Strafprozess um den Finanzskandal im Staatssekretariat vor dem vatikanischen Strafgericht am 27. Juli 2021.
Vatikan

Vatikanprozess: Ex-Direktor der Finanzaufsicht di Ruzza befragt

Im Strafprozess zum Finanzskandal im Vatikan hat der angeklagte Ex-Direktor der Finanzaufsicht AIF, Tomaso di Ruzza, Fehlverhalten auf seinem Posten zurückgewiesen. Auch erklärte er am Mittwoch, dass er zu den ebenfalls Angeklagten mehrheitlich keinen oder kaum Kontakt hatte.

Sein Hauptkontakt sei stets der amtierende Substitut im Staatssekretariat, Edgar Pena Parra, gewesen. Auch betonte er die beschränkten Machtbefugnisse der Finanzaufsicht, etwa mit Blick auf den Peterspfennig. Di Ruzza wird Veruntreuung, Amtsmissbrauch und Verletzung des Amtsgeheimnisses vorgeworfen. Er war Ende 2019 ohne Nennung von Gründen von seinem Posten suspendiert worden.

Bereits beim vergangenen Prozesstag Anfang April hatte der Ex-Präsident René Brülhart bekräftigt, dass die AIF nie eine Aufsichtsrolle über das Staatssekretariat gehabt habe. Brülhart war externer Berater für das Staatssekretariat und zugleich Direktor der Finanzaufsicht. Ihm wird Amtsmissbrauch vorgeworfen. Wie bei Brühlart zogen sich die Befragungen von Di Ruzza über Stunden.

Verluste von rund 270 Millionen Franken

In dem Prozess geht es um finanzielle Unregelmässigkeiten und Verluste von rund 270 Millionen Euro beim Erwerb einer Immobilie in London. Weitere Angeklagte sind Kardinal Giovanni Angelo Becciu, sein damaliger Sekretär Mauro Carlino. Beide haben in Befragungen bereits ihre Unschuld beteuert. Carlino bekräftigte, dass er als «Mann Gottes» nur Anweisungen befolgt habe.

Als weitere Angeklagte noch zu befragen sind die selbst ernannte Sicherheitsberaterin Cecilia Marogna, die italienischen Finanzmakler Enrico Crasso und Gianluigi Torzi, der Fondsmanager Raffaele Mincione, der Rechtsanwalt Nicola Squillace sowie Finanzvermittler Fabrizio Tirabassi. Nicht angeklagt, sondern Hauptzeuge, ist Alberto Perlasca, der als Verwaltungsleiter im Staatssekretariat bis 2019 Finanzaktionen übersah.

Kardinal Becciu im Mittelpunkt

Ein besonderes Augenmerk liegt auf Becciu. Dieser hatte von 2012 bis 2018 als Substitut eine Schlüsselrolle in der Behörde. Unregelmässigkeiten bei Überweisungen in Beccius Heimatbistum und die dortige Caritas sowie Zahlungen an die selbst ernannte Sicherheitsberaterin Marogna sind ebenfalls Thema im Prozess. Becciu werden Veruntreuung und Amtsmissbrauch sowie Verleitung zur Falschaussage vorgeworfen. Anfang Mai geht es weiter mit den Befragungen. (cic)


Strafprozess um den Finanzskandal im Staatssekretariat vor dem vatikanischen Strafgericht am 27. Juli 2021. | © KNA
27. April 2022 | 17:27
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