Papst Franziskus und Metropolit Antonij im August 2022 in Rom.
Vatikan

Papst empfängt Aussenamtschef des Moskauer Patriarchats

Kaum aus dem Krankenhaus entlassen, hat Papst Franziskus am Freitag Metropolit Antonij zum Gespräch empfangen. Der Aussenamtschef der russisch-orthodoxen Kirche überbrachte dem Papst Grüsse und Wünsche für eine schnelle Genesung von Patriarch Kyrill I. Laut Antonij ist es nicht ausgeschlossen, dass Kyrill in Moskau Kardinal Matteo Zuppi empfängt.

Papst Franziskus hat am Freitag den Aussenamtschef der russisch-orthodoxen Kirche, Metropolit Antonij, empfangen. Der Metropolit habe dem Oberhaupt der katholischen Kirche vom orthodoxen Moskauer Patriarchen Kyrill I. Grüsse und Wünsche für eine schnelle Genesung überbracht, teilte Russlands orthodoxe Kirche am Abend mit.

Am Ende ihres Gesprächs übergaben sie sich demnach Geschenke. Franziskus hatte erst am Freitagmorgen die Gemelli-Klinik in Rom verlassen, in der er am 7. Juni am Darm operiert und bis Freitag medizinisch versorgt wurde.

Antonij traf auch Kardinalstaatssekretär

Antonij traf sich am Freitag im Vatikan auch mit Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin. «Im Laufe eines längeren Gesprächs, das in einer herzlichen Atmosphäre stattfand, erörterten beide Seiten ein breites Spektrum aktueller Fragen der bilateralen Beziehungen», hiess es vonseiten des Moskauer Patriarchats.

Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin im Vatikan, 2018.
Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin im Vatikan, 2018.

Antonij sagte der staatlichen russischen Nachrichtenagentur RIA Nowosti, es sei nicht ausgeschlossen, dass Kyrill I. in Moskau den italienischen Kardinal Matteo Zuppi empfange, der vom Papst mit einer Friedensmission für die von Russland angegriffene Ukraine betraut wurde. Es hänge von Zuppis Wünschen und vom Terminkalender des Moskauer Patriarchen ab, ob beide zusammenkämen.

Kardinal Zuppi in Ukraine

Franziskus hatte Anfang Juni Zuppi, den Vorsitzenden der Italienischen Bischofskonferenz, für zwei Tage in die Ukraine gesandt. In Kiew sprach er unter anderen mit Präsident Wolodymyr Selenskyj und Kirchenvertretern. Am vergangenen Wochenende äusserte sich der Kardinal optimistisch zu einem Moskau-Besuch: Die Zeichen stünden auf Aufmerksamkeit, auf Erwartung und man gehe davon aus, dass es von Seiten der russischen Regierung und der orthodoxen Kirche einen gewissen Zuspruch geben werde.

Kardinal Matteo Zuppi
Kardinal Matteo Zuppi

Wegen seiner Unterstützung für Russlands Krieg gegen die Ukraine steht das orthodoxe Moskauer Patriarchat massiv in der Kritik. Das Kirchenoberhaupt Kyrill I. ist ein wichtiger Verbündeter des russischen Präsidenten Wladimir Putin, gegen den der Internationale Strafgerichtshof in Den Haag einen Haftbefehl wegen mutmasslicher Kriegsverbrechen erlassen hat.

Antonij auch bei Sant’Egidio

Antonij hatte bereits am Donnerstag im Vatikan dessen Aussenbeauftragten Erzbischof Paul Gallagher besucht und sich in Rom mit der katholischen Gemeinschaft Sant’Egidio getroffen. Einzelheiten zu den Gesprächen der Nummer zwei des Moskauer Patriarchats im Vatikan wurden bisher nicht bekannt. Die russisch-orthodoxe Kirche erklärte nur, man habe eine Reihe von Themen erörtert, die aktuell in den Beziehungen zur römisch-katholischen Kirche von Bedeutung seien. Erst Anfang Mai hatte Antonij nach der Generalaudienz auf dem Petersplatz kurz mit Papst Franziskus gesprochen. (kna)


Papst Franziskus und Metropolit Antonij im August 2022 in Rom. | © KNA
18. Juni 2023 | 09:12
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