exempel statuieren – in einer Sitzperformance in der Don Bosco-Kapelle in Steinhausen. Drei Stunden lang hockt sie morgen für den Frieden in der Welt, eingehüllt in ein blaues Gewand, auf dem Altar. Gleichzeitig will die 50-Jährige mit ihrer symbolischen Aktion die Person Marias erhöhen.

Wolfgang Holz

«Mütter» – so lautet der Titel der feministisch-pazifistischen Friedensperformance, die Bettina Filacanavo in der neuen Don Bosco-Kapelle in Steinhausen morgen Abend von 17 bis 20 Uhr inszeniert. Drei Stunden lang sitzt sie dabei auf einem Hocker auf dem Altar und blickt stumm geradeaus. Besucherinnen und Besucher können derweil in der Kapelle umhergehen oder die Performance aus den Kirchenbänken verfolgen.

«Will nicht provozieren»

«Ich will mit dieser symbolischen Performance nicht provozieren, sondern eine positive Arbeit zeigen», sagt die 50-jährige Künstlerin. Die Idee zu dieser Aktion ist ihr durch ihren Beruf gekommen. Bettina Filacanavo ist nämlich Journalistin und arbeitet seit 15 Jahren für das Hilfswerk der Evangelisch-reformierten Kirche der Schweiz (Heks).

Bettina Filacanavo arbeitet als Journalistin und studiert an der Hochschule Luzern Kunst.
Bettina Filacanavo arbeitet als Journalistin und studiert an der Hochschule Luzern Kunst.

Sie sei in ihrer Arbeit täglich mit Kriegen, internationalen Konflikten und Vertreibung von Menschen konfrontiert und möchte mit der Performance auch ein Statement gegen den zunehmenden Mainstream in Europa richten – «bei dem es, so hat man den Eindruck, momentan nur noch um Aufrüstung und Kriegsmanagement geht», so Filacanavo. Sie will mit ihrer Aktion deshalb ein symbolisch-ästhetisches Zeichen für den Frieden setzen.

Performance bezieht sich auch auf Käthe Kollwitz

Der Titel ihrer Arbeit bezieht sich auch auf den gleichnamigen Holzschnitt von Käthe Kollwitz aus ihrem Zyklus «Krieg» von 1921/1922 und auf eine Videoarbeit der Schweizer Künstlerin Judith Albert: «Maria breitet den Mantel aus». Ihre Performance referiere ebenfalls auf die berühmte Sitzperformance von Marina Abramovic im «Museum of Modern Art» in New York.

Vor allem will sich Bettina Filacanavo, die an der Hochschule Luzern Kunst studiert, mit ihrer Performance auf die Gottesmutter Maria als Schutzmantelmadonna beziehen. Wobei sie der «populärsten Figur in der Bibel neben Jesus Christus» durchaus auch einen feministischen Anstrich verleihen möchte.

Stellung der Frau in katholischer Kirche verändern

Ihr symbolischer Akt soll nicht zuletzt auch reflektieren, dass sich die Stellung der Frau in der katholischen Kirche künftig verändern sollte. «Deshalb wird Maria durch meine Sitzperformance erhöht.»

Bettina Filacanavo bei ihrer Sitzperformance in der Don Bosco-Kapelle in Steinhausen
Bettina Filacanavo bei ihrer Sitzperformance in der Don Bosco-Kapelle in Steinhausen

«Maria selbst, die all dieses Leid – Krieg, Flucht, Verlust des Kindes – erfahren hat, steht in meiner Arbeit als Frau des Widerstands. Sie steht für alle Frauen, die sich patriarchalen Machtstrukturen widersetzen und sich der männlichen Gewalt stark und bewusst entgegenstellen», sagt sie.

Frauen und Mütter leiden im Krieg am meisten

Thematisiert werden soll darüber hinaus, dass es vor allem Frauen und Mütter seien, die im Krieg am meisten leiden. Filacanavo: «Sie erleben, dass sie sich und ihre Kinder unter widrigsten Umständen alleine durchschlagen müssen und wenn möglich mit ihnen fliehen, während ihre älteren Kinder an der Front kämpfen und sterben.»

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Gleichzeitig seien Frauen einer zusätzlichen Gewalt ausgesetzt: der systematischen Vergewaltigung durch gegnerische Soldaten. «Die Vergewaltigung von Frauen ist eine systematische Kriegswaffe, um ein Volk zu beugen und zu erniedrigen, die in vergangenen Kriegen eingesetzt wurde und auch heute aktuell noch eingesetzt wird. Mit dieser Arbeit möchte ich den Opfern der Kriege und Konflikte gedenken und ein Zeichen für den weltweiten Frieden setzen.»

*Die stille Sitzperformance «Mütter» findet zweimal statt: an der Vernissage, die am 4. Mai, von 17 bis 20 Uhr, in der neuen Kirche Don Bosco, im Zentrum Chilematt Steinhausen ZG stattfindet. Die Finissage geht am 26. Mai, von 13 bis 16 Uhr, in der alten Matthiaskirche Steinhausen, beim Zentrum Chilematt über die Bühne. Ab Samstag, 4. Mai, werden auch Werke der «HallelujArt» gezeigt: Es gibt eine Führung, die um 17 Uhr beginnt.


Bettina Filacanavo bei ihrer Sitzperformance | © Bettina Diel
3. Mai 2024 | 17:00
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