Flüchtlinge in Paris stehen Schlange für Zelt aus der Schweiz | © SUFR
Schweiz
Flüchtlinge in Paris stehen Schlange für Zelt aus der Schweiz | © SUFR

Zelte vom Open Air St. Gallen für Flüchtlinge in Paris

Biel BE, 19.7.16 (kath.ch) Geht in der Schweiz ein Open Air zu Ende, bleiben Berge von Abfall liegen. Darunter auch vieles, was noch brauchbar ist. Zum Beispiel Zelte und Schlafmatten. Der Verein «Stand up for Refugees» will solchen Gegenständen ein «zweites Leben schenken», indem er sie einsammelt und Flüchtlingen zur Verfügung stellt, sagte Vorstandsmitglied Jessica Ladanie gegenüber kath.ch. So geschah es jüngst mit Zelten, Schlafmatten und Rucksäcken, welche Besucher des Open Air St. Gallen im Sittertobel liegen liessen.

Barbara Ludwig

Beim St. Galler Open Air, das am 3. Juli zu Ende ging, habe man die Sammel-Aktion mit Mitgliedern der Jungsozialisten durchgeführt, sagte Ladanie auf Anfrage. Insgesamt kamen 80 Zelte, 40 Schlafmatten, 15 Schlafsäcke, Rucksäcke und zahlreiche Campingstühle zusammen. Die Gegenstände wurden vor Ort aussortiert, was noch brauchbar war in das Lager transportiert, das der im Oktober vergangenen Jahres gegründete Verein «Stand up for Refugees» in Biel unterhält.

Zelte für Flüchtlinge in Paris

Für die Campingstühle habe man noch keine Verwendung gefunden. Die übrigen Gegenstände aber wurden am vergangenen Samstag, 16. Juli, in Paris an Flüchtlinge verteilt. «Viele Flüchtlinge leben dort auf der Strasse, schlafen auf einem Stück Karton. Geben wir ihnen ein Zelt oder eine Schlafmatte, helfen wir ihnen auch ein Stück weit, ihre Würde zu bewahren», so das Vorstandsmitglied des Vereins.

Ladanie hat Mühe damit, wenn Festivalbesucher noch brauchbare Dinge einfach so auf dem Festgelände zurücklassen. Sie sei ein eher «konsumkritischer Mensch». «Sogar neue Zelte werden zurückgelassen. Ich würde so etwas nie tun.» Sie finde es jedoch vertretbar, wenn jemand sein Zelt als Einweg-Zelt betrachtet, es am Schluss eines Open Airs abgibt und für einen guten Zweck spendet. «Es ist sinnvoll, wenn man Dingen ein zweites Leben schenkt.»

Sammel-Aktionen künftig in Kooperation mit Veranstaltern

Der Verein hatte ursprünglich geplant, auch nach dem Gurtenfestival in Bern, das am Sonntag, 17. Juli, zu Ende ging, eine Sammel-Aktion durchzuführen. Man habe schliesslich darauf verzichtet, weil der Verein demnächst sein Lager an einen anderen Standort verlegt. Wie Ladanie gegenüber kath.ch sagte, will man dieses Jahr überhaupt keine Sammel-Aktionen auf Festivalgeländen mehr organisieren. Der logistische Aufwand sei schlicht zu gross, wenn man das Sammeln auf die bisherige Art und Weise anpacke, das heisst, wenn die Freiwilligen Zelte und andere brauchbare Dinge in den Abfallbergen ausfindig machen müssen.

Neu will der Verein deshalb die Sammel-Aktionen ab 2017 in Abstimmung mit den Veranstaltern durchführen. «Die Veranstalter haben bereits ihr Interesse bekundet», so Ladanie. Ziel wäre, dass die Festivalbesucher von Beginn an darüber informiert seien, dass sie ihr Zelt am Schluss des Anlasses abgeben könnten und diesem darum auch Sorge trügen.

Transporte von Hilfsgütern in Krisenregionen

«Stand up for refugees» organisiert nach eigenen Angaben regelmässig Transporte von Hilfsgütern in verschiedene Krisenregionen, etwa nach Syrien, Griechenland, aber auch ins französische Calais. Die Hilfsgüter werden in der Schweiz gesammelt und sortiert, heisst es auf der Homepage des Vereins. Neben Sachspenden wie Zelte, Kleider, Hygieneartikel und Spielsachen werden auch Geldspenden angenommen. Laut Homepage versorgt der Verein auch Asyleinrichtungen in der Schweiz mit Kleidern.

Der Verein sei noch im Aufbau begriffen, sagte Ladanie. Zurzeit besteht er lediglich aus einem Vorstand mit sieben Mitgliedern im Alter von 22 bis 50 Jahren. Alles berufstätige Menschen, die ihr Engagement auf freiwilliger Basis leisten. Der Vorstand wird von zahlreichen Freiwilligen unterstützt, die zum Beispiel im Warenlager arbeiten.

 

 

 

 

 

 

Flüchtlinge in Paris  | © SUFR
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