Schweiz

Wahlen 15 – Bea Heim beantwortet Gretchenfragen zu Religion

Zürich, 18.9.2015 (kath.ch) Wie halten Sie es mit der Religion? Diese Frage stellt kath.ch Politikerinnen und Politikern vor den Wahlen 2015. Es handelt sich frei nach Goethe um die «Gretchenfragen»: Religiöse Symbole, Religion im Unterricht, Anerkennung des Islams, Religion und Politik in Bundesbern. Bea Heim ist Nationalrätin der SP Solothurn.

Charles Martig

Welche Bedeutung dürfen religiöse Symbole in der Öffentlichkeit haben?

Bea Heim: Ich störe mich nicht an religiösen Symbolen. Sie sind durch den Grundsatz der Glaubens- und Gewissensfreiheit in unserer Verfassung geschützt. Was mich stört und was ich nicht akzeptieren kann sind religiös verbrämte Symbole für Frauenunterdrückung und Menschenfeindlichkeit. Das gilt für alle Religionen.

Soll christliche Religion in der Schule unterrichtet werden?

Heim: Ethische Werte des Christentums Ja, aber ein Zwang zu konfessionellem Unterricht Nein. Es spricht aber wenig dagegen, wenn Schulen ihre Infrastruktur für religiöse Unterweisung zur Verfügung stellen.

Wie weit sollen sich Kirchen in der aktuellen Flüchtlingsfrage engagieren?

Heim: Für mich gehört die Sorge um die Schwächsten zu den zentralen Anliegen der Kirchen. Versagen sie hier, sind sie unglaubwürdig. Man kann nicht Seelen retten wollen und Körper verhungern lassen. So gilt für die Kirchen, was für unser ganzes Land gilt: wir müssen helfen, wir müssen mehr helfen. Nicht nur unsere Portemonnaies öffnen, sondern auch unsere Herzen. Mich hat gefreut zu vernehmen, wie sich in den letzten Tagen gerade auch viele Vertreter der katholischen Hierarchie unmissverständlich zum Asylthema geäussert haben. Und zum Teil auch bereits ganz konkret Flüchtlingen Unterkunft bieten.

Wie stellen Sie sich zur staatlichen Anerkennung des Islams in der Schweiz?

Heim: Sollte sich die islamische Gemeinde in der Schweiz analog der demokratischen Verfasstheit bestehender Landeskirchen konstituieren können und wollen, spricht nichts dagegen.

Erleben Sie die Kirchen und Religionsgemeinschaften im Bundeshaus als Lobbyisten?

Heim: Ja, einige Gruppen sind sehr aktiv, die Landeskirchen eher zurückhaltend.

Nehmen Sie deren Aussagen zur Kenntnis und fliessen solche Informationen in Ihre politische Haltung mit ein?

Heim: Selbstverständlich fliessen Informationen von religiösen Gruppen in meine Überlegungen ein – wie die von anderen Interessenvertretern auch. Wichtiger sind mir aber grundsätzliche Werte wie z.B. die Solidarität mit den Schwächeren. Hier gibt es viele Berührungspunkte zwischen Sozialdemokratie und Kirche.

Welchem Kirchen- oder Religionsvertreter würden Sie von sich aus eine Zutrittserlaubnis für das Bundeshaus erteilen?

Heim: Papst Franziskus, aber der hat eine Zutrittserlaubnis von mir gar nicht nötig.

Was wünschen Sie sich als Politikerin von der katholischen Kirche?

Heim: Mehr Pater Martin Werrlen und weniger Bischof Huonder.

Welche Rolle spielen Kirche und Religion in Ihrem Leben?

Heim: Die Werte des neuen Testaments sind auch Werte der Sozialdemokratie und finden sich auch in der wunderschönen Präambel unserer Bundesverfassung. Doch sich am Sonntag zu diesen Werten zu bekennen genügt nicht. Man muss ihnen auch im Alltag nachleben. Ich bemühe mich darum.

 

Kurzporträt Bea Heim

Partei: SP

Wohnort: Starrkirch-Wil, SO

Beruf: Rhythmik und Heilpädagogin

Zivilstand: verheiratet

Konfession: römisch-katholisch

Webseite: www.beaheim.ch

Bea Heim, Nationalrätin SP | © 2015 zvg
18. September 2015 | 06:30
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