Uno-Komitee: Vatikan zeigt Mängel beim Kinderschutz

Genf, 5.2.14 (Kipa) Das Uno-Kinderrechtskomitee (UNCRC) hat den Umgang der katholischen Kirche mit sexuellem Missbrauch von Minderjährigen als unzureichend kritisiert. Einige notwendige Massnahmen fehlten bislang noch, erklärten die Uno-Experten in ihrem Prüfbericht zum Heiligen Stuhl am Mittwoch, 5. Februar, in Genf. Sie bemängelten, in der Praxis könnten Sexualstraftäter in der katholischen Kirche straflos bleiben. Das Komitee forderte den Heiligen Stuhl auf, das Kirchenrecht in Übereinstimmung mit der Uno-Konvention zum Schutz von Kindern zu bringen.

Einige Bestimmungen des katholischen Kirchenrechts entsprächen nicht den Forderungen der Kinderschutzkonvention, die auch vom Vatikan unterzeichnet wurde. Das betreffe insbesondere das Recht von Kindern auf Schutz vor Diskriminierung, Gewalt und allen Formen sexuellen Missbrauchs. Der Heilige Stuhl müsse dafür sorgen, dass kirchliche Gesetze und Bestimmungen der Konvention angepasst werden. Zudem forderte das UNCRC nähere Auskünfte dazu, inwieweit Geistliche auf allen Ebenen verpflichtet seien, Missbrauchsfälle an staatliche Behörden zu melden.

Erstmals Evaluierung durch Komitee

Der Heilige Stuhl hatte sich als Unterzeichner der Kinderschutzkonvention erstmalig einer turnusmässigen Evaluierung durch das UNCRC unterzogen. Am 16. Januar erörterten das Uno-Komitee und Vatikan-Vertreter in Genf offene Fragen, unter anderem zu Kinderpornografie, Massnahmen gegen sexuellen Missbrauch und Diskriminierung von Mädchen.

Der maltesische Bischof Charles Scicluna, früherer Strafverfolger bei der Glaubenskongregation, räumte dabei ein, es gebe «bestimmte Dinge, die man anders machen muss», etwa hinsichtlich der Vertuschung von Pädophilie-Fällen. Insgesamt sei die katholische Kirche aber auf einem guten Weg: «Der Heilige Stuhl hat’s kapiert», sagte Scicluna dem Komitee laut Medienberichten.

Kirche will «Vorbild» werden

Der diplomatische Vertreter des Vatikan bei den Uno-Einrichtungen in Genf, Erzbischof Silvano Tomasi, verwies bei der Anhörung auf eine von Papst Franziskus angekündigte Kinderschutzkommission, die weitere Vorschläge erarbeiten solle. Die katholische Kirche wolle ein «Vorbild» auf diesem Feld werden. Zugleich betonte er die rechtliche Eigenständigkeit der katholischen Ortskirchen, die ein zentrales Vorgehen vom Vatikan aus oft nicht zulasse. (kipa/kna/bal)

5. Februar 2014 | 12:55
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