ARD-Doku kritisiert Rudolf Voderholzer
Früher lehrte Rudolf Voderholzer in Freiburg i.Ü. Seit 2013 ist er Bischof von Regensburg. Beim Synodalen Weg in Deutschland sorgte er mit einer problematischen Aussage zur Missbrauchskrise für Empörung, wie die ARD-Doku «Die katholische Krise und die Frauen» in Erinnerung ruft.
«…dass für die betroffenen Kinder und Jugendlichen die Vernehmungen wesentlich schlimmer sind als die im Grunde harmlosen Missbrauchsfälle.»
Die ARD-Doku «Die katholische Krise und die Frauen» zitiert den Bischof von Regensburg, Rudolf Voderholzer. Dieser hatte im Februar 2022 beim Synodalen Weg gesagt:
«Was dabei zu kurz kommt, ist, dass 1973 die Strafrechtsreform Kindesmissbrauch nicht mehr als Verbrechen eingeschätzt hat, und zwar auf der Basis von sexualwissenschaftlichen Urteilen, die davon ausgehen, dass für die betroffenen Kinder und Jugendlichen die Vernehmungen wesentlich schlimmer sind, als die im Grunde harmlosen Missbrauchsfälle.
Dieser Zeit-Index muss beachtet werden und ich habe den Eindruck, die Verantwortlichen in der Kirche haben damals eher dem Zeitgeist nachgegeben, als dass sie sich um Recht und Gerechtigkeit bemüht hätten. Und ich bin nicht bereit, heute diesen selben Fehler wieder zu begehen. Danke.»
Johannes Norpoth vom Betroffenenbeirat der Deutschen Bischofskonferenz kritisierte daraufhin Voderholzers Entgleisung als «unfassbare Empathielosigkeit»: «Es kann doch nicht sein, dass 2022 in einer Synodalversammlung wie hier von einer Verharmlosung sexueller Straftaten gegenüber Minderjährigen und Kindern gesprochen wird.»
Noch am selben Tag entschuldigte sich Voderholzer für seine Äusserungen: «Menschen, vor allem Missbrauchsopfer fühlen sich von mir vor den Kopf gestossen, verletzt, sind empört. Das macht mich traurig und lässt mich beinahe verzweifeln. Ich bitte um Verzeihung», hiess es in einem Statement des Bischofs.
Er hätte seine Überlegungen besser breiter etwa «in Form eines wissenschaftlichen Aufsatzes» entfalten sollen anstatt in einer kurzen Wortmeldung. So jedoch habe er seinen Gedankengang nicht angemessen darlegen können: «Die Verharmlosung von Pädophilie und Päderastie, die Verharmlosung von Sex mit Kindern, den wir heute zum Glück alle als fundamentales Verbrechen einstufen, war ein Skandal der 1970er Jahre.» Es tue ihm «ausserordentlich leid, vor allem wegen der Opfer, die sich nun in den Bauch getreten fühlen», beteuerte der Bischof. «Sehr geehrte Betroffene, vor allem im Bistum Regensburg, Sie wissen, dass ich an Ihrer Seite stehe und mich nach Kräften dafür einsetze, dass Ihnen grösstmögliche Gerechtigkeit widerfährt.» Er stehe an der Seite der Opfer und trete dafür ein, «das Übel des sexuellen Missbrauchs klar zu benennen und alles Menschenmögliche dafür zu tun, dass es effektiv bekämpft wird».
Die Zürcher Paulus-Akademie und kath.ch laden zu einer Premiere ein: Die ARD-Doku «Die katholische Krise und die Frauen» wird am Dienstag um 18.30 Uhr gezeigt – in Anwesenheit der Filmautorin Henriette Bornkamm. Mit dabei sind auch Viola Kohlberger, Pfadfinderin und Delegierte des Synodalen Wegs, und Franziska Driessen-Reding, Präsidentin des Synodalrates der Katholischen Kirche im Kanton Zürich. Sie ist in der ARD-Doku kurz eingeblendet – zusammen mit der Liechtensteiner Aktivistin Chantal Götz. (rr)
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