Bischofswahl-Appellanten über Treffen mit Bundesrat Cassis und Nuntius Krebs: «Wir sind sehr zufrieden»
Die drei Appellanten für eine neue Bischofswahl-Klausel im Bistum Lugano haben sich am Dienstag mit Bundesrat Igazio Cassis und dem päpstlichen Nuntius Martin Krebs getroffen. Der Tessiner Carlo Seitz sagt vor dem Treffen: «Ich bin verliebt in einen Bischof, und er ist Westschweizer».
Regula Pfeifer
«Das Treffen ist sehr gut gegangen», sagt Luigi Maffezzoli am Telefon. Sie seien sehr zufrieden. Eben war er noch im Gespräch mit Bundesrat Ignazio Cassis und dem päpstlichen Nuntius Martin Krebs gewesen – gemeinsam mit seinen Mitstreitenden: der Tessiner Mitte-Kantonsrätin Maddalena Ermotti Lepori und dem Lega-Kantonsrat Carlo Seitz.
Die drei hatten im Januar einen Appell lanciert und dafür Unterschriften gesammelt. Verlangt wird, dass die Modalitäten der Bischofswahl im Bistum Lugano geändert werden. Fortan solle nicht nur ein gebürtiger Tessiner dieses Amt innehaben können, sondern auch eine andere Person.
Vom Gesprächsangebot überrascht
Ursprünglich wollten die drei einfach den Appell mit den Unterschriften dem Nuntius und dem Bundesrat überreichen. «Dass wir dann tatsächlich zu einem normalen Gespräch zwischen dem Nuntius und dem Bundesrat eingeladen wurden, hat uns überrascht», sagte Maffezzoli im Vorfeld. «Ich hätte mir nicht so viel vorgestellt.»
Positive Signale von Nuntius und Bundesrat
Beim Austausch am Dienstag um 16 Uhr habe Nuntius Martin Krebs dem Trio gedankt für sein Engagement, erzählt Luigi Maffezzoli kurz danach. Und dabei unterstrichen, wie wichtig es sei, dass ein Teil des Volkes sich mit Unterschrift für das Anliegen engagiere. Er habe zudem seine positive Einstellung zum Anliegen geäussert. Für die Kirche sei es besser, universelles Recht anwenden zu können. Anstelle eines lokalen Partikularrechts, wie es im Tessin aktuell gelte.
Bundesrat Cassis habe zuerst die Hintergründe der Klausel erklärt, so Maffezzoli. Sie sei 1888 in der Zeit des Kulturkampfs in der Schweiz entstanden. Das Problem der Klausel war dem Tessiner Bundesrat offensichtlich bekannt. Er habe sich positiv über die Möglichkeit geäussert, diese Klausel zu überarbeiten.
Alarmierte Sicherheitsmänner
Vor dem Meeting gehen die drei Appellanten vor den Palast des Aussendepartements, direkt neben dem Bundeshaus. Ein Kameramann und ein Journalist von Schweizer Fernsehen RSI sind auch da – abgesehen von kath.ch. Für RSI wollen die drei eine kleine Show machen. Dafür gehen sie auf den Eingang des Aussendepartements zu. Doch plötzlich tauchen zwei Sicherheitsmänner auf und stoppen sie. Es gilt, mit etwas Abstand vom Gebäude zu warten.
Unterdessen fährt immer mal wieder eine Limousine vor – und jemand steigt aus. Auch eine Blaskappelle spielt auf – allerdings nicht für die drei Tessiner Appellanten.
«Alain de Raemy ist fantastisch.»
Carlo Seitz, Lega-Kantonsrat
Gefragt nach seiner Motivation, stellt Mitinitiant Carlo Seitz (71), ehemaliger Tessiner Lega-Kantonsrat, gegenüber kath.ch klar: Der neue Führungsstil des apostolischen Administrators Alain de Raemy brachte die drei Freunde auf die Idee. «Ich bin verliebt in einen Bischof, und er ist Westschweizer», sagt er überschwänglich. «Alain de Raemy ist fantastisch.»
Mitstreiterin Maddalena Ermotti Lepori, Mitte-Kantonsrätin, relativiert: «Es geht uns nicht darum, dass wir unbedingt Alain de Raemy zum Bischof wollen, es geht ums Grundsätzliche.»
Spontane Mithelfende
Weiter erzählt sie: «Wir haben diesen Appell lanciert, ohne eine Organisation dahinter – weder eine Gewerkschaft, noch eine Partei». Als der Appell medial bekannt war, hätten viele Leute Unterschriftenblätter bei ihnen verlangt und von sich aus Unterschriften gesammelt. «Das bedeutet: Es ist ein sehr wichtiges Anliegen.»
Gut 2300 Unterschriften kamen so zusammen. Diese hatten die Appellanten in zwei Schachteln gesteckt, mit je einer Tessin-Fahne als Deckblatt.
Vorbild Papst Franziskus: Qualität der Person entscheidend
«Das Tessin soll sich öffnen», sagt Carlo Seitz und kreist mit seinen Armen. Nicht die Nationalität solle bei der Bischofswahl fortan entscheidend sein, sondern die Qualität einer Person. Er verweist auf den Papst aus Argentinien. Auch dieser wähle die Kardinäle nicht nach Herkunft aus. Er ernenne die besten unter ihnen. Ähnlich solle es fortan im Tessin möglich werden. Seitz hofft, dass Bundesrat Cassis «als Tessiner und mit seiner Erfahrung in der Aussenpolitik, diesen historischen Wechsel erreicht».
Luigi Maffezzoli äussert sich zurückhaltender. Er wisse nicht, wie es weitergeht. Eine Änderung der Bischofswahl-Klausel hätten vorher bereits andere – jeweils Einzelpersonen – vorgebracht. «Wir haben nun erstmals Unterschriften dafür gesammelt. Also die Stimme des Volkes hören lassen.»
Zwei souveräne Staaten am Ruder
Und wie geht es weiter? Das wissen die drei noch nicht. «Das hängt nicht von uns ab», sagt Luigi Maffezoli. Nun seien die Diplomaten zweier souveräner Staaten am Ruder. «Es wäre überheblich von uns zu sagen, was diese tun sollten mit der Tessiner Bischofswahl-Klausel.» (geändert am 6.4.23, 10 Uhr)
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