Bischof Felix Gmür in Zug bei einem Adoray-Gottesdienst.
Theologie konkret

Bischof Felix Gmür: Bei Adoray ist niemand auf dem Egotrip

«Mut zur Entscheidung» ist auf Wegweisern des Adoray-Festivals in Zug zu lesen. Die Adoray-Jugend hat sich bereits entschieden: für ein Leben mit Christus. «Wer sich mit Religion befasst, stösst die Tür zum Himmel auf», sagt Landammann Martin Pfister.

Beate Laurenti

Der Kirchenraum ist in lila-blaues Licht getaucht, aus mehreren Lautsprechern tönt christliche Popmusik. Eine Sitzbank ist zum DJ-Pult umfunktioniert, ein Ton-Techniker kümmert sich um die letzten Einstellungen.

Ordensschwester tanzt im Habit

Immer mehr Jugendliche strömen in die Zuger Kirche St. Michael. Ein ungewöhnliches Bild, das sich doch jedes Jahrs wiederholt: Im Rahmen des Adoray-Festivals feiern junge Menschen an diesem Samstagmorgen gemeinsam mit dem Bischof von Basel, Felix Gmür, eine Messe.

Eine junge Ordensschwester tanzt im Habit zum Sound der Adoray-Band.
Eine junge Ordensschwester tanzt im Habit zum Sound der Adoray-Band.

Die Übertragung via Kameras läuft bereits. Auf zwei grossen Bildschirmen können auch die Menschen in den hinteren Rängen den Trubel der vorderen Reihen verfolgen. Eine junge Ordensschwester im Habit tanzt zum Sound der Band – die Arme gen Himmel gestreckt. Der Sänger trägt um den Hals ein apfelgrosses Kreuz.

Viele Priester haben beim Pontifikalamt mit Bischof Felix Gmür konzelebriert.
Viele Priester haben beim Pontifikalamt mit Bischof Felix Gmür konzelebriert.

Landammann Martin Pfister zu Gast

Die Messe beginnt und wird auch im Livestream übertragen. Die Gläubigen werden auf Deutsch und Französisch willkommen geheissen, bevor das Wort an Landammann Martin Pfister geht: «Wer sich mit Religion befasst, stösst die Tür zum Himmel auf», sagt der Politiker. Religion schenke Hoffnung, diese brauche die Gesellschaft heute mehr denn je. Ausserdem wachse aus dem Glauben Mut, sich für die Gesellschaft zu engagieren und Entscheidungen zu treffen, die nicht auf einer egoistischen Perspektive beruhten.

Archivbild: Martin Pfister, Zuger Regierungsrat
Archivbild: Martin Pfister, Zuger Regierungsrat

«Mut zur Entscheidung» ist auch auf Wegweisern zu lesen, die vor dem Altar platziert sind. Entschieden haben sich die Teilnehmenden bereits: für ihren Glauben und ein Leben mit Christus. 

«Ich sehe eine Generation, die sich erhebt»

Die Adoray-Bewegung richtet sich an Menschen im Alter zwischen 15 und 35 Jahren und vertritt nach eigener Auffassung das Anliegen, durch Lobpreis und Anbetung eine lebendige Christusbeziehung zu pflegen. 

Moderne Musik: "Ich sehe eine Generation, die sich erhebt, um ihren Platz einzunehmen."
Moderne Musik: "Ich sehe eine Generation, die sich erhebt, um ihren Platz einzunehmen."

Die Band stimmt «Hosanna» an. Kurz darauf ist der gesamte Raum erfüllt mit dem Gesang einiger hundert Menschen. Viele nehmen die Arme vor sich, richten die Handflächen nach oben, ebenso den Blick. Nicht nur junge Menschen, auch ältere Gläubige sind gekommen. Sie blicken um sich, die Augen glänzen. «I see a generation, rising up to take their place» (Ich sehe eine Generation, die sich erhebt, um ihren Platz einzunehmen), tönt es von allen Seiten.

«Wer liebt, konzentriert sich voll und ganz auf die geliebte Person»

In seiner Predigt mahnt Bischof Gmür, sich der Ernsthaftigkeit des eigenen Lebens und des Glaubens bewusst zu werden. Er spricht über die Verbundenheit mit Jesus, «der mich fragt, ob ich ihn liebe». Es sei wichtig, diese Frage durch Worte und Taten zu bejahen: «Wer liebt, konzentriert sich voll und ganz auf die geliebte Person.» Dies gelte auch in Momenten der Schwäche, des Scheiterns und der Angst, sagt der Präsident der Schweizer Bischofskonferenz. 

Die Adoray-Band spielt in der St. Michaelskirche in Zug.
Die Adoray-Band spielt in der St. Michaelskirche in Zug.

Auf die Frage, wie den Jugendlichen die Predigt gefallen habe, antworten zwei Mädchen mit «gut». Andere geben zu: Sie hätten nicht so viel mitgenommen, ihnen stecke noch die Nacht in den Knochen. Am Freitagabend ging’s länger: Theateraufführung, Lobpreis, Beichtgelegenheit, Komplet und ein «Chillout» standen auf dem Programm. 

«Gott im Glauben authentisch lesen»

Unmittelbar nach dem Gottesdienst schart sich um den Bischof eine Traube junger Menschen. Aus dem Gewusel dringen Wortfetzen auf Mundart, auf französisch und italienisch durch.

Ein gefragter Mann: Bischof Felix Gmür im Gespräch mit der Adoray-Jugend.
Ein gefragter Mann: Bischof Felix Gmür im Gespräch mit der Adoray-Jugend.

«Ich finde es wunderbar, dass junge Menschen, die Gott suchen, probieren, ihn in ihrem Glauben authentisch zu lesen», sagt Bischof Felix Gmür später zu kath.ch.

"Mut zur Entscheidung": Die Kirche St. Michael in Zug.
"Mut zur Entscheidung": Die Kirche St. Michael in Zug.

Adoray wurde 2004 in Zug gegründet. Die Bewegung ist im gesamten Deutschschweizer Raum aktiv und seit einigen Jahren auch in Lausanne und Fribourg. Die Vision: eine lebendige und junge Kirche, die «die Gesellschaft fruchtbar und nachhaltig mitprägt», heisst es auf der Homepage. 

Es gibt auch Kritik an Adoray

Natürlich kennt der Bischof von Basel auch kritische Stimmen zu Adoray: zu konservativ, zu traditionell, ein frömmelndes Gottesbild. «Das ist nicht für jedermann und jede Frau», sagt Bischof Felix Gmür. Aber es sei eine legitime Art, den Gauben zu leben und ihn auszudrücken. «Und sie haben sich gefunden, das finde ich sehr gut. Es ist niemand auf dem Egotrip, sie probieren, ihren Glauben in Gemeinschaft zu leben.» 


Bischof Felix Gmür in Zug bei einem Adoray-Gottesdienst. | © Beate Laurenti
23. Oktober 2022 | 15:14
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