Schwesterliche Atmosphäre in der Klosterkirche Ingenbohl, 31. Oktober 2025
Schweiz

Volle Kirche zur Feier der Gründerin der Ingenbohler Schwestern: «Mutter Maria Theresia hat Freude»

Am Freitagmorgen ist die Klosterkirche von Ingenbohl voller Ordensfrauen. Sie feiern den 200. Geburtstag ihrer Ordensgründerin Maria Theresia Scherer – und bezeugen ihre Bewunderung für die tatkräftige Katholikin. «Ich bin überzeugt, dass Mutter Maria sehr Freude hat, dass wir uns gemeinsam zum Gebet versammelt haben», sagt die Provinzoberin Schwester Tobia Rüttimann.

Regula Pfeifer

Überall Frauen im dunklen Habit und mit schwarzem oder weissem Kopftuch. Die Klosterkirche des Instituts Ingenbohl in Brunnen ist am Freitagmorgen geprägt von Ordensfrauen.

Oberin Tobia Rüttimann
Oberin Tobia Rüttimann

Die Oberin der Ingenbohler Schwestern in der Schweiz, Schwester Tobia Rüttimann, sagt in ihrem Grusswort: «Unsere Mutterhauskirche ist heute gefüllt mit unseren Gastschwestern aus allen europäischen Provinzen, aus Kroatien, Tschechien, Baden-Württemberg, Slowakei, Italien und der Provinz Europa Mitte.» Viele von ihnen verbringen ein paar Tage im Kloster Ingenbohl, ist weiter zu erfahren.

Die eher wenigen zivilen Besuchenden fallen demgegenüber kaum auf. Im modernen, breit angelegten Kirchenbau beteiligen sich rund 400 Personen am Festgottesdienst zum Geburtstag der Ordensgründer Maria Theresia Scherer. Die Selige wurde am 31. Oktober 1825 in Meggen im Kanton Luzern geboren.

Schwestern-Musikgruppe spielt während der Kommunion
Schwestern-Musikgruppe spielt während der Kommunion

Die Barmherzigen Schwestern zum heiligen Kreuz – so der offizielle Name des Frauenordens – bereichern den Festgottesdienst auch mit ihren Chören und Musikgruppen. Die Schwesternchöre stammen aus den Provinzen Kroatien, Slowakei, Tschechien und der Schweiz, eine Instrumentalgruppe aus Baden-Württemberg. Ordensfrauen, die nicht in Chören auftreten, singen im Publikum engagiert mit. So ist kaum unterscheidbar, wer offiziell Sängerin ist, wer nicht.

Als Dirigentin wirkt Schwester Johanna Rüegg
Als Dirigentin wirkt Schwester Johanna Rüegg

Das nutzt die Dirigentin, Schwester Johanna Rüegg, denn auch elegant. Mehrere Lieder sind als Frage- und Antwort-Spiel angelegt, etwa das «Kyrie» und das «Gloria». Erst beginnen die Chöre, dann setzt das breite Publikum ein, dann folgen wieder die Chöre. Die Dirigentin gibt nicht nur den Chören das Einsatzzeichen, sondern auch dem Publikum.

Den Festgottesdienst leitet der Bischof von Chur, Joseph Maria Bonnemain. Ihm zur Seite am Altar stehen drei Konzelebranten, Männer, die in der Seelsorge des Klosters Ingenbohl tätig sind.

Singende Ordensfrauen im Publikum
Singende Ordensfrauen im Publikum

Der Gottesdienst läuft gut, die Ordensfrauen im Publikum bringen Drive. Denn sie wissen immer, wann welche Worte zu sprechen sind, wann Aufstehen, wann Sitzen angebracht ist – und tun dies selbstverständlich und unaufgeregt. Anders als in Gottesdiensten mit gewöhnlichen Gläubigen, von denen nur wenige – manchmal überlaut – richtig antworten und handeln.

«Ich bin überzeugt, dass Mutter Maria sehr Freude hat, dass wir uns gemeinsam zum Gebet versammelt haben», sagt Tobia Rüttimann. «Sie, die uns immer wieder auf den verweist, von dem alle Kraft kommt.» Und sie fügt an: «In Anwendung der Worte der heiligen Klara von Assisi möchte ich sagen: Danke Gott, dass du Maria Theresia erschaffen hast.»

Bischof Joseph Maria Bonnemain am Festgottesdienst im Kloster Ingenbohl
Bischof Joseph Maria Bonnemain am Festgottesdienst im Kloster Ingenbohl

Auch Bischof Bonnemain spricht in seiner Predigt gleichsam von der Gegenwart von Mutter Maria Theresia. «Die Inspiration und die Charismen, die Mutter Maria Theresia vor 200 Jahren empfing, haben bestimmt das Leben und die Art der Schwestern bis heute geprägt. Diese Prägung wird jeweils in der Gegenwart gelebt und fügt sich in die Bedürfnisse und Denkweisen der jeweiligen Zeit ein. So betrachtet bleibt diese Prägung aktuell und eine Bereicherung für die gesamte Kirche.»

Mit der Liebe und Sorge für die Leidenden, Armen und Benachteiligten der Gesellschaft. habe die Geschichte der Barmherzigen Schwestern vom heiligen Kreuz in Chur begonnen. Der tiefste Beweggrund für diesen Dienst sei der Liebe zu Gott entsprungen und deswegen der Liebe zu den Menschen «und zwar zu jenen, die am wenigsten Liebe empfangen», so Bonnemain. Die Bewegung breitete sich demnach nach und nach in anderen Ländern aus.

«An beiden Orten durfte ich ihre leise, feinfühlige, geistreiche, kultivierte Unterstützung erleben.»

Joseph Maria Bonnemain, Bischof von Chur

Auch über persönliche Begegnungen erzählt der Bischof: «Die Schwestern von Ingenbohl haben mich auf einer langen Strecke meines Lebens begleitet und unterstützt». Im bischöflichen Ordinariat von Chur hätten bei seinem ersten Dienst 1981 «noch eine ansehnliche Zahl von Schwestern» gewirkt.

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1985 habe er auch in der Seelsorge am Limmattalspital in Schlieren viele Schwestern von Ingenbohl vorgefunden. Diese leiteten und betreuten das Theodosianum, die Krankenpflegeschule, und waren als Pflegefachfrauen auf allen Stationen des Spitals tätig. «An beiden Orten durfte ich ihre leise, feinfühlige, geistreiche, kultivierte Unterstützung erleben», so Bonnemain. 

«Wir kennen alle das Wort der Seligen», sagt Bonnemain über Mutter Maria Theresia: «Es geht darum, das Gramm Gold zu entdecken, das in jedem Menschen verborgen ist.» Diese Haltung habe die Bildungseinrichtungen der Ingenbohler Schwestern geprägt. Diese hätten nicht nur fachliches Wissen vermittelt, sondern auch eine ganzheitliche Förderung des Menschen angestrebt. Damit hätten die Ordensfrauen einiges zur Förderung der Frau und ihrer Rolle in der Gesellschaft beigetragen.

Schwestern vor dem Bild ihrer Ordensgründerin - vor Fürbitten
Schwestern vor dem Bild ihrer Ordensgründerin - vor Fürbitten

Zur Fürbitte stellen sich sieben Ordensfrauen vor dem Bild der Ordensgründerin auf. Sie treten eine nach der anderen ans Pult. Sie äussern Bitten zum Papst und der Kirche, zum Weltfrieden, zu den sozial Benachteiligten, den Schwestern der Kongregation, den Mitarbeitenden und den Wohltätern. Die letzte Fürbitte über die Verstorbenen spricht Schwester Rebekka Breitenmoser für die Provinz Schweiz. Sie organisiert als Assistentin von Provinzoberin Tobia Rüttimann die Anlässe zum Jubiläumsjahr – und wirkt auch als Kommunikationsverantwortliche.

Als der Bischof nach der Gabenbereitung in die Knie geht, reagieren einige Ordensfrauen im Publikum mit einer leichten Verbeugung. Und kurz darauf stehen neben den vier Geistlichen auch drei Ordensfrauen am Altar. Sie helfen darauf mit, die Kommunion zu verteilen.

Schwester Maria Magdalena Schlageter aus Baden-Württemberg

«Mir bedeutet der Anlass ganz viel. Denn das ist unsere Gründungs- und Berufungsgeschichte. Schwester Maria Theresia war eine wundervolle Frau, die unser Leben bis heute im Orden prägt und uns Impulse schenkt.

Schwester Maria Magdalena Schlageter aus Baden-Württemberg
Schwester Maria Magdalena Schlageter aus Baden-Württemberg

Zur Zeit von Maria Theresia war das Leben schwer. Sie war die Frau der Tat, der Hoffnung, Sie gab nie auf, auch im Hinblick auf ihre Mitmenschen nicht. Sie forderte dazu auf, das Gramm Gold im Nächsten zu entdecken. Das hört man heute immer wieder – auch in Zusammenhang mit Führungskräften. Maria Theresia war eine lebensnahe Frau, die eine lebensnahe Botschaft hatte.» (rp)

Schwester Philipp Meier, Kloster Ingenbohl

«Unsere Gründerin ist für mich ein grosses Vorbild. Ich staune, was sie alles geleistet hat in ihrem Leben. Sie hat ihre Talente genützt und konnte ohne ein Studium viel bewirken. Sie ging auf die Menschen zu und spürte, was es damals brauchte und traf richtige Entscheide.

Schwester Philipp Meier war Turnlehrerin am Theresianum
Schwester Philipp Meier war Turnlehrerin am Theresianum

Sie konnte gut mit ihren Mitschwestern zusammenarbeiten. Sie animierte sie und sagte: Bei den Armen, bei den Behinderten, den Alten und den Kranken müssen wir unseren Einsatz leisten. Also dort, wo niemand sich kümmert. Mutter Maria Theresia sagte, wir müssen die Frauen bilden. Wenn Frauen gut ausgebildet sind, gibt es Frieden auf der Welt. Sie können für die Familien sorgen. Sie gründete das Theresianum. Wir haben verschiedene Abteilungen: die Fachmittelschule, das Gymnasium und die Sekundarschule. Wir haben fast dreihundert Schülerinnen aus der ganzen Schweiz. Ich war lange Sportlehrerin am Theresianum.» (rp)

Schwester Veronika Rabarova, Provinz Slowakei

«Für mich ist sie ein grosses Vorbild. Von Anfang an, seit ich in die Gemeinschaft eingetreten bin, sehe ich sie vor mir. Ich möchte alles so machen, wie sie es gemacht hat.»

Schwester Veronika Rabarova aus der Provinz Slowakei (l.) mit Bernarda Lacinova aus Tschechien am Apero
Schwester Veronika Rabarova aus der Provinz Slowakei (l.) mit Bernarda Lacinova aus Tschechien am Apero


Schwesterliche Atmosphäre in der Klosterkirche Ingenbohl, 31. Oktober 2025 | © Regula Pfeifer
31. Oktober 2025 | 17:30
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