Walter Ludin
Gastkommentar

Weltsynode: mutig und zukunftsweisend

Die Weltsynode hat für Euphorie gesorgt. Walter Ludin warnt in seinem Gastkommentar davor, nicht die gleichen Fehler zu machen, wie nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil. Es gelte, kirchenrechtliche Konsequenzen aus den Dokumenten zu ziehen.

Walter Ludin*

«Die Synode ist mutig.» So las ich am Samstagabend, wenige Stunden nach Abschluss der Weltsynode, im ersten Kommentar, den ich im Netz fand. Er stammt von der Chefredaktorin des Berner Pfarrblatts, einer sehr kritischen Journalistin.

Kirche nicht mehr die gleiche wie vorher

Ich füge hinzu: Die Synode ist zukunftsweisend. Nach diesem «Event» ist die Kirche nicht mehr die gleiche wie vorher. Dennoch ist sie die gleiche Kirche, jene von Jesus Christus. Und sie wird immer mehr der Urkirche gleichen, wenigstens in einem Punkt. Dies ersehen wir, wenn wir die Apostelgeschichte lesen. Dort heisst es im Bericht über das Apostelkonzil: «Es beschlossen die Apostel und Presbyter samt der ganzen Gemeinde …» (Apg. 15,22). Was war das anders als ein synodaler Vorgang …

Kein gesetzgebender Text

Mag über die Weltsynode Euphorie aufkommen: Vergessen wir nicht, dass sie kein gesetzgebender Text ist. Es finden sich im 50seitigen Dokument bloss «Leitlinien». Sie müssen in konkrete Handlungsanweisungen umgesetzt werden. Nicht zuletzt – und es wurde versprochen, es zu tun – muss das Kirchenrecht möglichst bald entsprechend angepasst werden.

Zweites Vatikanisches Konzil - in der Konzilsaula in der Peterskirche.
Zweites Vatikanisches Konzil - in der Konzilsaula in der Peterskirche.

Es darf nicht der gleiche Fehler passieren, wie nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil. Dieses «vergass» zu fordern, dass der römische Codex Konsequenzen aus den Dokumenten zieht. So gelang es der Kurie, das Rad nach und nach zurückzudrehen.

Viele leisteten Widerstand

So was darf nach der Weltsynode nicht geschehen. Und wird es auch nicht. Die Reaktionen auf das päpstliche «basta» zum weiblichen Diakonat lässt darauf hoffen. Viele Teilnehmer und vor allem auch Teilnehmerinnen leisteten heftigen Widerstand. Das Ergebnis zeigt, dass es sich gelohnt hat. Es gibt kein prinzipielles Nein zum Frauendiakonat. Damit ist nichts blockiert.

Berg von nachsynodalen Hausaufgaben

Frei nach Franziskus – jenem von Assisi – heisst es nun: «Brüder und Schwestern. Lasset uns anfangen. Es gibt viel zu tun.» Der Berg von nachsynodalen Hausaufgaben geht nicht nur die erwähnten Kirchenrechtler an. Auf jeder Ebene der Kirche, auch an der viel zitierten Basis, gilt es, die möglich gewordenen Reformen in Gang zu setzen.

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*Walter Ludin (Jahrgang 1945) ist ein Schweizer katholischer Theologe, Priester, freischaffender Journalist und Buchautor.

Weltsynode im Podcast: Was haben die Synodalen erreicht, was ist nach wie vor offen, und wie geht es jetzt weiter? Darüber diskutieren Helena Jeppesen-Spuhler, Delegierte für Europa, und Bischof Felix Gmür in der nächsten Folge des Podcasts «Laut + Leis». Ab Freitag, 1. November, um 6 Uhr auf www.kath.ch/podcast/ und überall, wo’s Podcasts gibt.


Walter Ludin | © Vera Rüttimann
29. Oktober 2024 | 15:00
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