Zum Gedenken an Schwester Minke de Vries
Zum zehnten Todestag von Minke de Vries (1929-2013) erinnert der Theologe Stephan Leimgruber an die evangelische Priorin, welche die Gemeinschaft von Grandchamps prägte. In Grandchamps leben heute über 40 Schwestern und mehrere Novizinnen in einer kontemplativen Gemeinschaft.
Stephan Leimgruber
Am 19. Oktober 2013 ist die Priorin der Schwesternkommunität von Grandchamp bei Neuenburg verstorben. Schwester Minke de Vries gehörte der evangelischen kontemplativen «Klostergemeinschaft» in Grandchamp bei Neuenburg an. Dreissig Jahre (1970-1999) hat sie diese taizéähnliche Gemeinschaft geleitet, aufgebaut und weltweit in ökumenischen Kontexten vertreten. 1995 gestaltete sie für den Karfreitag den Kreuzweg vom Kollosseum in Rom im Auftrag des damaligen Papstes Johannes Paul II. Am 23. Oktober 2013 fand die Auferstehungsfeier in Grandchamp statt unter grosser Anteilnahme der kirchlichen Öffentlichkeit.
Werdegang
Aus den Niederlanden stammend, hat Minke de Vries Philosophie, Literatur und Theologie studiert. Die Tage der Einkehr (retreats) hat sie in Grandchamps angezogen, Sr. Minke de Vries trat mit 29 Jahren in die Kommunität von Grandchamp ein und wurde bald zur prägenden Figur. Sie öffnete die Gemeinschaft für weltweite Horizonte, verlinkte sie mit der Ökumenischen Bewegung und mit anderen christlichen Gemeinschaften und sie vernetzte Grandchamp in internationalen Kontexten. Durch ihre Teilnahme an grossen Tagungen schuf sie der Kommunität ein Profil und gewann in aller Bescheidenheit grosse Bekanntheit.
Gemeinschaft in Grandchamps
Entstanden ist die Gemeinschaft in Grandchamp vor dem Zweiten Weltkrieg, in einem längeren Prozess zwischen 1931 und 1944 aus geistlichen Einkehrtagen (silent retreats) dreier Frauen: Hélène Laufer Sautier (1882-1959), Geneviève Micheli de Lacroix (1883-1961), die später die erste Priorin wurde und Marguerite de Beaumont (1883-1961), die in Grandchamp einen Ort der Stille einrichten wollten. Daraus 1944 eine kontemplative Ordensgemeinschaft reformierter Tradition. Roger Schutz (1915-2005), der in Neuenburg Theologie studierte, besuchte 1940 Grandchamp, wurde von der Gemeinschaft inspiriert und liess die Erfahrung dieser Kommunität in sein eigenes Taizé-Projekt im Burgund einfliessen.
Heute zählt die kontemplative Schwesterkommunität über 40 Schwestern und mehrere Novizinnen. Sie bewohnt in Grandchamp bei Areuse westlich von Neuenburg eine bäuerliche Häusergruppe, aus der eine mächtige Scheune herausragt, die zu einem Gebetsraum – der «Arche» – umgestaltet worden ist. Hier lebte, arbeitete und betete Schwester Minke de Vries 55 Jahre lang. Über dem Vorplatz des Weilers, der mit einem Brunnen ausgestattet ist, geht ab und zu eine blau gekleidete Ordensfrau mit Schleier oder eine der vielen Besucher/innen.
Gebet und Nähe zu Taizé
Viermal am Tag finden die Schwestern zu Stille, Hören der heiligen Schrift und zum Gebet zusammen. Viermal am Tag (7h15; 12h15; 18h30 und 20h30) treffen sich die Schwestern in Grandchamp, zur Schriftmeditation, zum Gesang und zweimal in der Woche (am Sonntag und am Donnerstag) feiern sie mit einem Pfarrer der Umgebung Eucharistie (in Taizé täglich.) Grandchamp ist ein spiritueller Kraftort mit grosser Ausstrahlung und über die konfessionellen Grenzen hinweg.
Die Gemeinschaft ist verwandt mit der Kommunität in Taizé im Burgund. Schwester Minke stand in gutem Kontakt mit Roger Schutz (1915-2005), dem Leiter der hundertköpfigen Gemeinschaft von Taizé. Grandchamp wiederum liess sich formen von Taizé und fand doch zu einer eigenen Spiritualität. Im Jahre 1954 kam es im deutschsprachigen Raum in Gelterkinden zur Gründung des Sonnenhofes als «Haus der Stille». Hier leben momentan eine Handvoll.
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