Warum Martin Werlen jetzt eine Kardinälin ins Spiel bringt
Der ehemalige Abt von Einsiedeln, Martin Werlen, hat sich am Donnerstag für die Ernennung einer ersten Kardinälin ausgesprochen. Das sei für ihn nur folgerichtig, nachdem die erste Frau Präfektin eines Dikasteriums sei, sagt er auf Nachfrage hin und nennt eine zweite Kandidatin.
Regula Pfeifer
Weshalb fordern Sie gerade jetzt die Ernennung einer ersten Kardinälin?
Martin Werlen: Zu fordern habe ich gar nichts. Gefordert habe ich auch nichts. Ich habe bei der Podiumsdiskussion bei den Salzburger Hochschulwochen zum Thema «Eine Kirche, die mehr leben lässt?!», in der es auch um die Frauenfrage ging, vom Traum erzählt, dass bei der nächsten Kardinalsernennung auch Schwester Simona Brambilla dabei ist.
«Üblicherweise werden die Vorsteher der Dikasterien, also die Präfekten, zu Kardinälen ernannt.»
Sie schlagen auch gleich eine Frau vor – die Präfektin des Dikasteriums für die Orden. Weshalb sie?
Werlen: Üblicherweise werden die Vorsteher der Dikasterien, also die Präfekten, zu Kardinälen ernannt. Zum ersten Mal in der Geschichte der Kirche steht nun eine Frau einem Dikasterium vor, also eine Präfektin. So wäre es folgerichtig, dass sie zur Kardinälin ernannt wird.
Kennen Sie Simona Brambilla persönlich?
Werlen: Ich kenne Schwester Simona nicht persönlich. Einen Brief von ihr halte ich aber in Ehren: Unterschrieben mit «Sr. Simona Brambilla, M.C. Präfektin». Es war die Antwort auf Hinweise für Änderungen im Kirchenrecht bezüglich Ordensleben. Die historische Bedeutung dieser Ernennung durch Papst Franziskus wurde meines Erachtens zu wenig wahrgenommen. Das war ein Meilenstein. Dazu möchte ich auch noch Schwester Raffaella Petrini anfügen, die seit dem 1. März 2025 Regierungschefin der Vatikanstadt ist.
«Ordensfrauen, die in ihren Gemeinschaften Leitungsaufgaben innehaben, sind vorbereitet auf andere Leitungsaufgaben.»
Sind Ordensfrauen speziell geeignet für kirchliche Leitungsfunktionen?
Werlen: Selbstverständlich sind Ordensfrauen, die in ihren Gemeinschaften Leitungsaufgaben innehaben, vorbereitet auf Leitungsaufgaben in anderen Bereichen der Kirche.
«Die Ernennung einer Kardinälin ist der wichtigere Schritt, um eine Kultur zu verändern.»
Sollten nicht zuerst Frauen zu Priesterinnen und Bischöfinnen ernannt werden, bevor der Entscheid für eine Kardinälin fällt?
Werlen: Die Ernennung einer Kardinälin ist meines Erachtens der wichtigere Schritt, um eine Kultur zu verändern. Sie gehört zum engsten Beratungskreis des Papstes, der auch den nächsten Papst wählen wird. Je mehr Frauen in der Kirchenleitung in Rom engagiert sind, desto mehr werden Frauen in der Kirche auch wahrgenommen und geschätzt.
Inwiefern trauen Sie Papst Leo zu, eine Kardinälin zu ernennen?
Werlen: Papst Leo kennt das Kirchenrecht, das ist seine Spezialisierung in der Ausbildung. Vor dem Kirchenrecht von 1917 konnten auch Nicht-Priester zu Kardinälen ernannt werden. Theodulf Mertel (1806-1899) war der letzte Kardinal, der nicht Priester war – ernannt von Papst Pius IX. –, nachdem er bereits Innen- und Justizminister war. Er nahm auch am Konklave teil, an dem Leo XIII. gewählt wurde. Er krönte nach dem damaligen Ritus übrigens Leo XIII. mit der Tiara.
«Bei der nächsten Kardinalernennung könnten gleich zwei Frauen auf der Liste stehen: Simona Brambilla und Raffaella Petrini.»
Es gibt heute mehrere Kardinäle, die nicht Bischöfe sind. Das alles kennt auch Leo XIV. So könnten bei der nächsten Kardinalernennung gleich zwei Frauen auf der Liste stehen: Simona Brambilla und Raffaella Petrini. Ich würde mich sehr freuen. Dazu gehört auch Paolo Ruffini, der erste Präfekt einer Kurienbehörde, der kein Priester ist. Er ist seit 2018 Präfekt des Dikasteriums für die Kommunikation. Das wäre ein starkes Zeichen, dass die Kirche Pilgerin der Hoffnung ist.
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