Gespräche über über Synodalität im Werkhof in Freiburg
Schweiz

Synodaler Prozess: Westschweizer Gläubige prangern den Klerikalismus an

Die Kirche muss ihre «Pathologien» einer Gewissensprüfung unterziehen. Also den Klerikalismus, den Machtmissbrauch und die Verkennung der Realität angehen. Das finden die rund 3000 Teilnehmenden an der synodalen Beratung des Bistums Lausanne, Genf und Freiburg.

Maurice Page, cath.ch / Adaption: Regula Pfeifer

Die Diözese Lausanne, Genf und Freiburg hat am 5. April 2022 ihren Synthesebericht aus den Meinungen der Basis zur katholischen Kirche veröffentlicht. Die Umfrage wurde auf Wunsch von Papst Franziskus zwischen Oktober 2021 und März 2022 in den Diözesen weltweit durchgeführt. Die Bistümer Basel, Chur, St. Gallen und Sitten haben ihre Resultate bereits publiziert.

Gewissenserforschung notwendig

Aus den Beiträgen, die das Diözesanteam erreichten, geht hervor: Die künftige Kirche muss eine Gewissenserforschung der «Pathologien» vornehmen, unter denen sie leidet. Die Kritik konzentriert sich auf die Figur des Priesters und die institutionelle Autorität. Angeprangert werden Klerikalismus, Machtmissbrauch, Verkennung der Realität und weiteres mehr.

Um solche negativen Mechanismen zu verhindern, müssten vor Entscheidungen alle Getauften – auch Priester – kontaktiert und angehört werden. Das befanden die Teilnehmenden laut Mitteilung der Diözese.

Gemeinschaften schaffen

Sie erwarten zudem: Das Vertrauen in die Kirche müsse wiederhergestellt und der Sinn des Evangeliums wiedergefunden werden. Es müssten geschwisterliche, bekennende und betende Gemeinschaften geschaffen werden, die vor allem Jugendliche und verletzte Menschen willkommen hiessen. Zudem müsse ein prophetisches Wort gewagt werden.

Das vertikale Konzept der Kirchenleitung – mit allmächtigen Pfarrern oder Priestern – wird von den Mitwirkenden immer wieder infrage gestellt. Es gehe darum zu akzeptieren, dass Getaufte, einschliesslich Frauen, an der Leitung der Kirche in verschiedenen Tätigkeitsbereichen teilnehmen könnten. Zwar gab es Stimmen, die sich für die Abschaffung des Pflichtzölibats für Priester und die Priesterweihe für Frauen aussprachen. Doch diese Forderungen bildeten nicht den Kern der Beiträge. Den Beteiligten geht es vielmehr darum, den Gegensatz zwischen Klerikern und Laien zu überwinden.

Das Wort Gottes teilen

Auch das Bedürfnis, das Wort Gottes in grösseren Bibelgruppen zu lesen und zu teilen, geht aus dem Bericht hervor. Im gleichen Sinne fordern die Gläubigen eine anspruchsvollere Katechese und besser vorbereitete und nährende Predigten.

Der Bericht geht auch auf die Bedeutung ökumenischer und interreligiöser Beziehungen ein. Die Zusammenarbeit mit der reformierten Kirche sei recht einfach, jene mit den Evangelikalen hingegen schwieriger, heisst es.

Die Mitwirkenden hoffen zudem, dass die Kirche «sich mehr in gesellschaftliche Fragen wie Ökologie, Migration, Ungleichheit einmischt».

Der Prozess geht weiter

Der rund 30-seitige Abschlussbericht ist auf der Website der Diözese verfügbar. Er wird demnächst der Schweizer Bischofskonferenz übergeben.

Die Beiträge aller Schweizer Diözesen werden an einer nationalen Synodenversammlung am 30. Mai in Einsiedeln vorgestellt. Danach werden sie bis zum 15. August 2022 nach Rom geschickt. Der synodale Prozess mündet schliesslich in die Synode über die Synodalität, an der die Bischöfe aus der ganzen Welt 2023 teilnehmen werden.

Das diözesane Koordinationsteam will es nicht bei der Konsultation der Basis belassen. Diese Konsultation markiere «einen ersten Schritt in der pastoralen Transformation der Diözesankirche», erklärt es. Es lädt alle Mitwirkenden ein, den Synthesebericht zu lesen und den Austausch fortzusetzen.

Gespräche über über Synodalität im Werkhof in Freiburg | © Bernard Bovigny, cath-fr
5. April 2022 | 17:07
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