Regula Pfeifer
Kommentar

Missbrauchsvertuschung von Bischöfen: Es braucht eine unabhängige Sonderermittlung

Dass der Vatikan eine Untersuchung gegen die Schweizer Bischöfe eingeleitet hat, die Missbrauch vertuscht haben sollen, ist richtig. Aber wie er das tut, ist unmöglich. Es manövriert den beauftragten Bischof Bonnemain in mehrfache Loyalitätskonflikte hinein. Die Lösung wäre: ein unabhängiges Untersuchungsgremium.

Regula Pfeifer

Schweizer Bischöfe sollen Missbrauch vertuscht haben. Jean César Scarcella, Abt der Territorialabtei Saint-Maurice soll sogar einen Teenager missbraucht haben. Um das aufzuklären, hat der Vatikan Bischof Joseph Bonnemain als Sonderermittler eingesetzt.

«Dass er sich dabei unwohl fühlt, ist offensichtlich.»

Diese Aufgabe macht er nicht gern, sagte Bischof Joseph Maria Bonnemain an der Pressekonferenz zur Missbrauchsstudie in der Schweiz. Er verzog dabei das Gesicht. Dass er sich dabei unwohl fühlt, ist offensichtlich. Schon zuvor hatte er gesagt, dass es ihm dabei nicht gut gehe. Er hat allen Grund dafür.

Bischof Joseph Maria Bonnemain.
Bischof Joseph Maria Bonnemain.

Denn unter die Lupe nehmen muss Bischof Joseph Bonnemain die Schweizer Bischöfe Jean-Marie Lovey, Charles Morerod, Alain de Raemy und Jean-Claude Périsset. Drei der vier sind Amtskollegen im pastoralen Spitzengremium der katholischen Kirche. Mit ihnen und sechs weiteren Bischöfen trifft er sich regelmässig, um den Kurs der Schweizer Kirche zu diskutieren und bestimmen.

Und nun soll er gegen sie vorgehen? Er müsse nur die Untersuchung führen und die Resultate ans zuständige Dikasterium für die Bischöfe senden, relativierte Bonnemain auf Nachfrage eines Journalisten an der Pressekonferenz. Letzteres werde schliesslich den Entscheid fällen.

«Es könnte in dieser Konstellation zur Vertuschung von Vertuschungen kommen.»

Dennoch: Seinen Blick in die Dokumente und Archive werden die betreffenden Bischöfe wohl kaum als angenehm empfinden. Das könnte nicht nur negative Folgen für die Zusammenarbeit untereinander haben. Es gefährdet auch den Erfolg der Aktion. Denn Kollegialitätskonflikte sind vorprogrammiert. Noch schlimmer: Es könnte in dieser Konstellation auch zur Vertuschung von Vertuschungen kommen. Genau solche Verstrickungen sind mit ein Grund, weshalb die Kirche steht, wo sie steht – mitten im Missbrauchsskandal.

Schweizer Bischöfe bei der Vollversammlung im Kloster Einsiedeln, 2023
Schweizer Bischöfe bei der Vollversammlung im Kloster Einsiedeln, 2023

Was es hier braucht, ist ein unabhängiges Gremium – mit unabhängigen Menschen, die nicht mit den betreffenden Bischöfen kollegial oder gar freundschaftlich verbandelt sind. Am besten ein Team aus juristisch versierten Personen, die bereits ähnliche Vorfälle untersucht haben. Also Spezialistinnen und Spezialisten, die wissen, wo die Fallstricke hängen und einen neutralen Blick auf die schwierige Thematik haben.


Regula Pfeifer | © Christoph Wider | © Christoph Wider
14. September 2023 | 17:00
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