Kindsmissbrauch | © 2016 pixabay CC0
Vatikan
Kindsmissbrauch | © 2016 pixabay CC0

Vatikan will beschuldigten Diplomaten nicht ausliefern

Rom, 12.10.17 (kath.ch) Ein wegen Kinderpornografie mit Haftbefehl gesuchter Vatikandiplomat soll nach italienischen Medien nicht an Kanada ausgeliefert werden. Der Vatikan habe eine Überstellung des Beschuldigten mit Verweis auf dessen diplomatische Immunität abgelehnt, hiess es am Donnerstag unter Berufung auf nicht näher bezeichnete Quellen in der Kurie.

Dem Geistlichen solle im Vatikanstaat ein Prozess gemacht werden. Das vatikanische Presseamt liess Bitten um eine Stellungnahme unbeantwortet. Ermittler im kanadischen Bundesstaat Ontario werfen dem Mitarbeiter der Vatikanbotschaft in Washington vor, während eines Aufenthalts im kanadischen Windsor an Weihnachten 2016 kinderpornographisches Material über einen kirchlichen Rechner heruntergeladen und weiterverbreitet zu haben.

Das kanadische Bistum London bestätigte, es gebe einen entsprechenden Verdacht. Der betreffende Geistliche, ein 50-jähriger Italiener, wurde aus Washington abberufen und wohnt nach Medieninformationen inzwischen am Sitz des Vatikangerichts, ist aber nicht inhaftiert.

Kein Festnahmeersuchen

Die kanadische Justiz erliess Ende September einen landesweiten Haftbefehl gegen den Mann. Der italienische Online-Dienst «Vatican Insider» meldete daraufhin aus Kurienquellen, der Haftbefehl sei bekannt, die kanadische Justiz habe aber kein Festnahmeersuchen an die Vatikanbehörden gestellt. Das vatikanische Strafrecht sieht für die Verbreitung von Kinderpornografie zwischen einem und fünf Jahren Haft und eine Geldstrafe von bis zu 50’000 Euro vor. (cic)

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