Bei den Christkatholiken möglich: Weihe von Diakoninnen | © kna
Schweiz
Bei den Christkatholiken möglich: Weihe von Diakoninnen | © kna

Zürcher Seelsorgerat fordert Diakoninnenweihe

Zürich, 22.2.18 (kath.ch) «Die Kirche braucht Diakoninnen!» Mit dieser Forderung wendet sich der Seelsorgerat des Kantons Zürich, das Beratungsgremium des Generalvikariats, an die Öffentlichkeit. Damit sollen die Kirchenverantwortlichen geweckt werden, endlich tätig zu werden, sagt Arnold Landtwing, Kommunikationsbeauftragter des Generalvikariats für die Kantone Zürich und Glarus, auf Anfrage.

«Es ist wichtig, die Frage nach der Diakoninnenweihe für Frauen immer wieder zu stellen», sagt Amanda Ehrler, Mitglied des Seelsorgerats, auf Anfrage. Obschon sie das Diakoninnenamt nicht als Lösung für die Frage nach der Gleichberechtigung der Geschlechter innerhalb der katholischen Kirche betrachtet, wäre das Amt «ein Zeichen der Anerkennung für all die Pastoralassistentinnen, die in der Schweiz ohnehin schon dieselben Tätigkeiten wie Diakone ausüben», so Ehrler. Es sei stossend, dass Pastoralassistentinnen viele Tätigkeiten, wie etwa das Vorlesen des Evangeliums, nur ausüben dürften, wenn der zuständige Priester dies erlaube.

Mit der Zeit gehen

Der kantonale Seelsorgerat spricht sich daher «nach vertiefter Auseinandersetzung mit der Thematik» für das Diakoninnenamt für Frauen aus, «mit einem eigenständigen Charakter als Ergänzung zur bestehenden männlichen Ämterstruktur», heisst es im Papier vom 21. Februar. Die Vielfalt und Vielschichtigkeit der Gesellschaft verlange nach vielfältigen und vielschichtigen Diensten und Ämtern. Der Rat sieht darin eine Antwort auf die Zeichen der Zeit und die derzeitigen pastoralen Bedürfnisse.

Diakoninnen schon in der Bibel

Dabei weist der Rat darauf hin, dass zwischen echtem Dienst an der Kirche und Machterhaltung unterschieden werden müsse. Die römisch-katholische Kirche müsse sich auf ihre Anfänge besinnen: Ein Blick in die Bibel (Römerbrief, Kapitel 16,1) sowie in alte Kirchenordnungen lasse eindeutig auf die Existenz von Diakoninnen schliessen.

«Das Anliegen wird weltweit besprochen.»

Generalvikar Josef Annen unterstützt das Positionspapier seines pastoralen Beratungsgremiums, wie er gegenüber kath.ch sagt. Dessen Titel – Die Kirche braucht Diakoninnen! – spreche für sich. «Der kantonale Seelsorgerat gibt damit einem Anliegen, welches derzeit weltweit besprochen wird, eine öffentliche Stimme.»

Ein Weckruf an die Kirchenverantwortlichen

Das Positionspapier sei «ein Weckruf der Basis an die Kirchenverantwortlichen, endlich tätig zu werden», fügt Arnold Landtwing auf Anfrage hinzu. Es gebe keinen Grund, länger darauf zu verzichten, das Amt der Diakonin wieder zu beleben.

Solidarität zeigen

Das Positionspapier endet mit einer Solidaritätsbekundung für das Projekt «Für eine Kirche mit* den Frauen», welches sich dafür einsetzt, dass Männer in Zukunft nicht mehr ohne Frauen über Funktion und Rolle der Frauen in der katholischen Kirche entscheiden sollen. Hierfür pilgerte eine neunköpfige Gruppe unter Begleitung zahlreicher Sympathisantinnen und Sympathisanten vom Mai bis Juli 2016 von St. Gallen nach Rom.

Der kantonale Seelsorgerat ist das pastorale Beratungsgremium des Generalvikars und setzt sich zusammen aus Delegierten der vier Dekanate im Kanton Zürich, aus Vertreterinnen und Vertretern der Dienststellen sowie Ordensgemeinschaften. Insgesamt gehören dazu laut Ehrler 30 Mitglieder.

Selten, jedoch gezielt

Der Seelsorgerat erhebe seine Stimme immer dann, wenn «eine öffentliche Stellungnahme notwendig ist», so Landtwing. Dies sei zwar eher selten, jedoch gezielt der Fall. In den vergangenen Jahren habe der Seelsorgerat beispielsweise Impulse für den Pfingstbrief von Generalvikar Josef Annen gegeben (2015) oder in einem Communiqué zum Hirtenbrief von Bischof Huonder (2012) Stellung bezogen.

Papst Franziskus hat im November 2016 eine Kommission eingesetzt, welche die Geschichte des Frauendiakonats untersuchen soll. Vielfach war diese Äusserung so verstanden worden, als sei damit auch die Prüfung einer möglichen Zulassung von Frauen zum Diakonat verbunden. Der Papst wandte sich jedoch gegen Medienberichte über eine angebliche Öffnung der Kirche für Diakoninnen. Die Kommission solle nur die Rolle der Diakoninnen in der frühen Kirche untersuchen, so der Papst. Ihre Ergebnisse dürften allerdings nicht ohne Auswirkungen auf die aktuelle Debatte über die Zulassung von Diakoninnen bleiben. (sys)


Kommission zum Frauendiakonat nimmt Arbeit auf

 

 

Diakon

Das Wort «Diakon» stammt aus dem Griechischen und bedeutet «Diener». Entsprechend wurde dem Diakon schon in der frühen Kirche, wie die Apostelgeschichte berichtet, die Armenpflege übertragen. Seit dem fünften Jahrhundert verlor das Amt spürbar an Bedeutung. Im Gegensatz zur orthodoxen Kirche wurde in der katholischen Kirche das Diakonat lediglich zur Durchgangsstufe für die Priesterweihe.

Im Zuge des Zweiten Vatikanischen Konzils wurde das Diakonat als Weiheamt wiederbelebt. Seit 1968 können auch verheiratete Männer zum ständigen Diakon geweiht werden. Das Wort «ständig» weist darauf hin, dass das Diakonat für Lebzeiten übernommen wird.

Wer den Beruf des Diakons anstrebt und sich zum Zölibat verpflichtet, kann mit 25 Jahren die Diakonatsweihe empfangen, verheiratete Männer müssen bis zum 35. Lebensjahr warten und werden nur dann zur Weihe zugelassen, wenn die Ehefrau zustimmt.

Diakone dürfen taufen, bei der Trauung assistieren, beerdigen und predigen, nicht aber Eucharistie feiern und Beichte hören. Auch kann ein Diakon durch den Bischof in der Sonderseelsorge eingesetzt werden. Von jenen, denen es um eine bessere Präsenz der Frau in der Kirche geht, wird das Diakonat für Frauen angestrebt, für das es biblische Vorbilder gibt. Die Kirchenleitung zögert jedoch, weil dies als ein erster Einstieg in das Priesteramt der Frau verstanden würde. (sys)

 

News ›
Medienspiegel ›
Katholisches Medienzentrum