Wolfram Kötter: «Die reformierte Ethik ist eine situationsbezogene Ethik»
Leihmutterschaft ist in der Schweiz verboten, doch die Kinder und ihre Familien sind da, und es werden von Jahr zu Jahr mehr. Das stellt die evangelisch-reformierte Kirche vor neue Fragen, wie Wolfram Kötter im Podcast «Laut + Leis» erklärt.
«Zentral ist die Frage, wie verstehen wir Leihmütter, wie gehen wir mit Leihmüttern um, wie gehen Eltern, die Kinder bekommen haben von einer Leihmutter, damit um, wie verstehen sie diese Leihmutterschaft? Das ist ein hochsensibles Thema. Dennoch gilt, glaube ich, auch zu sagen, der Wunsch nach einem Kind ist verständlich.
Ich glaube, wenn wir heute von der evangelischen Position her denken, dann müssen wir einfach fairerweise sagen, es gibt eben nicht mehr nur Hetero-Gesellschaften, sondern wir haben gleichgeschlechtliche Beziehungen, wir lassen queere Beziehung zu, wir segnen diese Beziehungen in Gottesdiensten. Spätestens dann ändert sich das Gesellschaftsbild auch für uns.
Deshalb muss man sich fragen, was ist denn, wenn ich ein solches Ehepaar kirchlich segne und sie dann den Wunsch nach einem Kind haben: Darf ich diesem Wunsch dann auch als evangelisch-reformierte Kirche stattgeben?
Von daher ist evangelische-reformierte Ethik im Gegensatz zur römisch-katholischen immer eine situationsbezogene Ethik und nie eine, die von der Tradition ein Stück weit her geprägt ist und von der Tradition lebt.»
Das sagt Wolfram Kötter im Podcast «Laut + Leis». Er ist Kirchenratspräsident der evangelisch-reformierten Kirche des Kantons Schaffhausen und debattiert mit der römisch-katholischen Theologin Sophie Zimmermann über Leihmutterschaft. Sie ist Mitglied im Vorstand des Frauenbund Schweiz. (sl)
Hier geht es zur › Bestellung einzelner Beiträge von kath.ch.




