Patrizia Brunner, Katechetin, und Kolleginnen der Pfarrei Heilig Geist in Hünenberg ZG
Schweiz

Wandel in der Pfarrei Hünenberg: «Wir wollen das mündige Christsein fördern»

Die Pfarrei Heilig Geist in Hünenberg arbeitet bewusst partizipativ, um sich den aktuellen Herausforderungen in der Kirche zu stellen. Dies gilt nicht nur im Pfarreiteam und mit den Freiwilligen. Auch die Erstkommunion baut auf die beteiligten Familien, wie die Katechetin Patrizia Brunner ausführt. Beim Personal setzt die Pfarrei aufs Netzwerk.

Regula Pfeifer

«Unsere Pfarrei ist schon lange im Umbruch, wir sind daran, Prozesse, Angebote und Räume neu zu denken», sagt Patrizia Brunner zu kath.ch und fügt an: «Der Wandel in unserer Pfarrei braucht viel Energie. Aber wir gehen mit hoher Motivation da ran.»

Patrizia Brunner ist Katechetin in der Pfarrei Heilig Geist in Hünenberg, Kanton Zug. Sie hat jüngst mit zwei Pfarreikolleginnen am ersten Forum für Kirchenentwicklung an der Paulus Akademie in Zürich teilgenommen. Die Frauen zeigten sich erfreut, dass so viele Kolleginnen und Kollegen aus anderen Pfarreien sich ebenfalls Gedanken zur Zukunft machen.

Pfarrei im steten Wandel

Auf Nachfrage erzählt Patrizia Brunner – unter Rücksprache mit dem Team –, wie ihre Pfarrei den Wandel in der Kirche angeht. Grundsätzlich sei der Wandel ein «steter Prozess». Es gelte, die Pfarreiarbeit «immer wieder neu auf die Bedürfnisse und Fragestellungen» der aktuellen Zeit auszurichten.

«Wir versuchen mit den Menschen unterwegs zu sein und fragen uns immer wieder, wie Gott in der heutigen Lebenswelt zur Sprache gebracht werden kann.» Dabei orientiere sich das Pfarreiteam an Paulus Worten: «Prüft alles, das Gute behaltet.»

Die Pfarrei Hünenberg setzt auf Teamarbeit.
Die Pfarrei Hünenberg setzt auf Teamarbeit.

Eine Besonderheit der Pfarrei Heilig Geist in Hünenberg sind ihre flachen Hierarchien. Patrizia Brunner erlebt in anderen Pfarreien aktuell, dass vieles von der Leitung her gesteuert wird. In Hünenberg hingegen funktioniere dies partizipativer. «Niemand entscheidet über unsere Köpfe hinweg.»

Reflexion dank Teamarbeit

Ihre Pfarrei funktioniere im Team. Im monatlichen Teamplenum sitzen vom Facility Manager bis zum Priester alle an einem Tisch und bringen sich gleichberechtigt ein. Dies ermögliche es ihnen, kontinuierlich die eigene Arbeit zu reflektieren und zu verbessern. Zudem sei jede und jeder im eigenen Bereich entscheidungsbefugt. Der Gemeindeleiter, Christian Kelter, sieht sich dabei als Unterstützer und Förderer, wie er kath.ch gegenüber sagt.

Einen bedeutenden Wechsel hat die Pfarrei Hünenberg bei der Vorbereitung auf die Erstkommunion gemacht. Früher wurden die Kinder vor allem im Religionsunterricht auf dieses Sakrament vorbereitet. Die dazugehörenden Familien waren nur punktuell mit einbezogen.

Seit fünf Jahren gilt nun, so Brunner: «Wir gestalten das Jahr gemeinsam mit den Familien. Eltern bekommen Mitverantwortung für den Vorbereitungsweg, sie bringen ihre Ideen ein und helfen aktiv bei der Vorbereitung.»

Erstkommunion-Vorbereitung in Familiengruppen

Das geht folgendermassen: Die Familien finden am Einführungsanlass frei in Gruppen zusammen. Die Gruppen sollen Glaubens- und Lerngemeinschaften sein, also Orte, an denen Gott wirken kann. Sie treffen sich regelmässig, um miteinander den Glauben – und teilweise auch das Leben – zu teilen. Jede beteiligte Person mache mit, so gut sie könne und wolle, sagt Brunner. Die Pfarrei stellt jeder Gruppe eine Begleitperson zur Verfügung. Diese stellt regelmässige Treffen sicher und hilft, diesen eine Struktur zu geben.

Die terminliche Flexibilität komme den Familien entgegen, sagt Brunner. An den Familientreffen ist insbesondere das Sakrament der Erstkommunion Thema. Spezifisches Glaubenswissen wird ergänzend im Religionsunterricht vermittelt.

Der Festgottesdienst in der Heilig Geist-Kirche in Hünenberg, 24. August 2025. Rechts: Diakon und Gemeindeleiter Christian Kelter
Der Festgottesdienst in der Heilig Geist-Kirche in Hünenberg, 24. August 2025. Rechts: Diakon und Gemeindeleiter Christian Kelter

«Wir wollen das mündige Christsein fördern», sagt Patrizia Brunner zu dieser Mitverantwortung der Familien. «Wir glauben, dass wir Gott nicht zu den Menschen bringen müssen – denn er ist schon da. Wir helfen Menschen, Gott und sein Wirken in ihrem Alltag zu entdecken.» Dies könne nicht hierarchisch von oben nach unten geschehen, sondern nur in völliger Freiheit und Mündigkeit. Dasselbe gelte auch in der Firmvorbereitung, so Brunner und fügt an: «Wir glauben, jedes Sakrament ist ein Geschenk Gottes an uns.»

Freiwillige und Quereinsteigende fördern

Eigenverantwortlich sind auch die pfarreilichen Freiwilligen-Gruppen. Sie erwähnt die Lektorengruppe, das Welcome-Team und das Team der Kinder-Kirche. Die Freiwilligen zu fördern, ist in Hünenberg wichtig. «Sie sind wichtige Bausteine unserer lebendigen Pfarrei», sagt Brunner. Dementsprechend ermöglicht ihnen die Pfarrei, an Kursen und Weiterbildungen teilzunehmen.

Das Netzwerk der Freiwilligen ist zudem auch ein Pool, aus dem mitunter neue Mitarbeitende gewonnen werden können. Aktuell sind alle Mitarbeitende in der Katechese und Religionsunterricht in Hünenberg Quereinsteigende, sie haben ursprünglich andere berufliche Hintergründe.

«Wichtig ist, dass diese Menschen eine hohe intrinsische Motivation und Identifikation für die kirchliche Arbeit vor Ort mitbringen», sagt Brunner. Sie schätzt es, dass es im kirchlichen Umfeld möglich ist, Quereinsteigende aus- und weiterzubilden.

«Wir wollen raus zu den Leuten.»

Patrizia Brunner, Katechetin

«Wir wollen raus zu den Leuten», sagt Brunner. «Das ist unsere Grundüberzeugung». Vieles läuft in Hünenberg über Kontakte und Vernetzung. So geschehen letztes Jahr: Über 50 Vereine und Gruppierungen liessen das Pfarreijubiläum zu einem Dorffest werden.

Beim "Hübiläum" gesellig vereint: Zahlreiche Hünenbergerinnen und Hünenberger
Beim "Hübiläum" gesellig vereint: Zahlreiche Hünenbergerinnen und Hünenberger

Zudem gibt es in Hünenberg auch abseits des Pfarrbüros Fixpunkte kirchlichen Lebens. Im kirchgemeindeeigenen Restaurant Maihölzli beispielsweise initiiert die Pfarrei niederschwellige Anlässe. Dort finden unter anderem «Be my guest» und die «Lesbar» statt. Diese schlagen laut Brunner eine Brücke zwischen Kultur und Glauben und ziehen auch kirchenferne Menschen an.

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Patrizia Brunner, Katechetin, und Kolleginnen der Pfarrei Heilig Geist in Hünenberg ZG | © Regula Pfeifer
9. Juli 2026 | 17:00
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