«Geschlechtsumwandlung klingt nach Zauberprozess»: Theo erklärt Begriffe
Transgender, geschlechtliche Identität, Deadname: Was bedeuten diese Begriffe? Theo Schenkel (27) ist katholischer Theologe und trans. Er beantwortet kath.ch häufig gestellte Fragen.
Jacqueline Straub
Was bedeutet transgender?
Theo Schenkel*: Transgender bedeutet, dass bei meiner Geburt meinen Eltern gesagt wurde, dass sie eine Tochter haben. Ich habe meinen Eltern aber vor zwei Jahren gesagt, dass ich ein Mann bin. Transgender heisst also, dass ich nicht mit dem Geschlecht übereinstimme, das mir bei der Geburt zugewiesen wurde.
Was bedeutet geschlechtliche Identität?
Schenkel: Geschlechtliche Identität beschreibt die Identität oder das Geschlecht, dem ich mich zugehörig fühle, unabhängig davon, welches Geschlecht mir bei der Geburt zugewiesen wurde.
Wie soll man trans Menschen ansprechen?
Schenkel: Meist sagen die Personen bereits, wie sie angesprochen werden möchten und welche Pronomen sie verwenden. Also «er», «sie», «they/them», andere oder auch gar keine. Im Zweifel einfach nachfragen.
Was geht für Sie gar nicht?
Schenkel: Wenn Menschen über meine Vergangenheit sprechen und dann das Pronomen «sie» verwenden. Das impliziert, dass ich zwei verschiedene Persönlichkeiten habe, was ja nicht der Fall ist.
«Eine Transition ist eine individuelle Entscheidung.»
Was sind ebenfalls Tabus?
Schenkel: Zu fragen, ob man schon eine geschlechtsangleichende Operation hatte. Das sind sehr intime Details, die niemanden etwas angehen. Auch sollte nicht von Geschlechtsumwandlung gesprochen werden. Das klingt nach einem Zauberprozess. Die aktuellen Begriffe sind Geschlechtsangleichung oder Transition.
Läuft eine Transition immer gleich ab?
Schenkel: Nein. Eine Transition ist eine individuelle Entscheidung. Jeder und jede entscheidet für sich selbst, welche Schritte gemacht werden und wann. Dies kann beispielsweise eine Namensänderung, eine Hormontherapie oder geschlechtsangleichende Operationen sein.
«Die sexuelle Orientierung von trans Menschen ist ebenso vielfältig wie die von cis Menschen.»
Welche Begriffe sollten nicht verwendet werden?
Schenkel: Etwa Transe, weil das sehr negativ konnotiert ist. Auch sollte auf transsexuell verzichtet werden, weil das impliziert, dass es um eine sexuelle Orientierung geht, was aber nicht der Fall ist. Die sexuelle Orientierung von trans Menschen ist ebenso vielfältig wie die von cis Menschen. Cis ist das Gegenteil von trans. Trans Menschen können ebenso homosexuell, heterosexuell, asexuell oder anderen sexuellen Orientierungen angehören. Aussagen wie «Frau in Männerkleidung» oder «Sie ist im falschen Körper geboren» sollten ebenfalls nicht verwendet werden, weil sie äusserst problematisch sind und ein falsches Bild vermitteln. Was auch nicht geht, ist, wenn jemand über mich sagt: «Er wäre gerne ein Mann.» Ich bin ein Mann.
Was ist ein Deadname?
Schenkel: So bezeichnet man den Namen, den die Eltern einem bei der Geburt gegeben haben. Ich versuche zu verhindern, dass mein alter, weiblicher Name im Fokus steht. Daher verwende ich und mein ganzes Umfeld ihn auch nicht mehr. Wer den Deadname einer trans Person kennt, sollte diesen für sich behalten und auch nicht benutzen, wenn die Person nicht anwesend ist.
Ich wollte Transmensch schreiben, Sie legen Wert auf trans Mensch. Was ist der Unterschied?
Schenkel: Der Duden hat das bisher nur begrenzt aktualisiert. Transmensch wirkt so, als würde es sich um eine andere Art Mensch handeln, bei «trans Mensch» wird trans wie jedes andere Adjektiv benutzt – und getrennt geschrieben, was die meisten Betroffenen bevorzugen.
* Theo Schenkel (27) ist Teil der Bewegung «Out in Church». 125 Mitarbeitende der katholischen Kirche in Deutschland haben sich in einer ARD-Dokumentation als queer geoutet. Er lebt mit seiner Verlobten im Kanton Aargau.
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