Kardinal Rainer Maria Woelki
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Erzbistum Köln weist Vorwürfe zurück: «Interessierte Kreise» stellen Kardinal Woelki an den Pranger

Hat Kardinal Woelki gelogen? Nein, betont das Erzbistum Köln – und wittert eine Kampagne vor dem Ad-limina-Besuch der deutschen Bischöfe in Rom. Woelki habe erst im Juni 2022 von den Übergriffen des Priesters Winfried Pilz erfahren, bekräftigt das Erzbistum.

«Auch dieser er­neute Ver­such, Kar­dinal Rainer Maria Woelki eine fal­sche Eides­statt­liche Ver­siche­rung zu unter­stellen, ist un­begrün­det. Wie be­reits mehr­fach mit­ge­teilt, wur­de der Erz­bischof erst­mals im Juni 2022 mit den Msgr. P. be­treffen­den Vor­wür­fen be­fasst. An dieser Aus­sage gibt es auch nichts zu rütteln. 

Winfried Pilz, früherer Präsident des Kindermissionswerks "Die Sternsinger" und Erfinder des Liedes "Laudato si'".
Winfried Pilz, früherer Präsident des Kindermissionswerks "Die Sternsinger" und Erfinder des Liedes "Laudato si'".

«Mag sein, dass er sich das Blatt mit Pilz und den an­deren 13 Namen nicht an­geschaut hat», sagt die ehe­malige Mit­arbei­terin im General­vikariat selbst der Zei­tung. Sie weiss also gar nicht, ob der Kar­dinal die­se, eine an­dere oder gar keine Liste ge­sehen hat, be­hauptet die­ses aber ein­fach ins Blaue hi­nein. 

Dann er­geht sich die Inter­view­part­nerin der Zei­tung in wei­teren Speku­latio­nen. Da­rin er­zählt sie von einer zwei­ten Liste, die «möglicher­weise» vom da­maligen Inter­ventions­beauf­tragten er­stellt wor­den sei. Soweit Frau Dahm also meint, Kar­dinal Woelki habe eine von ihr er­stell­te Lis­te mit dem Namen Pilz er­hal­ten, ist das eine frei­hän­dige Ver­mutung und nicht ein­mal eine ei­gene Beo­bach­tung. 

Im Übrigen hat der Erz­bischof auch nie­mals ver­sichert, dass Msgr. P. nicht auf einer von wem auch immer er­stell­ten Lis­te stand – er hat ver­sichert, dass er die Akte nicht kann­te. Und es für ihn auch kei­nen er­kenn­baren Grund gab, die­se anzu­for­dern. 

Kurienkardinal Koch (links) taucht in einem Werbevideo für die von Kardinal Woelki protegierte Kölner Hochschule für Katholische Theologie auf.
Kurienkardinal Koch (links) taucht in einem Werbevideo für die von Kardinal Woelki protegierte Kölner Hochschule für Katholische Theologie auf.

Auch hält es Frau Dahm für aus­ge­schlossen, dass die Akte P. be­reits ge­schlossen war, als der Herr Kar­dinal sei­nen Dienst als Erz­bischof von Köln im Sep­tem­ber 2014 auf­nahm. Das ist aus­weis­lich der Inter­ventions­akte falsch. Die vor Sep­tem­ber 2014 ver­ein­barte Raten­zahlung ver­lief tat­säch­lich noch in die Amts­zeit des Erz­bischofs hi­nein. Der Ein­gang der Zah­lun­gen wurde immer Frau Dahm mit­geteilt – und keines­wegs dem Erz­bischof.

Wie mehr­fach von die­ser Stelle be­richtet, hat der Erz­bischof in der Tat eine Excel-Datei ein­gefor­dert, die An­gaben über Zahlun­gen des Erz­bistums an Be­troffene ent­hielt. Diese Auf­stellung exis­tiert heute nicht mehr. Auch das wurde be­reits mehr­fach be­rich­tet. 

Kardinal Rainer Maria Woelki bei einer Friedensandacht im Kölner Dom.
Kardinal Rainer Maria Woelki bei einer Friedensandacht im Kölner Dom.

Der Sprecher des Erz­bistums er­klärt dazu wei­ter: «Nach meinem per­sön­lichen Ein­druck ver­dichten sich die An­zei­chen, dass der Kölner Erz­bischof vor sei­nem bevor­stehen­den Besuch beim Hei­ligen Vater in Rom (ad Limina ab 15. No­vem­ber) von in­teressier­ten Krei­sen noch ein­mal mit ur­alten Ge­schich­ten, die längst ge­klärt sind, an den Pran­ger ge­stellt wer­den soll.

Ausser­dem ist es höchst be­dauer­lich und auch un­üblich, dass der Kölner Stadt-An­zeiger Kar­dinal Woelki ent­gegen sei­ner presse­recht­lichen Pflich­ten vor der Ver­öffent­lichung des Inter­views kei­ne Ge­legen­heit gege­ben hat, die Vor­würfe zu ent­kräf­ten.»

Das Erz­bistum wird jetzt prü­fen, ob gegen die ehe­malige Mit­arbei­terin im General­vika­riat, die seit vie­len Jah­ren an einer an­deren Stelle ein­gesetzt ist, ar­beits­recht­liche Schritte ein­gelei­tet wer­den müssen. Denn diese hat aus dem sen­siblen Be­reich der Per­sonal­füh­rung be­rich­tet und da­für ihre Ver­trauens­stellung be­nutzt. Das ist streng unter­sagt und das kann kein Arbeit­geber dul­den. Schon allein im In­teresse der vie­len Mit­arbei­ten­den nicht, die sich immer korrekt ver­halten.»

Das Erzbistum Köln widerspricht auf seiner Website einer ehemaligen Mitarbeiterin der Personalabteilung, wonach Erzbischof Rainer Maria Woelki bereits 2015 Informationen über den Missbrauchstäter Winfried Pilz erhalten habe. (rr)


Kardinal Rainer Maria Woelki | © Raphael Rauch
9. November 2022 | 17:07
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