Papst Franziskus trifft eine Delegation der aus dem Gazastreifen befreiten israelischen Geiseln und Angehörige, November 2024
International

Rückblick auf den Hamas-Terror: Katholische Bischöfe verurteilen Antisemitismus und Judenhass

Der 7. Oktober 2023 war ein dramatischer Einschnitt im Leben von Juden und Palästinensern. Der Angriff der Hamas auf Zivilisten hat unsägliches Leid verursacht. Die katholischen Bischöfe erinnern an die Opfer und verurteilen Antisemitismus. Kritik gibt es auch an Israel.

(KNA) Eine zentrale Gedenkfeier in Berlin hat unter dem Motto «Nie vergessen. Niemals schweigen.» der Opfer des Hamas-Überfalls auf Israel am 7. Oktober 2023 gedacht. «Der 7. Oktober war ein Genozid an Juden und Israelis», sagte der israelische Botschafter Ron Prosor anlässlich des dritten Jahrestags am Mittwoch auf dem gut besuchten Bebelplatz im Herzen Berlins.

Der Angriff habe Auswirkungen bis nach Deutschland. In Berlin würden Juden auf der Strasse, in der Universität oder der U-Bahn angegriffen. Viele jüdische Einrichtungen stünden unter dem Schutz der Polizei. «Aber Polizeischutz ist die letzte Verteidigungslinie, und nicht die Normalität», so Prosor.

Zum dritten Jahrestag des Terrorüberfalls der Hamas auf Israel haben AUCH die katholischen Bischöfe in Deutschland Antisemitismus und Judenhass eine klare Absage erteilt.

Terror führt in Abgrund

«Als Kirche stehen wir fest an der Seite unserer jüdischen Mitbürger. Antisemitismus und Judenhass, egal welcher Couleur, haben in unserer Gesellschaft keinen Platz», erklärte der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Bischof Heiner Wilmer, am Mittwoch in Bonn. «Mit Nachdruck setzen wir uns dafür ein, dass Juden, Christen und Muslime in unserem Land einander im Geist der Geschwisterlichkeit begegnen», fügte der Münsteraner Bischof hinzu.

Wilmer betonte, der 7. Oktober 2023 sei ein gravierender Einschnitt sowohl für Israelis als auch für Palästinenser. Für die Opfer und Geiseln und ihre Angehörigen werde das Leben nie wieder so sein wie zuvor. Zugleich habe die militärische Reaktion Israels im Gazastreifen über 70.000 Menschen das Leben gekostet und zu einer humanitären Katastrophe geführt, die bis heute nicht überwunden sei.

Auch im Westjordanland habe sich die Gewalt extremistischer Siedler seither deutlich verschärft. «Angst vor neuen Angriffen und fehlende Perspektiven prägen den Alltag vieler Palästinenser. Vielerorts wurden Fakten geschaffen, die dem Ziel einer gerechten Friedensordnung im Heiligen Land – mit zwei souveränen Staaten, Israel und Palästina, sowie Sicherheitsgarantien für beide Völker – diametral entgegenstehen», erklärte der Münsteraner Bischof.

Der 7. Oktober zeige, dass Hass, Terror und Krieg niemals das Mittel der Wahl sein dürften, sondern geradewegs in den Abgrund führten, so der Vorsitzende der Bischofskonferenz. «Denn Frieden entsteht nicht durch Vergeltung, sondern durch die Bereitschaft, den Anderen als Menschen mit derselben Würde anzuerkennen.»

Alarmierende Zeichen

Auch der Präsident der Konferenz der Europäischen Rabbiner (CER), Oberrabbiner Pinchas Goldschmidt, hat den Gedenktag zum Anlass genommen, die Situation von Juden in Europa zu reflektieren. Er warnte vor einer weiteren Verschärfung der Lage für Juden in Europa.

Der Beschluss der britischen Grünen, Zionismus als eine Form von Rassismus zu bezeichnen, sei ein «alarmierendes Zeichen» und kein auf Grossbritannien beschränkter Einzelfall, erklärte Goldschmidt am Mittwoch in einer Aussendung zum Jahrestag des Angriffs.

Kritik an einer israelischen Regierung sei legitim. Etwas anderes sei es jedoch, «das Recht des jüdischen Volkes auf Selbstbestimmung grundsätzlich infrage zu stellen oder als rassistisch zu bezeichnen». Damit sei «eine Grenze klar überschritten worden». Auch der jüngste Anschlagsversuch auf einen Flydubai-Flug nach Tel Aviv zeige, dass Juden und Israelis weiterhin konkrete Ziele von Terror und Gewalt seien. «Drei Jahre nach dem 7. Oktober ist diese Gefahr nicht kleiner geworden», erklärte Goldschmidt.

Frei und ohne Angst leben

Die Sicherheitslage präge zunehmend den Alltag jüdischer Gemeinden in Europa. Synagogen und Schulen benötigten umfangreichen Schutz, während finanzielle Mittel für Bildung, Jugendarbeit oder die Unterstützung älterer Menschen in Sicherheitsmassnahmen flössen. Viele Juden überlegten genau, ob sie eine Kippa oder einen Davidstern tragen oder auf der Strasse Hebräisch sprechen.

Zugleich müssten sich Juden nach Goldschmidts Angaben an Universitäten, in der Kultur und im öffentlichen Leben zunehmend für ihre Haltung zu Israel rechtfertigen. Sie müssten sich distanzieren oder Teile ihrer Identität ablegen, um akzeptiert zu werden. «Das ist eine gefährliche Entwicklung», sagte der Oberrabbiner.

Europa dürfe jüdisches Leben nicht nur mit Polizei und Sicherheitszäunen schützen, forderte Goldschmidt. Juden müssten «frei, sichtbar und ohne Angst leben können», ohne sich für ihre Identität rechtfertigen zu müssen. Wenn Juden zugleich vor Anschlägen geschützt werden müssten und das Gefühl bekämen, nicht mehr selbstverständlich dazuzugehören, «dann läuft in Europa etwas grundlegend falsch», so Goldschmidt.

Papst Franziskus trifft eine Delegation der aus dem Gazastreifen befreiten israelischen Geiseln und Angehörige, November 2024 | © KNA
7. Oktober 2026 | 15:03
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