Luc Humbel (links), Kirchenratspräsident der Römisch-Katholischen Landeskirche im Aargau und Bischof Felix Gmür.
Schweiz

Gebenstorf-Turgi: Geht der Kirchenstreit weiter?

Der umstrittene Pater Adam Serafin hinterlässt verbrannte Erde, auch nach seiner Kündigung durch die Aargauer Landeskirche. An der Versammlung der Kirchgemeinde Gebenstorf-Turgi Ende Mai wurde die Rechnung 2021 abgelehnt, zum zweiten Mal. Luc Humbel, Präsident der Aargauer Landeskirche, gibt sich trotzdem optimistisch: «Trotz aller Altlasten floriert das pastorale Leben».

Sarah Stutte

Wie die «Aargauer Zeitung» am 3. Juni in ihrem Artikel über die Kirchgemeindeversammlung in Gebenstorf-Turgi schrieb, würden nach wie vor «zahlreiche Rechtsverfahren das Kirchenleben belasten». Ganz so zahlreich seien diese Verfahren aber dann doch nicht, weiss Luc Humbel, Präsident der Aargauer Landeskirche.

«Offen ist derzeit nur noch das Kündigungsverfahren gegen Pater Adam und die Strafverfahren gegen die beiden ehemaligen Mitarbeiter: Kirchenpflegepräsident Daniel Ric und Finanzressortleiter Igor Kos», klärt Humbel auf.

Rechtswidrige Kündigung

Schon im Dezember 2022 hatte das Aargauer Verwaltungsgericht entschieden, dass der bischöfliche Entzug der «missio canonica» von Pater Serafin und die Kündigung vom Oktober 2020 durch die Landeskirche umfassender hätten begründet werden müssen.

Pater Adam Serafin feiert eine Messe vor der Kirche in Gebenstorf.
Pater Adam Serafin feiert eine Messe vor der Kirche in Gebenstorf.

Damit erwies sich diese zwar als rechtswidrig, behielt aber trotzdem ihre Gültigkeit. Aus diesem Grund zog Serafin die Kündigung bis ans Bundesgericht weiter. Dieses delegierte den Fall wieder an den Kanton zurück, wo er bis jetzt hängig ist.

Pfarrer wurde weiter bezahlt

Ebenfalls noch im Raum stehen die bereits erwähnten Strafverfahren gegen die beiden früheren Kirchenpflegemitglieder, die Mitte Mai 2022 ihres Amtes enthoben wurden. Die Vorwürfe gegen sie wiegen schwer: Amtsmissbrauch wegen massiver Budgetüberschreitungen, unter anderem für Seelsorge-Aushilfen oder Anwaltskosten zur Klärung des Anstellungsvertrags von Pater Serafin.

Letzterer konnte während dieser Zeit auf die Unterstützung durch den damaligen Kirchenpflegepräsident Daniel Ric zählen. Weil der Pfarrer die Einsprache gegen seine Kündigung bis vor das höchste vatikanische Gericht zog, «hat ihm die damalige Kirchenpflege weiterhin für zehn Monate auch ohne Anstellungsvertrag weiter Lohn bezahlt», so Humbel.

Selbstbedienungsladen Kirchenpflege

Nicht verwunderlich ist deshalb, dass nicht nur die Rechnung 2020 bereits zweimal an der Kirchgemeindeversammlung abgelehnt wurde – selbst von der neuen Kirchenpflege. Andererseits wurde an der ausserordentlichen Versammlung vom 30. Mai nun auch schon zum zweiten Mal die Rechnung von 2021 zurückgewiesen.

Daniel Ric, ehemaliger Präsident der Kirchenpflege Gebenstorf-Turgi.
Daniel Ric, ehemaliger Präsident der Kirchenpflege Gebenstorf-Turgi.

«Es ist konzis, dass diese Rechnungen abgelehnt wurden, da sie Positionen beinhalten, wo sich die alte Kirchenpflege zu Gunsten von Pater Adam wie in einem Selbstbedienungsladen bedient hat», sagt Luc Humbel.

Nochmalige Überprüfung

Während die Rechnung 2020 von einem Treuhandbüro der Landeskirche Aargau bereits überprüft wurde und zum Amtsenthebungsverfahren von Ric und Kos führte, bleibt offen, ob die Rechnung 2021 nun ebenfalls nochmals überprüft werden muss.

Diskussionen gab es an der ausserordentlichen Kirchgemeindeversammlung Ende Mai auch nochmals zu den Gesamterneuerungswahlen, die Ende November 2022 stattfanden. Dort wurden Andreas Zillig als neuer Präsident sowie drei neue Mitglieder der Kirchenpflege gewählt und vier bisherige Personen, die seit 2022 im Gremium sitzen, bestätigt.

Aufschiebende Wirkung entzogen

Dagegen gab es damals Beschwerden. Es hiess, die im November gewählten Personen seien unrechtmässig im Amt. Denn die Klage gegen die Erneuerungswahlen habe aufschiebende Wirkung. Es sei derjenige Zustand aufrechtzuerhalten, der vor Erlass der angefochtenen Verfügung bestand.

Neue Kirchenpflege: Andreas Zillig, Willy Deck, Hilde Seibert, Hans-Peter Schmidt, Bernhard Hollinger.
Neue Kirchenpflege: Andreas Zillig, Willy Deck, Hilde Seibert, Hans-Peter Schmidt, Bernhard Hollinger.

Das verneint Luc Humbel: «Allen Verfahren wurde die aufschiebende Wirkung entzogen. Die Kirchenpflege und alle Wahlen wurden in ihrer Rechtmässigkeit bestätigt mit Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Aargau von diesem Frühling».

Pastorale Arbeit vor Ort läuft

Humbel ergänzt: «Auf eine Beschwerde dagegen ist das Bundesgericht nicht eingetreten, wie uns letzte Woche mitgeteilt wurde.» Denn der Anwalt der Beschwerdeführenden habe die Frist verpasst. «Damit sind alle Kirchenpflegemitglieder rechtmässig gewählt.»

Die noch offenen Verfahren hätten keine Auswirkungen für die Arbeit vor Ort. «Das pastorale Leben floriert wieder und die Gemeindeaktivitäten sind gut besucht», erklärt der Präsident der Aargauer Landeskirche.

Der ehemalige Kirchenpflegepräsident Daniel Ric war für eine Stellungnahme nicht zu erreichen. (sas)


Luc Humbel (links), Kirchenratspräsident der Römisch-Katholischen Landeskirche im Aargau und Bischof Felix Gmür. | © zVg
13. Juni 2023 | 12:00
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