Vatikan-Prozess: Schweizer Konten von Raffaele Mincione bleiben weiterhin gesperrt
Der Vatikan hat sich mit einer Immobilie in London verzockt. Ein Prozess soll die Hintergründe aufklären. Auf der Anklagebank sitzt auch Raffaele Mincione. Das Bundesstrafgericht hat entschieden: Minciones Konten in der Schweiz bleiben vorerst gesperrt.
Zuerst hat die «Neue Zürcher Zeitung» darüber berichtet. Das Bundesstrafgericht hatte am Dienstag (28. Dezember) die entsprechenden Entscheide veröffentlicht. Die Berufungskammer des Bundesstrafgerichts folgte der Vorinstanz und lehnte die Einwände von Raffaele Mincione ab.
Sperrung «keine Konfiskation»
Rocco Taminelli vertritt Raffaele Minciones Interessen in der Schweiz. Er bestätigte gegenüber kath.ch den NZZ-Bericht, wonach auf den Schweizer Konten fast 60 Millionen Franken liegen – verteilt auf mehrere Konten. Nach einem Rechtshilfeersuchen des Heiligen Stuhls seien die Konten gesperrt worden.
Eine Sperrung sei keine Konfiskation, betont Taminelli gegenüber kath.ch. Die Konten blieben gesperrt, bis eine Entscheidung aus dem Vatikan vorliege oder es neue Hinweise gebe, wonach die Sperrung nicht rechtens sei.
Anklagepunkte liegen bei der Strafverfolgung
Raffaele Mincione ist laut «Moneyhouse» in Celerina GR gemeldet, arbeitet laut NZZ allerdings in London. Der Fondsmanager gilt als Geschäftspartner des Staatssekretariats für den umstrittenen Londoner Immobilienkauf.
Mincione wurde im Zusammenhang mit dem Londoner Immobilien-Deal zunächst Veruntreuung, Betrug, Amtsmissbrauch, Unterschlagung und Geldwäsche vorgeworfen. Allerdings wurden die Anklagepunkte zur Überarbeitung an die Strafverfolgung zurückgegeben.
Hoffnung auf hohe Rendite mit 49 Luxus-Apartments
Beim Immobilien-Deal geht es um die Anschrift 60 Sloane Avenue in London. Geplant war, das 17’000-Quadratmeter-Gebäude bis auf seine historische Ziegelfassade zu entkernen, dort 49 Luxus-Apartments zu schaffen und mit sattem Gewinn zu verkaufen. Der Mann, der das managen sollte, war Raffaele Mincione, der während der russischen Finanzkrise in den späten 1990er-Jahren eine glückliche Hand mit spekulativen Geschäften gezeigt hatte.
Mincione hatte die Immobilie in der Sloane Avenue Ende 2012 erworben – und zwar über das von ihm gegründete Unternehmen 60SA mit Sitz am Offshore-Finanzplatz Jersey, wie Recherchen der «Financial Times» 2019 gezeigt haben. Der Kaufpreis betrug 129 Millionen Pfund.
Fragwürdiger Deal
Das Staatssekretariat erwarb einen 45-prozentigen Anteil an 60SA über den Investmentfonds Athena Capital, dessen Anlagegegenstand praktisch allein aus der Immobilie bestand und der über eine Luxemburger Holding wiederum Mincione gehörte. Die Investition über 200 Millionen US-Dollar erfolgte laut «Financial Times», bevor der Umbau in ein Wohnhaus überhaupt genehmigt war.
Dann kamen der Brexit und eine neue Risikobewertung der Immobilienfinanzierung in London. Die Renditeaussichten waren plötzlich weniger rosig. Stattdessen zahlte der Vatikan nach Recherchen des italienischen Magazins «L’Espresso» jährlich gut 8 Prozent seiner Investitionssumme an Fondskosten in Luxemburg.
Nächster Verhandlungstag: 25. Januar
Die Vatikan-Finanzaffäre beschäftigt den Vatikan schon länger. Am 27. Juli wurde der Prozess eröffnet, seitdem ging es nur um formale Fragen. Als nächster Verhandlungstag ist der 25. Januar vorgesehen. (rr/cic)
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