Schweiz

Zürcher Pfarrer könnte ohne Busse davonkommen

Gläubige ohne Maske, mehr als 50 Menschen im Gottesdienst: Ein Zürcher Pfarrer verstösst gegen die Corona-Regeln. Er könnte ohne Busse davonkommen: Die Stadtpolizei Zürich will nicht von sich aus aktiv werden.

Raphael Rauch

«Uns liegt keine Anzeige vor», sagt Polizei-Sprecher Marco Cortesi. «Es handelt sich zwar nicht um ein Antragsdelikt. Aber aus unserer Sicht sind die Vorwürfe nicht schwerwiegend genug, um selbst aktiv zu werden.»

In der Pfarrei Maria Lourdes in Zürich-Seebach finden Gottesdienste statt, obwohl manche Gläubige keine Maske anziehen – und mehr als 50 Menschen in die Messe kommen. Dies ist aufgrund der Corona-Massnahmen verboten. Der zuständige Pfarrer sympathisiert auf Facebook mit Corona-Skeptikern.

Keine Ermittlungen – aber auch kein Freibrief

Die Polizei führe in Kirchen keine flächendeckenden Kontrollen durch. «Sollten Anzeigen bei uns eingehen, würden wir entsprechende Abklärungen treffen», sagt Cortesi.

Kommunionspendung im Gottesdienst in der Kirche Maria Lourdes in Zürich-Seebach.

Ist das nun ein Freibrief nach dem Motto: Die Corona-Richtlinien für die Gottesdienste müssen nicht eingehalten werden? «Nein», sagt Cortesi. «Wir appellieren an die Eigenverantwortung von allen.»

Kritik kommt von der Gesundheitsdirektion

«Um die Pandemie zu bekämpfen, müssen die Vorschriften und Regeln eingehalten werden», sagt Marcel Odermatt, Sprecher der Gesundheitsdirektion im Kanton Zürich.

Desinfektionsmittelspender und Schutzkonzept in der Kirche Seebach Zürich

Entsetzt vom Verhalten des Pfarrers ist die Zürcher Synodalratspräsidentin Franziska Driessen-Reding. «Als kantonale Körperschaft ist es für uns klar, dass die behördlichen Corona Massnahmen ausnahmslos umgesetzt werden», sagt Driessen-Reding.

Pfarrer soll mehr Messen feiern

Als Anstellungsbehörde stehe die Kirchenpflege in der Verantwortung: «Die Kirchenpflege muss bei ihrem Personal sicherstellen, dass die behördlichen Massnahmen beachtet werden.»

Strassenschild Seebacherstrasse Zürich

Driessen-Reding empfiehlt dem Pfarrer, «zusätzliche Gottesdienste anzubieten oder andere, unter Umständen auch digitale Wege zu beschreiten, um gemeinschaftliche Feiern des Glaubens für alle zu ermöglichen».

Offizial Joseph Bonnemain ermahnt den Pfarrer

Nach Informationen von kath.ch hat auch Bischof Peter Bürcher reagiert. Er hat den Offizial des Bistums Chur beauftragt, mit dem Pfarrer ein Gespräch zu führen. Joseph Bonnemain hat den Priester am Mittwochabend ermahnt. «Er hat mich in die Pflicht genommen, die Corona-Vorgaben einzuhalten», sagt der betroffene Pfarrer Martin Piller.

Prominenter Gast der Paulus-Akademie: Joseph Bonnemain – damals noch Offizial und noch nicht Bischof von Chur.

Sollte keine Anzeige eintrudeln, dürfte der Verstoss gegen die Corona-Regeln für den Pfarrer glimpflich ausgehen. Theoretisch könnte er mit 10’000 Franken gebüsst werden. Im Kanton Zürich gilt schliesslich für Gotteshäuser eine Maskenpflicht und eine Obergrenze von maximal 50 Teilnehmern pro Gottesdienst.

Dekan Marcel von Holzen kritisiert den Pfarrer

Kritik kommt auch vom Dekan der Stadt Zürich, Marcel von Holzen. «Das ist für uns diskussionslos inakzeptabel. Das Dekanat Stadt Zürich wird mit Pfarrer Piller das Gespräch suchen», sagt von Holzen. Er verlange, dass sich alle Pfarreien an die Schutzmassnahmen hielten. «Das ist nicht nur die Auflage des BAG. Es ist sowohl von der Bischofskonferenz wie auch von der Kantonalkirche klar geregelt, was sein darf und was nicht.»

Die Kantone regeln die Besucherzahl bei Gottesdiensten unterschiedlich. Hier die Regelungen, die seit dem 10.12.2020 gelten.

Während der Pandemie habe die Kirche «auch eine Verantwortung gegenüber der Gesellschaft. Wenn Pfarrer Martin Piller dagegen verstösst, wird er von uns den Hinweis bekommen, dass wir das nicht akzeptieren. Und dass seine Kirchenpflege auch in der Verantwortung steht und handeln muss.»


Gläubige ohne Maske im Gottesdienst. | © Peter Esser
13. November 2020 | 05:00
Teilen Sie diesen Artikel!