Erzbischof Paul Richard Gallagher bei der 77. Sitzung des Exekutivkomitees des Programms des Hohen
Kommissars der Vereinten Nationen für Flüchtlinge (UNHCR).
Schweiz

Genf: Vatikanischer Aussenminister mahnt mehr Schutz für Flüchtlinge an

Weltweit wird die Situation für Geflüchtete und Vertriebene schwieriger. Der päpstliche Aussenbeauftragte, Erzbischof Paul Richard Gallagher, erinnert an die Genfer Flüchtlingskonvention. Was eine funktionierende Flüchtlingspolitik aus seiner Sicht braucht.

(KNA) Der Aussenbeauftragte des Papstes, Erzbischof Paul Richard Gallagher, hat mehr internationale Anstrengungen zur Bekämpfung von Fluchtursachen sowie zum Schutz von Vertriebenen gefordert. «Der Dialog auf allen Ebenen ist unerlässlich, um Vertreibung und ihre tieferliegenden Ursachen zu bekämpfen und Spaltungen sowie Krisen zu verhindern und zu überwinden», erklärte der vatikanische Aussenminister am Montag in Genf.

«Die Herausforderung, vor der heute alle Länder stehen, besteht darin, gemeinsam Lösungen zu finden, die sowohl den berechtigten Bedürfnissen ihrer Bürgerinnen und Bürger als auch ihren Verpflichtungen gegenüber Flüchtlingen gerecht werden, ohne die internationale Solidarität zu untergraben», fuhr der Erzbischof fort. «Diese moralische, rechtliche und politische Herausforderung muss gemeinsam bewältigt werden.»

Würdigung der Flüchtlingskonvention

Gallagher äusserte sich bei einer Exekutivsitzung des UN-Flüchtlingshilfswerk UNHCR an dessen Hauptsitz in der Schweiz. Er erinnerte dabei an die Genfer Flüchtlingskonvention, die im Juli 1951, vor 75 Jahren, verabschiedet wurde. Dieses Dokument habe grundlegende Mindeststandards für die Behandlung von Flüchtlingen festgelegt und edle Prinzipien wie das Recht, Asyl zu suchen, das Verbot der Zurückweisung und die Anerkennung, dass jeder Flüchtling ein Mensch mit unveräusserlicher Würde ist, verankert. Auch Papst Leo XIV. habe die Hoffnung geäussert, dass das Instrument «weiterhin das Gewissen der politischen Verantwortungsträger von heute erhellen möge».

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«Umso besorgniserregender ist es, dass all diese edlen Ziele zunehmend infrage gestellt werden, unter anderem durch politische Massnahmen und Praktiken, die ihren ursprünglichen Zweck untergraben», kritisierte Gallagher. Er wies darauf hin, dass derzeit rund 117 Millionen Menschen weltweit gewaltsam aus ihrer Heimat vertrieben sind. «Unter ihnen sind zahlreiche Kinder, etwa unbegleitete Minderjährige und solche, die von ihren Familien getrennt wurden, Frauen und Mädchen, die Gewalt und Ausbeutung ausgesetzt sind, sowie religiöse und ethnische Minderheiten, die wegen ihres Glaubens oder ihrer Identität verfolgt werden.»

Flüchtlingen Möglichkeiten eröffnen

Der Aussenbeauftragte appellierte an die Staatengemeinschaft, sich der Vertriebenen anzunehmen. «Wie alle Menschen verfügen Flüchtlinge über Fähigkeiten und haben eigene Ziele und Hoffnungen. Sie sollten die Möglichkeit erhalten, einen Beitrag zu ihren Aufnahmegemeinschaften zu leisten.» Dazu brauchten sie einen gesicherten Rechtsstatus sowie Zugang zu Gesundheitsversorgung, Bildung und Arbeit. Diese Voraussetzungen könnten Menschen in die Lage versetzen, «selbst zu Gestaltern ihres Schicksals zu werden und ihre ganzheitliche menschliche Entwicklung voranzutreiben, anstatt in einem Zustand der Abhängigkeit gehalten oder vom Zugang zu notwendigen Ressourcen ausgeschlossen zu werden», betonte der Erzbischof.


Erzbischof Paul Richard Gallagher bei der 77. Sitzung des Exekutivkomitees des Programms des Hohen Kommissars der Vereinten Nationen für Flüchtlinge (UNHCR). | © Permanent Mission of the Holy See Geneva
13. Oktober 2026 | 14:00
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