Daniel Prokop ist Pfarrer von Schwanden und kümmert sich um die Nöte der Erdrutschbetroffenen.
Schweiz

Erdrutsch in Schwanden: «Gesichter der Menschen sind von Kummer und Nachdenklichkeit gezeichnet»

Nach einem Erdrutsch in Schwanden GL Ende August zieht eine braune Narbe der Natur durchs Dorf. Für rund 40 betroffene Personen, die bislang im Bereich des Erdrutschkegels wohnten, bedeutet dies nun, dass sie in ihre Häuser nicht zurück dürfen. Die Gebäude sollen abgerissen werden. Der katholische Pfarrer Daniel Prokop kümmert sich vor Weihnachten ganz besonders um die Menschen, die alles verloren haben.

Wolfgang Holz

Herr Pfarrer Prokop, wie ist die Stimmung unter den 40 Evakuierten – gerade jetzt vor Weihnachten? 

Daniel Prokop: Für die vom Erdrutsch betroffenen Menschen, die ihr Zuhause verloren haben, wird das diesjährige Weihnachtsfest anders sein als das vorherige. Die Gesichter sind von Nachdenklichkeit und Kummer gezeichnet. 

Haben alle Evakuierten eine neue Bleibe gefunden? 

Prokop: Alle Opfer haben eine Unterkunft gefunden, einige sind bei Verwandten und Freunden untergekommen. 

Hilft die Kirche in Schwanden auch, die Betroffenen unterzubringen? 

Prokop: Soweit es uns möglich ist, helfen wir den Betroffenen sowohl bei der Wohnungssuche als auch mit einer direkten finanziellen Unterstützung durch die Kollekten. 

«Für die Opfer ist die Situation sowohl finanziell als auch emotional sehr schwierig.»

In welcher Not befindet sich Schwanden aus Ihrer Sicht als Geistlicher? 

Prokop: Für die Opfer ist die Situation sowohl finanziell als auch emotional sehr schwierig. Den Wohnort, in dem man mehrere Dutzend Jahre gelebt hat, plötzlich zu verlieren, ist sehr schwer zu akzeptieren. 

Besuchen Sie die Menschen, um Ihnen Trost vor Weihnachten zu spenden? 

Prokop: Ich bin immer erreichbar und in ständigem Kontakt mit den Betroffenen. Besonders vor Weihnachten versuche ich, die Betroffenen zu besuchen, damit sich niemand allein fühlt. Jeder kann auf unsere Hilfe zählen. Niemand geht mit leeren Händen. Ich hatte viele tiefe und berührende Gespräche. Ich erfuhr von den Betroffenen grosse Dankbarkeit nicht nur für die materielle, sondern auch für die spirituelle Unterstützung. Es ist für mich ermutigend, dass die Menschen trotz der Schwierigkeiten, mit denen die Kirche konfrontiert ist, darin Trost und Hoffnung finden. 

Pfarrer Daniel Prokop ist Seelsorger in Schwanden, das zur Kirchgemeinde Glarus-Süd gehört. Das Interview wurde schriftlich geführt.


Daniel Prokop ist Pfarrer von Schwanden und kümmert sich um die Nöte der Erdrutschbetroffenen. | © glarus24.ch
18. Dezember 2023 | 13:00
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