Christen im Gespräch mit Teilnehmern der Gay Pride in Sitten VS am 13. Juni 2015
Schweiz

Liebt Jesus Homosexuelle? Christen im Evangelisationseinsatz an Schwulenfestival in Bern

Interlaken BE, 14.8.15 (kath.ch) Zum vierten Mal treffen sich am Samstag, 15. August, Schwule und Lesben am Gaywest Festival auf dem Berner Bundesplatz. Rund 25 Christen werden versuchen, an dem Kulturfestival mit Homosexuellen und Passanten ins Gespräch zu kommen. Man wolle die Teilnehmer des Festivals zu einer persönlichen Beziehung mit Gott ermutigen, sagte Beat Baumann, Koordinator des Evangelisationseinsatzes und Geschäftsführer des Webportals Livenet, gegenüber kath.ch. Jesus habe zum Beispiel auch mit Prostituierten gesprochen und damit «Massstäbe» vorgegeben. Amal Chaoui, die Gründerin des Festivals, wünscht den «Evangelistinnen und Evangelisten» ein schönes Festival.

Barbara Ludwig

Der Einsatz habe nicht zum Ziel, Homosexualität gutzuheissen oder zu verurteilen, obschon man grundsätzlich Homosexualität «nicht gut» finde, so Baumann weiter. Vielmehr wolle man Zeugnis ablegen von der Liebe Gottes und die Leute ermutigen, mit Gott in eine persönliche Beziehung zu treten. «Die persönliche Beziehung zu Gott pflegen, tut allen Menschen gut», zeigte sich der Livenet-Geschäftsführer überzeugt. Zudem sollen Christen die Möglichkeiten erhalten, mit Schwulen und Lesben in Kontakt zu kommen.

Für viele sei das etwas Neues. Baumann berichtete von US-Amerikanern, die am ersten solchen Evangelisationseinsatz in der Schweiz Gelegenheit bekamen, Vorurteile gegenüber Homosexuellen abzubauen – durch das Gespräch mit Betroffenen. Das war an der Gay Pride in Sitten im Juni. Nach dem Einsatz seien manche Christen «traurig» gewesen: Zum einen weil sie die Verletzungen wahrnahmen, die Homosexuelle wegen der Ablehnung durch die Kirche erlitten hatten. Zum andern, weil sie selber die Lebensweise von Schwulen und Lesben nicht billigen können. «Wir haben uns aber auch gefreut, weil wir sahen, dass Beziehungen entstehen konnten.»

Obschon die Organisatoren explizit Leute für einen «Evangelisationseinsatz» begeistern wollen, betonte Baumann, «unser Anliegen ist in erster Linie der Dialog und das Gespräch».

Überwindung notwendig

Angemeldet haben sich laut Baumann rund 25 Christen aus Freikirchen und reformierten Landeskirchen. Es bestehe aber keine Anmeldepflicht, so dass eventuell auch weitere Personen teilnehmen werden. 25 Personen, das sei eher wenig, räumte Baumann ein. Man müsse eben berücksichtigen, dass es Überwindung brauche, «in dieser herausfordernden Thematik selber mit Betroffenen ins Gespräch zu kommen».

Der Evangelisationseinsatz ist mit einer Umfrage verbunden, die auch dem Einstieg ins Gespräch dient. Der entsprechende Fragebogen müsse aber nicht zwingend verwendet werden, sagte Baumann. Homosexuelle, die sich auf eine Begegnung einlassen, können auf sechs Fragen zu Glaube und Homosexualität antworten. «Glauben Sie an eine höhere Macht? Eine bestimmte Religion?», «Haben Sie schon von Jesus gehört?», «Denken Sie, dass Jesus Homosexuelle liebt?», heisst es da. Die Resultate der Umfrage werden kommende Woche in einem Bericht auf livenet.ch präsentiert.

Auch Churer Bischof sollte das direkte Gespräch suchen

Baumann möchte auch den Churer Bischof Vitus Huonder und allgemein alle Christen ermutigen, das Gespräch mit Homosexuellen zu suchen. «Vielleicht hat der Bischof das ja bereits gemacht», sagte Baumann vorsichtig. Auf jeden Fall seien direkte, konstruktive Gespräche wertvoll. Sie gäben einem die Möglichkeit, einerseits die eigene Überzeugung zu vermitteln, andererseits aber auch, sich in das Gegenüber einzufühlen.

Der Evangelisationseinsatz wird vom Verein Livenet und weiteren Organisationen organisiert. Livenet betreibt ein Webportal und bietet laut Baumann weitere Dienstleistungen an. Der Verein ist im freikirchlichen Milieu beheimatet.

Festival-Gründerin stört sich nicht an christlicher Präsenz

Bei den Organisatoren des Kulturfestivals scheint man sich nicht an der Präsenz von Christen zu stören. Amal Chaoui, Präsidentin und Gründerin des Festivals, wünscht den «Evangelistinnen und Evangelisten» ein schönes Festival, wie sie gegenüber kath.ch auf Anfrage mitteilte. «Der respektvolle Umgang mit anders fühlenden, handelnden und denkenden Menschen liegt auch uns sehr am Herzen», so Chaoui. Ob die Christen indes Erfolg haben werden unter den homosexuellen Gästen, wisse sie nicht.

Die Präsidentin betonte, das Gaywest Festival sei keine «Pride», sondern ein Festival, das Schweizer Künstler fördert und Bands, Performances und Sängern eine Bühne bietet. Es habe gar nichts mit der Zurich Pride oder der Pride in der Romandie zu tun. Alle Künstler sind gemäss einer Medienmitteilung schwul, lesbisch oder transsexuell. Ganz ohne kämpferische Töne geht es indes nicht: «Der Heteronormativität wollen und können wir uns niemals anpassen – wir erobern den Platz, der auch mit unseren Steuern bezahlt wird und den wir sonst niemals durchs Jahr haben: Den Bundesplatz!» (bal)

Christen im Gespräch mit Teilnehmern der Gay Pride in Sitten VS am 13. Juni 2015 | © 2015 Livenet/zVg
14. August 2015 | 16:39
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