Seine Aussagen provozieren die Facebook-User: Zeno Cavigelli
Schweiz

Facebook-User: «Jemanden als überflüssig zu bezeichnen, ist verletzend»

Der ehemalige Zürcher Synodale und Theologe Zeno Cavigelli hat die Bischöfe als «die Überflüssigsten im Gebilde der Kirche» bezeichnet. Diese «generelle Abqualifizierung» lässt die Facebook-Community nicht einfach stehen. In die Diskussion schaltet sich auch Cavigelli selbst ein.

Regula Pfeifer

Eine deftige Aussage hat der ehemalige Synodale Zeno Cavigelli gegenüber kath.ch gemacht: «Im Gebilde der Kirche sind die Bischöfe eigentlich die Überflüssigsten». Darauf reagiert der Facebook-User Karl Stadler direkt. Er weist erst darauf hin, dass hier ein pensionierter theologischer Seelsorger «Priester und Bischöfe mit dem Prädikat ‹überflüssig›» versehe. Und er findet: «Man kann wahrscheinlich jemanden kaum tiefgehender verletzen, als eine Person und deren ihr zugedachte Aufgabe im kirchlichen Betrieb als überflüssig zu bezeichnen.»

«Die generelle Abqualifizierung von Bischöfen und Priestern ist anzuhören wie eine beschädigte CD.»

Josef Bernadic, Diakon

Auch Josef Bernadic, Diakon im Bistum Chur, gefällt Cavigellis Aussage zur Bischofsrolle nicht. «Die generelle Abqualifizierung von Bischöfen und Priestern ist anzuhören wie eine beschädigte CD», schreibt er und zollt Cavigelli dürftigen Respekt: «Der im Pastoralraum Dübendorf-Fällanden sich als teamunfähig erwiesene und mit den vielen ergrauten Häuptern am Protestmarsch nach Chur frustrierte Seelsorger holt zum grossen Rundschlag aus».

Ein «neuer Robin Hood»?

Aus dem Interview mit Cavigelli meint er «das italienische Temperament des ehemaligen Synodalen» herauszulesen, der «sich Tumultszenen wie im römischen Abgeordnetenhaus am runden Tisch der VertreterInnen der Kantonalkirchen und den Mitgliedern der Bischofskonferenz herbeisehnt». Und er fragt, ob da in der Zürcher Kirche ein «neuer Robin Hood die Bühne der Polemik» betrete.

Schweizer Bischöfe bei der Vollversammlung im Kloster Einsiedeln, 2023
Schweizer Bischöfe bei der Vollversammlung im Kloster Einsiedeln, 2023

«Die Bischöfe sind an allem Schuld, spielen aber eigentlich keine Rolle.»

«Wie ein Theologe und ehemaliger Synodalrat so etwas schreiben kann, ist mir völlig schleierhaft.», schreibt Thomas Jehle. Er ortet beim «populistischen Rundumschwung» Cavigellis einen mehrfach beobachteten Widerspruch: Da heisse es einerseits, «die Bischöfe sind an allem Schuld, um dann im nächsten Satz wieder zu behaupten: Eigentlich spielen sie überhaupt keine Rolle.»

Lukas Brühwiler
Lukas Brühwiler

«Die Rolle der Bischöfe ist (…) nicht zu unterschätzen. Sie sind immerhin noch die regionalen Repräsentanten der spirituellen Konkursmasse ‹Kirche›», kontert Lukas S. Brühwiler das Überflüssigen-Votum. Er entnimmt dem Interview mit Zeno Cavigelli eine weitere brisante Information: Dieses zeige «die Vetternwirtschaft zwischen Landeskirchen und Bischöfen auf».

Priester Stewen zitiert aus dem Zweiten Vatikanischen Konzil

Der Zürcher Priester Martin Stewen spricht seinen Bekannten auf Facebook direkt an. «Lieber Zeno, in vielen deiner kritischen Gedanken bin ich ja ganz bei dir.» Doch mit der Aussage, die Bischöfe seien die Überflüssigsten, ist er offenbar nicht einverstanden. Er zitiert aus dem Schreiben des Zweiten Vatikanischen Konzils, «Christus Dominus» und fragt den Angesprochenen: «Was bedeuten denn dann die Formulierung «Die einzelnen Bischöfe, denen die Sorge für eine Teilkirche anvertraut ist […]» (Vat II, Christus Dominus 11) und auch das Beten-mit-dem-Ortsbischof im Hochgebet als Ausdruck der Communio der Ortskirche (und schliesslich das Beten-mit-dem-Bischof-von-Rom als Ausdruck der Communio mit der Weltkirche) für dich?»

Martin Stewen an einer Beerdigung in Zürich 2022.
Martin Stewen an einer Beerdigung in Zürich 2022.

Darauf schaltet sich Zeno Cavigelli selbst in die Debatte ein: «Meine Infragestellung des Diözesanbischofs aus dem Faktischen liest sich ja schon wie die Antithese zu Christus Dominus, dem Dekret des Vat. II., das 1965 die Rolle der Bischöfe in der Kirche festlegt.» Für ihn sind die Aussagen des Zweiten Vatikanums bereits überholt – etwa die Rolle des Bischofs als Hirten. Und er betont: «Vieles ist schief geworden in unserer römisch-katholischen Kirche und bedarf sowohl kultureller als auch struktureller Erneuerung. Wir (sic!) müssen da energisch dahinter und innert nützlicher Frist (ca. gestern) Erneuerungsfähigkeit beweisen.»


Seine Aussagen provozieren die Facebook-User: Zeno Cavigelli | © Annalena Müller
23. Oktober 2023 | 12:03
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