Die Abtei St. Maurice im Wallis
Schweiz

Wegen Missbrauchsskandal: Coop nimmt Bier aus Saint-Maurice aus Sortiment

Jetzt ist sogar das Bier sauer geworden: Der Missbrauchsskandal in der katholischen Kirche wirft seine Schatten nun auch auf die Verkaufsregale von Coop. Konkret hat der Grossverteiler das Klosterbier der Abtei Saint-Maurice nicht mehr im Angebot. Grund: Man will nicht mit einem Lieferanten in Verbindung gebracht werden, der öffentlich in Verruf gekommen ist.

Wolfgang Holz

«Dieser Ort hat eine Geschichte zu erzählen. Ich bin nur der Dolmetscher», so rühmt der Brauer die Tradition der Augustiner Chorherren auf der Homepage der Klosterbrauerei. «Die Brauereitätigkeit soll zur Entwicklung und zum Einfluss der Abtei und ihres mehr als 1500-jährigen historischen Erbes sowie zur Dynamik der Region beitragen», heisst es weiter. Die erwarteten Einnahmen aus der Brauerei zielten darauf ab, die schwierige finanzielle Situation der Abtei zu verbessern und sie bei der Umsetzung verschiedener sozialer, ökologischer und kultureller Projekte zu unterstützen, die sie seit langem auf der ganzen Welt durchführe.

Seit 2019 wird Bier gebraut

So weit so gut. Die Abtei Saint-Maurice ist ein Kloster mit mehr als 1500 Jahren Tradition im Kanton Wallis. Seit 2019 lässt die Abtei mehrere Biersorten brauen. Rund eine Million Franken haben die Chorherren in das Projekt investiert. Inzwischen scheint das Bier sauer geworden zu sein.

Für Coop nicht mehr verkäuflich aufgrund des Missbrauchsskandals: Das Bier der Klosterbrauerei St. Maurice.
Für Coop nicht mehr verkäuflich aufgrund des Missbrauchsskandals: Das Bier der Klosterbrauerei St. Maurice.

Denn diese ruhmreiche Tradition ist bekanntlich tief eingetrübt worden, seit letzten Herbst bekannt wurde, dass neun Priester in Fälle von sexuellen Übergriffen auf Minderjährige verstrickt sind. Abt Jean César Scarcella hat sich Mitte September aus dem Amt zurückgezogen, nachdem Vorwürfe wegen sexueller Belästigung gegen ihn bekannt wurden. Auch sein Interims-Leiter ist wegen Missbrauchsvorwürfen beschuldigt worden.

Klosterbier kommt aus den Regalen

Diese neue, unheilvolle Geschichte hat mittlerweile auch Konsequenzen für das Bier. Denn nicht nur der Getränkehändler Amstein verbannte die Klosterbiere aus seinem Sortiment, wie die Zeitung «24 heures» im Dezember berichtete.

Kathedrale von Sitten
Kathedrale von Sitten

Gestern wurde auch bekannt, dass der Detailhändler Coop die Biere aus katholischem Haus aus dem Regal kippt – weil er nicht mit einem Lieferanten in Verbindung gebracht werden will, der in einen Missbrauchsskandal verwickelt ist, wie die «Luzerner Zeitung» und der «Walliser Bote» aktuell berichteten.

Vereinzelt negative Rückmeldungen

Laut Coop seien die Klosterbiere in wenigen Verkaufsstellen in den Kantonen Waadt und Wallis erhältlich gewesen, wie Coop-Mediensprecher Caspar Frey gegenüber kath.ch mitteilt. «Vereinzelt haben wir negative Rückmeldungen von Kundinnen und Kunden erhalten», so Frey. Schon vor der Herausnahme des Klosterbiers aus dem Sortiment im November 2023 sei die Nachfrage zurückgegangen. Frey: «Das Bier ist ein regionales Produkt und hat im Verkauf für Coop insgesamt eine untergeordnete Rolle eingenommen.»

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Der Direktor der Abteibrauerei Cardinaux sagte gegenüber KNA, er hege keinen Groll gegen Coop. Ein Grosshändler wie Coop müsse einen einwandfreien Lieferanten haben. Allerdings sei es unglücklich, das Marketing eines erfolgreichen Bieres mit anderen Aspekten zu vermischen, die nicht in der Zuständigkeitsbereich der Brauerei lägen. Die Abtei ist Hauptaktionärin der Brauerei; doch verfügt diese über eine eigenständige Struktur.

Rückschlag im Vertrieb

Mit dem Rückschlag im Vertrieb dürfte sich die Brauerei weiter von ihrem ursprünglichen Ziel entfernen, 600’000 Flaschen pro Jahr zu produzieren. Seit der Gründung habe man etwa 150’000 Flaschen pro Jahr verkauft; 2023 seien es nur noch 60’000 bis 70’000 gewesen, berichtet RTS. «Wir sind weit davon entfernt, einen Return on Investment für die Bierproduktion zu erzielen», räumt Cardinaux ein. Daher strebe man eine Reduzierung des Geschäftsvolumens an.


Die Abtei St. Maurice im Wallis | © Catherine Jerusalem
10. Januar 2024 | 17:00
Lesezeit : ca. 2  Min.
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