Papst Franziskus und Olav Fykse Tveit am ökumenischen Treffen | © Oliver Sittel
Schweiz
Papst Franziskus und Olav Fykse Tveit am ökumenischen Treffen | © Oliver Sittel

Von Genf müssten tausendfache Impulse für die Ökumene ausgehen

Zürich/Genf, 21.6.18 (kath.ch) Der Papst besucht den ÖRK in Genf. Genf ist in der Schweiz. Der Papst kommt in die Schweiz. Was hat mehr Bedeutung, eine Papstmesse mit 41’000 Gläubigen oder ökumenische Begegnungen quasi unter Ausschluss der Öffentlichkeit? Falsche Frage, sagt kath.ch-Redaktor Martin Spilker in seinem Kommentar.

Die Reise von Papst Franziskus nach Genf war von Beginn weg als Besuch zum 70-jährigen Bestehen des Ökumenischen Rates der Kirchen (ÖRK) gedacht. Sie ist damit ein Zeichen zur Stärkung der zwischenkirchlichen Beziehungen auf und von höchster Ebene: Der oberste Vertreter der römischen Katholiken sagt klar und deutlich, dass die christlichen Kirchen «gemeinsam unterwegs sein, gemeinsam beten und gemeinsam arbeiten» müssen, wenn sie den Herausforderungen der Zukunft etwas entgegenhalten wollen. Und dasselbe sagen am gleichen Anlass die Vertreterinnen und Vertreter des ÖRK.

In der Ökumene kommt es auch zu grossen Emotionen.

Das ist keine Sensation. Aber wohl zu wenig für viele Menschen, die sich in den Kirchen engagieren. Hier gibt es in Sachen Ökumene grosse Unterschiede in der Haltung, die immer wieder auch zu grossen Emotionen führen. Ein Papstbesuch beim ÖRK kann da sowohl Hoffnungen wecken wie auch Ängste schüren. Viele engagierte Katholiken sind längst bereit für die Einheit der Kirchen. Für andere gilt allein schon das Nachdenken über eine Öffnung gegenüber anderen Konfessionen als Weg ins Verderben.

Fans von Papst Franziskus in der Palexpo-Halle | © Oliver Sittel

Das sind Tatsachen, mit denen wir auch 70 Jahre nach Gründung des ÖRK und 50 Jahre nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil leben müssen. Der Besuch des Papstes beim Weltkirchenrat darf dennoch nicht unterschätzt werden. Das römische Kirchenoberhaupt macht hier allen ökumenischen Bremsern klar, dass es nur diesen einen, gemeinsamen Weg gibt. Er zeigt aber allen Ungeduldigen umgekehrt auch, dass – in Anlehnung an das Motto des Besuchs – der gemeinsame Weg, der Einsatz für Gerechtigkeit, Friede und Bewahrung der Schöpfung und das gemeinsame Gebet unabdingbare Wegmarken sind, um zu einer umfassenden Einheit zu gelangen.

Der 21. Juni 2018 ist für die Ökumene von grosser Bedeutung. Einmal mehr besucht das Oberhaupt der grössten christlichen Glaubensgemeinschaft den Weltkirchenrat. Das ökumenische Gebet und Zusammentreffen in Genf und Bossey dürften in der Öffentlichkeit vielleicht nicht gross wahrgenommen worden sein. Viel mehr Aufsehen erhielt hingegen die grosse Messe mit Tausenden Gläubigen. Um den Altar aber war nichts mehr zu sehen von Ökumene. Wie auch – in einer katholischen Eucharistiefeier, welcher der Papst vorsteht?

Die Einheit der Christen geschieht nicht von allein.

Natürlich waren Gläubige anderer Konfessionen auch zu dieser Messe eingeladen und sicher haben manche teilgenommen, auch ohne Abendmahlsgemeinschaft. Denn wenn eines deutlich wurde an diesem Tag, in den Gebeten und Stellungnahmen von Vertreterinnen und Vertretern so ganz unterschiedlicher Kirchen, dann das: Die Einheit der Christen ist der Wunsch vieler, aber sie geschieht nicht von alleine. Sie erfordert Arbeit, Gebet und die Bereitschaft, gemeinsame Wege zu gehen.

Dieser Appell richtet sich an alle, denen ihre Kirche ein Anliegen ist. Wenn 41’000 Gläubige von diesem Papstbesuch in Genf dieses Anliegen mitnehmen in ihre Pfarrei, in ihren Alltag, dann werden mit diesem Tag ganz viele Schritte auf dem ökumenischen Weg gegangen.

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