Zwölf eigenwillige Töchter Gottes: Isotta Nogarola, Humanistin und Verteidigerin Evas
Wenn der Apfel nicht Sünde ist: Isotta Nogarola glaubte, dass Adam der eigentliche Schuldige gewesen sei, der von der verbotenen Frucht im Paradies gegessen hat. Sie war schon als junges Mädchen für ihre Intelligenz bekannt. Die veronesische Humanistin hielt sogar eine Rede vor dem Papst.
Annalena Müller*
Isotta wurde als drittjüngstes von zehn Kindern in eine wohlhabende veronesische Familie geboren. Den Kindern wurde eine umfassende humanistische Bildung zuteil.
Isotta und ihre Schwester Ginerva waren schon als junge Mädchen für ihre Intelligenz bekannt und beide verkehrten früh in Humanistenkreisen. Im Gegensatz zu ihrer Schwester entschied sich Isotta gegen eine Ehe und verschrieb sich gänzlich ihrer Studien.
Ab etwa 1440 lebte sie zurückgezogen und trat erst wieder 1450 öffentlich auf, als sie eine Rede vor Papst Nikolaus V. hielt. Der Inhalt der Rede ist nicht überliefert, aber dafür, dass diese Isotta in Gelehrtenkreisen grosse Anerkennung brachte – und sie trat in der Folge regelmässig auf.
Bekannt ist Isotta heute, die anno 1466 starb, besonders für ihr Hauptwerk, ein Streitgespräch zweier Gelehrter «Über die gleiche oder ungleiche Sünde Evas und Adams».
Gegenstand des Streitgesprächs ist Augustinus Kommentar zum ersten Buch der Genesis. Im Dialog verteidigt Isotta geistreich Eva und argumentiert unter anderem, dass Adams Sünde die grössere gewesen sei, da Gott ihm und nicht Eva direkt verboten habe von dem Baum zu essen.
Der Dialog gilt bis heute als eine besonders intelligente, gelehrte und kreative humanistische Auseinandersetzung mit dem Sündenfall. Der Text ist heute in vielen Sprachen verfügbar.
* Die Historikerin Annalena Müller forscht an der Uni Freiburg zur wirtschaftlichen und politischen Macht von Äbtissinnen und Frauenklöstern im mittelalterlichen Europa.
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