Positive Umweltsignale sind für Brasilien wichtig
Eine gute und eine schlechte Nachricht für Brasiliens Umwelt: Während in Amazonien im ersten Halbjahr 42,5 Prozent weniger Wald gerodet wurde, nahm die Abholzung in der Cerrado-Savanne um 21 Prozent zu, wie Medien berichteten.
Thomas Milz
Die ambivalenten Zahlen kommen kurz vor einem Treffen der Amazonas-Anrainerstaaten am 8. und 9. August in der brasilianischen Amazonasmetropole Belem. Dort soll über den Schutz von Flüssen und Wäldern diskutiert werden. Für Präsident Luis Inacio Lula da Silva, der zurzeit mit der EU in Verhandlungen steht, sind positive Umwelt-Signale wichtig.
Satellitengestütztes Warnsystem
Bei den nun veröffentlichten Abholzungszahlen handelt es sich um vorläufige Berechnungen des staatlichen Klimainstituts INPE, die unter anderem auf Daten eines satellitengestützten Warnsystems «Deter» beruhen.
Tiefer gehende Analysen werden erst im November vorliegen, wenn zusätzliche Daten ausgewertet sind. Dann wird INPE die offiziellen Abholzungszahlen für den Zeitraum August 2022 bis Juli 2023 vorstellen.
«Deter» registrierte in dieser Zeitspanne Abholzungen von 7’952 Quadratkilometern Fläche in Amazonien. Sollten sich diese bestätigen, läge der Wert unter den 8.590 Quadratkilometern Waldverlust in den zwölf Monaten davor.
Vor Bolsonaro: 4’571 Quadratkilometer
Allerdings wäre damit noch nicht das Niveau vor Beginn der Präsidentschaft Jair Messias Bolsonaros im Januar 2019 erreicht. So betrug die Amazonas-Abholzung von August 2017 bis Juli 2018, also vor Beginn der Amtszeit des Rechtspopulisten, 4’571 Quadratkilometer.
In der Cerrado-Savanne indes würde eine Bestätigung der nun als vorläufig gemeldeten 6’359 Quadratkilometer Waldverlust einen neuen Spitzenwert bedeuten. Experten sehen zwei Gründe für den Anstieg. So ist die Savanne in Zentralbrasilien erst seit einigen Jahren in den Fokus von Umweltschützern und Behörden geraten. Kontrollmechanismen, wie es sie seit Jahrzehnten in Amazonien gibt, stehen dort noch nicht zur Verfügung.
Andere Umweltschutzgesetze
Zudem gelten im Cerrado-Gebiet andere Umweltschutzgesetze: So müssen Grundbesitzer nur 20 Prozent ihres Landes bewahren, 80 Prozent dürfen wirtschaftlich erschlossen werden. In Amazonien ist es genau umgekehrt. Dort müssen Landbesitzer 80 Prozent ihrer Grundstücke schützen, während nur 20 Prozent gerodet werden dürfen. Solange sich die Landbesitzer an diese Regeln halten, gilt die erfolgte Abholzung als legal.
In der Diskussion um den Waldschutz in Brasilien spielt dies eine wichtige Rolle. So hat der neue linke Präsident Lula, der seit Januar im Amt ist und Vorgänger Bolsonaro stets als Umweltsünder anprangert, versprochen, die illegale Abholzung bis 2030 auf null zu bringen.
Abholzung unter Bolsonaro legal
Bolsonaro seinerseits hatte die relativ hohen Abholzungsraten in seiner Regierungszeit immer als weitgehend legal dargestellt.
Lulas Versprechen, die illegale Baumrodung zu bekämpfen, würde also die zunehmende Zerstörung der Cerrado-Savanne kaum betreffen, da die dortige Praxis zu grossen Teilen rechtskonform ist.
Lula zuletzt erbost über EU-Forderungen
Zuletzt reagierte Lula erbost auf Forderungen der EU, die für den Abschluss eines Handelsabkommens mit dem südamerikanischen Wirtschaftsblock Mercosur einen strengeren Waldschutz verlangte. Lula will nun das bevorstehende Treffen in Belem nutzen, um sein internationales grünes Image aufzupolieren. (kna)
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