War Franz von Assisi ein Mystiker?
Weiterbildungswoche der Schweizer Kapuziner
Morschach SZ, 17.11.12 (Kipa) Die Schweizer Kapuziner befassten sich während ihrer diesjährigen Weiterbildungswoche im Antoniushaus Mattli in Morschach mit franziskanischer Mystik. Weiten Raum nahm die Frage ein, ob der Ordensgründer Franz von Assisi ein Mystiker war. Aber was ist eigentlich Mystik?
Ein Referent gestand: «Ich weiss es selbst nicht so genau.» Der Westschweizer Kapuziner Marcel Durrer aber wagte eine Definition: «Die Mystik ist im ganzen Sein die tatsächliche Erfahrung der unmittelbaren Gegenwart Gottes.»
Anton Rotzetter, einer der besten Franziskuskenner im Orden, zeigte anhand von Gebeten des Heiligen auf, wie dieser «vom Feuer des Heiligen Geistes entflammt» war. Für ihn ist der Sonnengesang eine Zusammenfassung der franziskanischen Mystik. Hier werde ausgedrückt: «Alles ist in Gott.» Und: «Gott erfüllt alles.»
Weihnachten, das Fest der Menschwerdung Gottes, sei das Lieblingsfest des Mannes aus Assisi gewesen. Denn dort zeige sich: «Gott ist nicht ein ferner Gott. Er geht ein in die Not des Menschen.»
Rotzetter erinnerte daran, dass die mystische Erfahrung Franziskus zu den Armen geführt hat: «Die Erfahrung des Gottes der Liebe wurde gegenwärtig durch ein Leben der Liebe.»
Ist Gott abwesend?
Der deutsche Kapuziner Stefan Knobloch, emeritierter Professor für Pastoraltheologie, meinte, die Auffassung, Gott habe sich aus unserer Welt zurückgezogen, sei ein Missverständnis. Wer den christlichen Glauben ernst nehme, rechne damit, dass Gott im Auferstandenen und im Heiligen Geist gegenwärtig sei.
Franz von Assisi habe aus dieser Überzeugung heraus gelebt. Seine «mystische Unmittelbarkeit» – die Erfahrung der Nähe von Gott und Mensch – habe ihm ermöglicht, in allem auf Gott zu hören und sich von ihm in den Entscheidungen des Lebens leiten zu lassen.
Ge-Horsam
Für Stefan Knobloch steht der Begriff «oboedientia» nicht nur im Zentrum des franziskanischen, sondern auch des christlichen Lebens. Seine Grundbedeutung sei «Horchen», was im Wort «Ge-Horsam» deutlich werde. Gehorsam sei darum nicht das blinde Ausführen von Befehlen der Oberen, sondern das Horchen auf das, was Gott jedem Menschen eingibt.
Anhand der Schriften des heiligen Franz illustrierte Knobloch, wie der Heilige immer wieder überzeugt war, dass Gott ihm «eingab», was er zu tun hatte. So beginne sein Testament mit dem Satz: «Der Herr gab mir …» Ein weiteres Beispiel sei der Abschnitt der Ordensregel über die Mission, wo von Brüdern die Rede ist, die «auf göttliche Eingebung» zu den Ungläubigen gehen wollen.
Globalisierte Mystik
Am Anfang des Kurses schauten die Teilnehmer einen Beitrag des Deutschschweizer Fernsehens über Mystik an. Neben einen Beispiel aus dem christlichen Bereich kommen darin der tibetanische Buddhismus und der muslimisch geprägte Sufismus vor.
Die Referenten versuchten im Anschluss daran, Gemeinsamkeiten der «globalisierten Mystik» zu erarbeiten. So verglichen sie das buddhistische Mantra mit den 100 Namen Allahs und mit den christlichen Litaneien oder dem Rosenkranz.
Hinweis für Redaktionen: Bilder der Tagung sind bei Adrian Müller erhältlich: braedu@bluewin.ch
(kipa/wlu/job)



