Vatikan

Vatikan regelt erstmals das Leben «geweihter Jungfrauen»

Rom, 5.7.18 (kath.ch) In einem neuen Dokument befasst der Vatikan sich erstmals näher mit dem Stand der «geweihten Jungfrauen» – fast 50 Jahre nachdem die katholische Kirche diesen wieder eingeführt hat. Der rund 35 Seiten starke Text, der am Mittwoch im Vatikan vorgestellt wurde, schildert die Entwicklung dieser Lebensform, erinnert an die Wiedereinführung der Jungfrauenweihe im Jahr 1970 und behandelt die Rolle solcher Frauen in der heutigen Kirche. In der Schweiz gibt es zur Zeit 66 geweihte Jungfrauen.

Vorgestellt wurde das Dokument «Ecclesiae Sponsae Imago» (Das Bild der Kirche als Braut) von Kardinal Joao Braz de Aviz, dem Leiter der zuständigen Kongregation für Orden und Apostolisches Leben. Es sei «das erste Dokument, mit dem der Apostolische Stuhl die Gestalt und Regeln dieser Lebensform weiterentwickelt», so Braz de Aviz. Dabei kündigte er für das Jahr 2020, zum 50. Jahrestag der Wiedereinführung der Jungfrauenweihe, ein weltweites Treffen von Frauen an, die diese Lebensform gewählt haben.

Im normalen Lebensumfeld tätig

Laut dem Neuen Testament gab es in der frühen Kirche nicht nur den Stand der Bischöfe, Priester und Diakone, sondern auch jenen der Witwen und «geweihten Jungfrauen». Diese unverheirateten Frauen hatten ihr Leben auf besondere Weise Gott geweiht, waren aber weiter in ihrem normalen Lebensumfeld tätig. Ein Klosterleben für Frauen entstand erst viel später und verdrängte in der Folge diese Lebensform alleinstehender Frauen.

Weltweit gut 5000 geweihte Jungfrauen

Während des Zweiten Vatikanischen Konzils (1962-1965) entdeckte die katholische Kirche diese Lebensform wieder. Daraufhin erliess Papst Paul VI. am 31. Mai 1970 eine Instruktion, welche den Ritus der Jungfrauenweihe wieder einführte. Laut einer Schätzung im Jahr 2016 gibt es derzeit weltweit gut 5000 geweihte Jungfrauen. Diese lebten, so Kardinal Braz de Aviz, auf allen Kontinenten, wo sie in ihren Bistümern unterschiedlichsten Tätigkeiten nachgehen.

66 geweihte Jungfrauen in der Schweiz

In der Schweiz leben insgesamt 66 geweihte Jungfrauen, wie eine Recherche von kath.ch ergab. Gemäss Christoph Casetti, Bischofsvikar für die Glaubensverkündigung und Katechese im Bistum Chur, leben in seinem Bistum 27. Laut Martin Gächter, emeritierter Weihbischof des Bistums Basel, gibt es weitere zwei geweihte Jungfrauen im Bistum St. Gallen. Im Bistum Basel sind es 13, in Sitten 6 und 14 im Bistum Lausanne, Genf und Freiburg. Im Bistum Lugano leben 4 geweihte Jungfrauen, 2 weitere bereiten sich derzeit auf diesen Stand vor. Die Schweizer Bischofskonferenz hat 2006 Empfehlungen für die Spendung der Jungfrauenweihe verfasst.

Unterschiedliche Lebensformen

Geweihte Jungfrauen geloben ihrem Bischof Jungfräulichkeit. Gemäss den Empfehlungen der Schweizer Bischofskonferenz ist es auch in dieser Lebensform geboten, die beiden anderen evangelischen Räte – Armut und Gehorsam – je nach den eigenen Lebensumständen zu leben.

Die Art und Weise, wie geweihte Jungfrauen ihr Charisma leben – stärker kontemplativ oder aktiv – ist ihnen freigestellt. Einige von ihnen sind in Wissenschaft und Lehre, andere als Einsiedlerinnen oder in sozialen Diensten tätig. Zudem können sie ganz allein wohnen, bei ihrer Herkunftsfamilie oder in einer Gemeinschaft mit Gleichgesinnten.

Verantwortung der zuständigen Bischöfe geregelt

Wie der Sekretär der Ordenskongregation, Erzbischof Jose Rodriguez Carballo, bei der Vorstellung erläuterte, regelt das neue Dokument unter anderem die Verantwortung des zuständigen Bischofs sowie Aufgaben und Möglichkeiten geweihter Jungfrauen in der Kirche. Gleichzeitig gebe es Kriterien und Hilfen, wie Frauen eine entsprechende Berufung erkennen und leben können. (cic/sys/aktualisiert 6.7. sys)

Hinweis: Informationen zu geweihten Jungfrauen in der Schweiz gibt es auf dieser Website.

 

 

Jungfrauenweihe in Detroit im Jahr 2017 | © kna
5. Juli 2018 | 10:20
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