Helena Jeppesen-Spuhler: «Warum nehme ich an der Synode teil?»
Die Schweizerin Helena Jeppesen-Spuhler ist eine von 45 Frauen, die bei der Weltsynode in Rom stimmberechtigt sind. Obwohl die Synode nur beratende Funktion hat, hofft Jeppesen-Spuhler auf Bewegung. In einem Gastkommentar erklärt sie, warum sie trotz Missbrauchskrise an der Synode teilnimmt.
Helena Jeppesen-Spuhler
Für die Zukunft der katholischen Kirche ist die weltkirchliche Ebene von grosser Bedeutung. Denn nach geltendem Kirchenrecht werden viele wichtige Entscheidungen in Rom getroffen: Stellung der Frauen, Amtsverständnis und Zulassungsbedingungen, Dezentralisierung der Kirche, kirchliche Lehre zur Sexualmoral und zum Menschenbild, Inklusion von bisher ausgegrenzten oder diskriminierten Menschen …
Partizipativer Prozess
Mit der Synode 2021-2024 hat der Papst erstmals in der neueren Kirchengeschichte einen partizipativen Prozess in Gang gesetzt, bei dem grundsätzliche Fragen zur Gestalt und Zukunft der Kirche zunächst an der Basis diskutiert, dann in den Bistümern und Bischofskonferenzen und auf kontinentaler Ebene, und nun auf weltkirchlicher Ebene beraten werden.
Die Synode in Rom ist nun der Ort, wo aus diesem Prozess Schlüsse gezogen und konkrete Vorschläge für Veränderungen ausgearbeitet werden. Einen anderen Ort, andere Einflussmöglichkeiten auf die weltkirchlichen Entscheidungen gibt es derzeit nicht. Es ist deshalb wichtig, diese reale Chance bestmöglich zu nutzen. Nähme ich nicht teil, würde ich die vielen Menschen im Stich lassen, die bei der Umfrage zur Synode mitgemacht haben und ich würde anderen das Feld überlassen.
Reine Beratungsfunktion ist fragwürdig
Es ist für mich wie für viele andere Mitglieder der Kirche unverständlich und fragwürdig, dass die Synode keine verbindlichen Beschlüsse fällen, sondern nur dem Papst Vorschläge unterbreiten kann. Und natürlich wünschte auch ich mir eine viel diversere Zusammensetzung der Synode: Weniger Bischöfe, mehr Frauen und Basis-Katholik:innen, Einbezug von queeren Personen und Betroffenen von Missbrauch. Aber immerhin hat der Papst einen ersten Öffnungsschritt vollzogen und die Zugangstüre zur Synode einen Spaltbreit geöffnet, so dass erstmals auch Nicht-Bischöfe und Frauen mit Stimmrecht zugelassen sind. Ich möchte diesen Zugang nutzen, um mich gemeinsam mit anderen dafür einzusetzen, dass die Tür zu kirchlichen Entscheidungen für alle Getauften, namentlich die Frauen, wirklich geöffnet wird und dass synodale Gremien nicht mehr nur beraten, sondern tatsächlich mitentscheiden können.
Zeit für mutige Entscheidungen
Was die Synode am Ende bewirken wird, ist offen – und Enttäuschungen sind möglich. Aber die Signale, die von der Synode ausgehen, sind trotzdem wichtig. Und zwar nicht nur, um den Papst zu überzeugen, dass nach der Zeit des Hörens und Unterscheidens nun die Zeit mutiger Entscheidungen gekommen ist, sondern auch, um all jene, die sich vor Ort für eine glaubwürdige Kirche einsetzen, in ihrem Glauben und ihrem Engagement zu bestärken. Denn Synodalität lebt nicht nur von grösseren kirchenrechtlichen Spielräumen, sondern mindestens ebensosehr davon, dass Einzelne, Gruppen, Pfarreien, Verbände ihre Verantwortung wahrnehmen und sich mutig einbringen.
Hier geht es zur › Bestellung einzelner Beiträge von kath.ch.




