Unheimliche Schattengestalt mit Kruzifix in einer Kirche.
Schweiz

Waadtländer Priester muss vors Strafgericht: Verdacht auf Missbrauch von Minderjährigen

Die Vorwürfe gegen einen Waadtländer Priester, der des Missbrauchs von Minderjährigen verdächtigt wird, haben sich verschärft. Letztendlich wird das Strafgericht und nicht das Polizeigericht über seine Schuld entscheiden, wie die Staatsanwaltschaft des Kantons Waadt am 15. Juli bekannt gab. Zwei Pfarreien des Kantons sind demnach betroffen.

Lucienne Bittar, cath.ch

Die Waadtländer Justiz nahm den Fall auf, nachdem 2024 der Vater eines 14-jährigen Mädchens Anzeige erstattet hatte, das wiederholt Opfer von Berührungen an der Brust durch den Pfarrer seiner Pfarrei geworden war. Die Vorfälle sollen sich zwischen 2023 und 2024 sieben- oder achtmal ereignet haben. Sie sollen aufgehört haben, nachdem die Mutter des Opfers den Pfarrer vor dem Gottesdienst mit den Händen auf den Brüsten ihrer Tochter überrascht hatte, wie die Waadtländer Tageszeitung «24 heures» berichtet.

Zudem Anklage: Sexuelle Nötigung und Kinderpornografie

Laut der Tageszeitung, die Kenntnis von der neuen Anklageschrift der Waadtländer Staatsanwaltschaft erhalten hat, wird der Geistliche nun auch wegen «sexueller Nötigung und versuchter Kinderpornografie» angeklagt. «Die Ermittlungen bringen Fakten ans Licht, die über den kürzlich von einer Jugendlichen angezeigten Missbrauch hinausgehen und Aufschluss über das Verhalten des Priesters in einer anderen Pfarrei im Kanton Waadt vor mehreren Jahren geben.» Dem Angeklagten droht somit eine schwerere Strafe.

«Die Ermittlungen haben etwa 500 pornografische Fotos aus dem Internet zutage gefördert, von denen einige junge Männer zeigen, wobei nicht feststellbar ist, ob diese minderjährig sind», präzisiert «24 heures» weiter. Der Priester hat zugegeben, sich Pornografie anzusehen und sich zu jungen Männern hingezogen zu fühlen.

Der Anwalt des Priesters erklärte seinerseits, der Angeklagte bestreite den gesamten Sachverhalt und werfe der Staatsanwaltschaft vor, die Ermittlungen ausschliesslich zu Lasten des Angeklagten geführt zu haben. Es gilt die Unschuldsvermutung.

Ältere Verdachtsmomente

Die neue Anklageschrift 2026 der Waadtländer Staatsanwaltschaft erinnert zudem an einen älteren Fall. Zum Zeitpunkt der Einreichung der Strafanzeige im Jahr 2024 hatten mehrere Medien berichtet, dass dieser Priester bereits Gegenstand von Meldungen und Kontroversen in der Schweiz und in Frankreich gewesen sei, darunter eine Meldung an die Polizei durch die Diözese Lausanne, Genf und Freiburg im Jahr 2019. Das Strafverfahren war 2020 mit einer Einstellung des Verfahrens abgeschlossen worden.

Charles Morerod
Charles Morerod

Der Verdacht bezog sich auf unangemessenes Verhalten gegenüber einer erwachsenen Person. Da die Anzeige auf der Aussage einer dritten Person beruhte, die selbst keine strafbaren Handlungen beobachtet hatte, hatte die Polizei den Fall rasch zu den Akten gelegt. Der Priester hatte daraufhin einige Zeit in Frankreich verbracht, bevor er in eine neue Pfarrei in Lausanne berufen wurde. «Was kann man tun, wenn die Justiz keinen triftigen Grund für Massnahmen angibt?», bemerkte damals Charles Morerod, Bischof von Lausanne, Genf und Freiburg.

Nach den im Frühjahr 2024 erhobenen Vorwürfen hatte Morerod den Priester «vorsorglich» aus dem Dienst entlassen. Dieser ist nicht mehr in der Pfarrei tätig.

Reaktion der Diözese

Das Bistum, das von cath.ch kontaktiert wurde, erklärte, aus der Presse von den «neuen Anklagepunkten gegen diesen Priester» erfahren zu haben, die von der Staatsanwaltschaft erhoben wurden. Laure-Christine Grandjean, Kommunikationsbeauftragte der Diözese, sagt: «Wir weisen darauf hin, dass wir diesen Fall bereits zweimal bei der Justiz gemeldet hatten: Es war kein Strafverfahren eingeleitet worden. Wir lassen die Justiz ihre Arbeit tun, damit sie diese Situation aufklären kann.» (Adaptiert von woz)

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Unheimliche Schattengestalt mit Kruzifix in einer Kirche. | © KNA
16. Juli 2026 | 12:00
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