Alain de Raemy, Apostolischer Administrator des Bistums Lugano
Schweiz

Weshalb Bischof de Raemy in Benin einen Priester geweiht hat

Der Apostolische Administrator von Lugano, Alain de Raemy, hat jüngst im afrikanischen Benin den 29-jährigen Aurel Comlan Sokouda zum Priester geweiht. Das sei die Folge einer mehrjährigen Zusammenarbeit, erzählt de Raemy im Gespräch mit catt.ch.

Laura Quadri, catt.ch

Am vergangenen 27. Juni fand in Benin, in der Diözese Kandi, die Priesterweihe von Aurel Comlan Sokouda (29) statt, der seine Ausbildung in seinem Heimatland und im Tessin absolviert hatte. Alain de Raemy, apostolischer Administrator der Diözese Lugano, legte ihm bei der Weihe die Hände auf. Diese Geste unterstrich auch die starke Verbindung zwischen dem Bistum Lugano und dem afrikanischen Bistum, erklärt de Raemy im Interview, bei dem er auch auf die vergangenen Festtage zurückblickt.

«Die Zusammenarbeit begann 2003 dank des damaligen Rektors der Theologischen Fakultät von Lugano.»

Wie kam es ursprünglich zur Zusammenarbeit zwischen der Diözese Lugano und Benin?

Alain de Raemy: Die Zusammenarbeit begann im Jahr 2003 dank des damaligen Rektors der Theologischen Fakultät von Lugano, Don Libero Gerosa. Dieser stand in Kontakt mit dem Sekretär des Päpstlichen Rates für Kultur in Rom, Barthelemy Adoukonou, der aus Benin stammte. Don Gerosa schlug die Einrichtung von zwei Stipendien der Theologischen Fakultät vor, die an zwei beninische Seminaristen der Kongregation der Afrikamissionare vergeben wurden. Diese Seminaristen wurden in Kandi zu Diözesanpriestern geweiht. Die Zusammenarbeit hat sich im Laufe der Zeit weiterentwickelt: Sieben Seminaristen der beninischen Diözese haben ihre Ausbildung in Lugano absolviert. Der achte bereitet sich derzeit darauf vor.

Was hat die kürzlich erfolgte Weihe von Don Aurel für diese Zusammenarbeit bedeutet?

De Raemy: Die Priesterweihe von Don Aurel war in erster Linie ein Zeichen des Vertrauens, der Dankbarkeit und der Hoffnung seitens des Bischofs von Kandi. Es war tatsächlich Bischof Clet Feliho selbst, der mich gebeten hat, die Priesterweihe seines Priesters in seiner Diözese in Benin zu zelebrieren.

«Ich habe diese Weihe mit grosser Rührung erlebt.»

Ich habe diese Weihe mit grosser Rührung erlebt, als ich die Freude der Pfarrgemeinde sah, die Aurel aufwachsen sah. Und auch die Freude seines Vaters, der sich anfangs ein wenig gegen die Entscheidung seines Sohnes gewehrt hatte, weil er wollte, dass Aurel am Leben einer anderen christlichen Gemeinschaft teilnimmt. Die Grossmutter und die Mutter spielten eine Schlüsselrolle dabei, dass Aurel sich der katholischen Kirche anschloss.

Wie haben Sie den Glauben der lokalen Bevölkerung und den Zustand der Kirche in Afrika wahrgenommen?

De Raemy: Die lokale Bevölkerung hat eine angeborene und spontane Beziehung zu Gott. Im Herzen der Beniner wird die Existenz Gottes nicht in Frage gestellt. Es herrscht ein grosser Glaube an die Vorsehung, obwohl die Lebensbedingungen sehr schwierig sind. In diesem Zusammenhang erinnere ich mich gerne an einen bedeutenden Moment am Ende der Sonntagsmesse in der Pfarrei von Don Arioste, der ebenfalls in Lugano seine Ausbildung absolviert hat.

«‹Und den Regen›, fügte ich spontan hinzu. Dies löste unter den Gläubigen eine Welle der Begeisterung aus.»

Was geschah da?

De Raemy: Am Horizont hatten sich viele Wolken zusammengezogen, die den lang ersehnten Regen nach der Aussaat auf den Feldern ankündigten. Am Ende der Messe sprach ich den bischöflichen Segen aus: «Unsere Hilfe liegt im Namen des Herrn.» Die Gläubigen antworteten mit den Worten: «Er hat Himmel und Erde geschaffen.» – «Und den Regen», fügte ich spontan hinzu. Dies löste unter den Gläubigen eine Welle der Freude und Begeisterung aus, die sich in Gesängen und Tänzen äusserte, als Zeichen der Dankbarkeit für das bevorstehende Geschenk des Himmels.

Was nehmen Sie von diesem kurzen Aufenthalt mit?

De Raemy: Mich hat die spontane Gemeinschaft und der gemeinsame Glaube zwischen uns Schweizer Gästen und unseren beninischen Gastgebern sehr beeindruckt. Dies bestätigt die Universalität der Kirche und die Notwendigkeit von Solidarität und dem Austausch von Gaben, die zu einer gegenseitigen Bereicherung führen.

Was wünschen Sie sich für diese Verbindung zwischen Benin und dem Tessin in Zukunft?

De Raemy: Es wäre sicherlich auch für unsere Seminaristen und Priester positiv, dieselbe Erfahrung kultureller und kirchlicher Vielfalt machen zu können bei einem Aufenthalt in Benin unter ganz anderen Lebens- und Dienstbedingungen.

Der frisch geweihte Priester Don Aurel wird am 6. September um 17 Uhr in der Kirche des Priesterseminars S. Carlo seine erste Heilige Messe im Tessin feiern.

Wie Aurel Comlan Sokouda zum katholischen Glauben kam

(catt.ch/rp) Aurel Comlan Sokouda erzählt, wie er zum Katholizismus kam: «Mein Vater ist Pastor der Baptistenkirche. Als ich neun Jahre alt war, unternahm meine mütterliche Grossmutter, eine Katholikin und Anhängerin der Erneuerung im Heiligen Geist, eine Reise quer durch Benin, um uns aus dem Süden des Landes zu besuchen. Als ich sie in die Kirche begleitete, begegnete ich dort dem katholischen Glauben. Die Anwesenheit des Tabernakels, der stets von einer kleinen Kerze beleuchtet wurde, weckte meine Neugier, ebenso der Einsatz der Stimme, des Gesangs und der Musik in der Liturgie. Was mich jedoch am meisten faszinierte, war die Figur des Pfarrers: Er opferte seine Zeit für die Freude anderer.»

Der Aufenthalt im Tessin war und ist später entscheidend für Sokouda: «Im Tessin hat sich meine Berufung durch das Zeugnis zahlreicher hervorragender Priester gefestigt, denen ich begegnet bin – im Seminar, bei den Ausbildern, in den Pfarreien, in Breganzona und in Gravesano, wo ich beispielsweise pastorale Erfahrungen gesammelt habe. Ich verdanke der Kirche im Tessin sehr viel!»

Aurel Comlan Sokouda ist in Benin von Alain de Raemy zum Priester geweiht worden.
Aurel Comlan Sokouda ist in Benin von Alain de Raemy zum Priester geweiht worden.

Er wird wird sich nun zwei Jahre im Tessin weiterbilden und danach in seine Diözese zurückkehren. «Die Diözese Kandi ist sehr jung», sagt Sokouda, «Sie besteht erst seit 30 Jahren und erfordert ernsthafte Evangelisierungsarbeit: Es gibt noch so viele Menschen, denen man von Christus erzählen muss, unabhängig von Kultur, Sprache und Hautfarbe. Wir müssen den Glauben als etwas Existentielles entdecken, das alle Grenzen überschreitet. Wir sind auch zu einem ernsthaften Dialog mit unseren muslimischen Brüdern und Schwestern aufgerufen, die in Kandi aufgrund der Einwanderung aus der Sahara-Region stark vertreten sind.»

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Alain de Raemy, Apostolischer Administrator des Bistums Lugano | © catt.ch
6. Juli 2026 | 16:00
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