Frau im liturgischen Gewand
Schweiz

Filmpremiere zur Frauenfrage in Zürich: «Die Kirche amputiert sich selbst»

Der Synodale Weg in Deutschland geht im März in den Endspurt. Werden sich die Reformkräfte durchsetzen können und in Rom Gehör finden? Diesen Fragen geht die deutsche Filmemacherin Henriette Bornkamm in einer Dokumentation aus Sicht der Frauen nach. Premiere ist am Dienstag in der Paulus-Akademie Zürich.

Sarah Stutte

«Die Katholische Krise und die Frauen»: So heisst die ARD-Produktion von Henriette Bornkamm und Heike Fink, die am 7. März in der Paulus Akademie vorgestellt wird. Also zum Auftakt des Internationalen Tags der Frau. Anschliessend findet eine Podiumsdiskussion statt.

Henriette Bornkamm
Henriette Bornkamm

Daran teilnehmen werden die Regisseurin Henriette Bornkamm und die Pfadfinderin Viola Kohlberger aus dem Bistum Augsburg. Die Theologie-Studentin ist eine von 230 Delegierten des Synodalen Wegs und eine der Protagonistinnen im Film. Die deutsche Autorin, Regisseurin und Produzentin Henriette Bornkamm ist seit kurzem auch Co-Leiterin des Teams «Religion & Philosophie» von Schweizer Radio und Fernsehen SRF.

Reformbemühungen und Gleichberechtigung

Die Runde vervollständigt Franziska Driessen-Reding, Präsidentin des Synodalrates der Katholischen Kirche im Kanton Zürich. Zusammen wollen sie über die Erfahrungen und Aussichten des Synodalen Wegs in Deutschland diskutieren. Aber auch die Reformbemühungen für die Durchsetzung der Gleichberechtigung in der katholischen Kirche der Schweiz besprechen.

Philippa Rath, OSB (links) mit Franziska Driessen-Reding
Philippa Rath, OSB (links) mit Franziska Driessen-Reding

Henriette Bornkamm hat für ihren Film den dreijährigen Prozess des Synodalen Wegs in Frankfurt aus Sicht von Frauen verfolgt, gemeinsam mit der Wuppertaler Co-Autorin Heike Fink. Dabei wurden auch die Eklats rund um die Verweigerungshaltung konservativer Bischöfe gegenüber den Reformvorschlägen aufgenommen.

Pfadfinderin im Konflikt mit Kardinal Woelki

Viola Kohlberger, der die Frauenfrage sowie die Partizipation von LGBTQ-Personen in der katholischen Kirche wichtige Anliegen sind, bekam diese Einstellung selbst zu spüren. Sie legte sich mit dem Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki an.

Viola Kohlberger beim Synodalen Weg
Viola Kohlberger beim Synodalen Weg

Der Skandal um Woelki und das Bistum Köln im Umgang mit den dortigen Missbrauchsfällen und der mutmasslichen Vertuschung überschattete den Synodalen Weg. Die Synodale Dorothea Schmidt nahm als Vertreterin der konservativen Bewegung «Maria 1.0» den Kardinal in Schutz. Sie fand, dieser habe in Sachen Missbrauchsaufarbeitung «Massstäbe gesetzt». Viola Kohlberger hingegen sah dies anders.

Podium mit Georg Bätzing, Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz (links)
Podium mit Georg Bätzing, Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz (links)

Die junge Theologie-Studentin nahm in der Debatte öffentlich Stellung und sagte: «Ich war mir lange nicht sicher darüber, ob ich hier mit Menschen in Diskussion kommen will, die das System und die Kirche schützen und nicht die Menschen im Blick haben».

In Amt und Würde, trotz Skandal

Weiter stellte sie klar, dass sie nicht verstehen könne, wie Kardinal Woelki weiterhin ohne Konsequenzen in Amt und Würde bleiben könne. In der Kaffeepause wurde die Pfadfinderin daraufhin von Woelki direkt zur Rede gestellt.

Viola Kohlberger schilderte den Vorfall später via Instagram: «Er hat mir vorgeworfen, dass Menschen wie ich, die solche emotionalen Aussagen tätigen, für die hohen Kirchenaustritte verantwortlich seien». Als verschiedene Medien den Vorfall aufgriffen, entschuldigte sich Woelki zwar öffentlich bei der jungen Frau, die Einschüchterung hinterliess aber ihre Spuren bei ihr.

Kardinal Rainer Maria Woelki.
Kardinal Rainer Maria Woelki.

Selbst möchte sie, wie sie im Film nachdrücklich sagt, die Möglichkeit eines Kirchenaustritts aber nicht einsetzen, um etwas zu erreichen. Sie wolle sich vor allem nicht entmutigen lassen.

Lisa Kötter sucht alternative Wege

Anders sieht das Lisa Kötter, Mitbegründerin des Frauennetzwerks Maria 2.0, das Veränderung fordert. Während den Dreharbeiten des Films tritt sie aus der katholischen Kirche aus, weil sie den Glauben an die Institution verloren hat. Sie sucht nun alternative Wege, um die Teilnahme von Frauen in der Kirche voranzutreiben.

Lisa Kötter bei einer Buchbesprechung in der Paulus Akademie 2022.
Lisa Kötter bei einer Buchbesprechung in der Paulus Akademie 2022.

Ebenfalls zu Wort kommt im Dokumentarfilm die Benediktinerin Philippa Rath: «Wir alle sind von der grossen Glaubenskrise betroffen und möchten, dass es in unserer Kirche besser weitergeht, als es bisher war». Deshalb fordert sie die gleichberechtigte Teilnahme von Frauen in allen Ämtern der katholischen Kirche.

Benediktinerin Philippa Rath

«Unsere Kirche amputiert sich selbst, wenn sie Frauen nicht zulässt. Dadurch haben wir eine einseitige männliche, klerikale und patriarchale Kirche, die heute niemand mehr möchte», hält die Benediktinerin fest.

Kardinal Rainer Maria Woelki und Schwester Philippa Rath beim Synodalen Weg in Frankfurt.
Kardinal Rainer Maria Woelki und Schwester Philippa Rath beim Synodalen Weg in Frankfurt.

Sie erwartet vom Synodalen Weg, dass Bischöfe und Laien miteinander ins Gespräch kommen und dass Voten mit grosser Mehrheit verabschiedet und in Rom zur Kenntnis genommen werden. Und sie prophezeit, dass sie die Zeit noch erleben werde, in der es Priesterinnen gibt.

Filmpremiere 7. März: «Die Katholische Krise und die Frauen» mit Podiumsdiskussion, Paulus Akademie Zürich, ab 18.30 Uhr. Die Veranstaltung wird in Zusammenarbeit mit kath.ch organisiert mit Moderation von Csongor Kozma, Direktor Paulus Akademie und Raphael Rauch, Redaktionsleiter kath.ch


Frau im liturgischen Gewand | © Harald Oppitz/KNA
6. März 2023 | 15:11
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