Urs Brosi, Generalsekretär der Römisch-Katholischen Zentralkonferenz
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Urs Brosi: «Wir verstehen uns als kritisches Gegenüber der Bischofskonferenz»

Die Schweizer Bischofskonferenz (SBK) und die Römisch-Katholische Zentralkonferenz (RKZ) waren sich in der Vergangenheit keineswegs immer grün. Ob sich die RKZ als eine Art Aufsichtsorgan der SBK versteht, dazu äussert sich der Generalsekretär Urs Brosi im Podcast «Laut + Leis».

«Ja, offiziell sicher nicht. Offiziell spricht man vom dualen System, und da kann ich sagen, ich habe selber zwei Blickrichtungen darauf. Die eine ist einmal von der staatlichen Seite her, die RKZ vertritt ja zumindest in der Deutschschweiz die öffentlich-rechtlichen Körperschaften, also die Kirchgemeinden und die Landeskirchen, und die haben die Verantwortung für die mithilfe der Kirchensteuer erhobenen Finanzmittel die Verwendung zu bestimmen.

Und das Zweite, das ihnen gemeinsam ist: Sie sind Arbeitgeber für die grosse Mehrzahl der kirchlichen Mitarbeitenden und haben damit Rechte und Pflichten. Diese Punkte lassen sich nicht wegwischen, die bleiben, egal wie man dieses duale System definiert, auf dieser Seite.

Auf der anderen Seite ist der Anspruch natürlich viel umfassender: Die katholische Kirche geht in ihrem Recht immer noch davon aus, dass Papst, Bischof, Pfarrer auf ihrem jeweiligen Arbeitsfeld eine umfassende Zuständigkeit haben. Und jetzt haben wir in den letzten Jahren im Rahmen des von Papst Franziskus angestossenen Synodalen Prozesses gewisse Veränderungen erlebt.

Ich verweise auf das Schlussdokument der Weltsynode vom letzten Oktober, wo die Bereiche Evaluationspflicht drin stehen, Rechenschaftspflicht der Amtsträger gegenüber dem Volk. Etwas doch relativ Neues als Aussage. Und wie ich gehört habe von Helena Jeppesen, dass es innerhalb der Versammlung auch weiterging, dass man auch die Forderung aufgestellt hat, die dann nicht ins Schlussdokument gekommen ist, nach einer Gewaltenteilung.

Das wäre sachlich für mich natürlich richtig. Denn wir können nicht Aufsicht verhandeln, wenn es – wie wir heute im unternehmerischen Bereich sagen – keine Checks and Balances – gibt. Also ein Ausgleich der Kräfte von sich gegenüberstehenden Organen. Und jetzt kommt der Satz von unserer Seite her: Wir nehmen in dieser Situation ein Stück weit ersatzweise ein kritisches Gegenüber wahr.»

Das sagt Urs Brosi im Podcast «Laut + Leis». Er ist Generalsekretär der RKZ, die zusammen mit der SBK und der KOVOS die Studie zum sexuellen Missbrauch im Umfeld der katholischen Kirche in Auftrag gegeben hat. Kernfrage der Podcast-Folge: Wo steht die Kirche zwei Jahre nach Veröffentlichung der Pilotstudie? (sl)


Urs Brosi, Generalsekretär der Römisch-Katholischen Zentralkonferenz | © Sandra Leis
14. September 2025 | 13:00
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