Wurde Luzerner Peterskapelle durch russischen Ritterschlag entweiht?
Ein Luzerner SVP-Lokalpolitiker hat sich Mitte Juni von einem russischen Prinzen in einer Zeremonie des St. Georgs-Ordens in der Peterskapelle zum Ritter schlagen lassen – während gleichzeitig in der Ukraine der Krieg tobt. Hat sich die katholische Kirche für diese Ehrung missbrauchen lassen?
Wolfgang Holz
Herr Schwegler, die Geschichte mit dem russischen Ritterschlag für einen lokalen SVP-Politiker jüngst in der Luzerner Peterskapelle hat in der Öffentlichkeit für Gesprächsstoff gesorgt. Was sagen Sie zu diesem Anlass?
Urban Schwegler*: Zum Ritterschlag eines Mitglieds des St. Georgs-Ordens kann ich mich nicht äussern, da wir keine inhaltlichen Kenntnisse von dieser ordensinternen Zeremonie haben. Vorgängig hat ein Wortgottesdienst mit den Mitgliedern des Ordens stattgefunden, der von Florian Flohr, dem mittlerweile pensionierten Leiter der Peterskapelle gestaltet wurde. Das war eine rein religiöse Feier.
«Selbstverständlich distanziert sich die Katholische Kirche Stadt Luzern von jeglichen Aktivitäten, die die Herrschafts- und Kriegspolitik des aktuellen russischen Regimes befürworten.»
Ist der Sakralraum der Peterskapelle durch diese Ehrenverleihung nicht entweiht worden? Schliesslich handelt es sich beim russischen St. Georgs-Band um eine Auszeichnung, die in der Putin-Ära seit der Krimbesetzung als Symbol für die Unterstützung seiner militärischen Expansionspolitik gilt.
Schwegler: Florian Flohr, dem Leiter der Peterskapelle, wurde auf seine Nachfrage hin versichert, dass die anwesenden Personen «weit entfernt der Philosophie der heutigen Regierung» Russlands stünden. Es gab keinen Grund, an dieser Auskunft zu zweifeln. Es handelt sich auch nicht um den russischen St.-Georgs-Orden, sondern um eine eigenständige schweizerische Vereinigung. Die auf der Website dieses St. Georgs-Ordens aufgeführten Ordensziele sind gesellschaftlicher und karitativer Art. Selbstverständlich distanzieren sich Florian Flohr und die Katholische Kirche Stadt Luzern von jeglichen Aktivitäten, Haltungen oder Äusserungen, die die Herrschafts- und Kriegspolitik des aktuellen russischen Regimes befürworten oder unterstützen. Dies kam auch im Wortgottesdienst deutlich zum Ausdruck.
«Der Ritterschlag fand ausserhalb des Gottesdienstes statt.»
Wurde der Ritterschlag Florian Flohr, der zuvor den Wortgottesdienst abhielt, möglicherweise verschwiegen oder falsch kommuniziert?
Schwegler: Die Anfrage des St. Georgs-Ordens bezog sich auf einen Gottesdienst in der Peterskapelle. Theologe Florain Flohr hat diesen Gottesdienst gefeiert. Der Ritterschlag fand ausserhalb des Gottesdienstes statt. In der Peterskapelle fanden neben Gottesdiensten auch schon Rituale des Malteser-Ordens statt.
Der Ritterschlag-Ausübende, Prinz Wladimir Bariatinski, gilt als Putin-Verehrer. Ist das doppelt moralisch verwerflich aus kirchlicher Sicht?
Schwegler: Wie bereits gesagt, befürworten weder Florian Flohr noch die Katholische Kirche Stadt Luzern jegliche Aktivitäten, Haltungen oder Äusserungen, die die Herrschafts- und Kriegspolitik des aktuellen russischen Regimes befürworten oder unterstützen.
*Das Interview wurde schriftlich geführt. Urban Schwegler ist Kommunikationsverantwortlicher der Katholischen Kirche der Stadt Luzern
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