Opferkerzen in der Kathedrale St. Gallen
Schweiz

Über 200'000 Zeichen der Hoffnung: Kerzen-Rekord in St. Galler Kathedrale

Im vergangenen Jahr sind in der St.Galler Kathedrale mehr als 200›000 Kerzen angezündet worden. Das ist erneut ein Rekord. Die steigenden Zahlen zeigen, wie wichtig Momente der Einkehr und der Ruhe in der heutigen Zeit sind. Gerade auch für junge Menschen.

(woz) Die Kathedrale St.Gallen hat immer mehr Besucherinnen und Besucher. Zumindest deutet die Zahl der angezündeten «Opferkerzli» in aller Klarheit darauf hin, wie es in einer Medienmitteilung der Katholischen Kirche in St. Gallen heisst.

«Vor der Corona-Pandemie registrierte man einen jährlichen Gebrauch von circa 160›000 Kerzli», berichtet Kommunikationsverantwortlicher Sebastian Schneider. «2023 stieg die Zahl auf 180›000, im vergangenen Jahr waren es 190›000 Lichter der Hoffnung. Und fürs vergangene Jahr mussten exakt 200›488 Kerzli bestellt werden, um das Bedürfnis der Besuchenden der Kathedrale zu stillen.»

Martin Rusch, Diakon und Interimsleiter der Dompfarrei, sieht verschiedene Gründe, weshalb es zu einem solchen Wachstum gekommen ist.

Die Jungen kommen

Auf den ungebremsten Kerzli-Trend angesprochen, kommt Martin Rusch als erstes in den Sinn, dass in der vergangenen Zeit ein erhöhtes Interesse bei der jüngeren Generation am Kirchlichen und Spirituellen festzustellen sei. Zumindest hätten sich Medienbeiträge diesbezüglich gehäuft, und er selber erlebe es in seiner Arbeit als Seelsorger.

Diakon Martin Rusch mit dem St. Galler Bischof Markus Büchel am Tag der Weihe.
Diakon Martin Rusch mit dem St. Galler Bischof Markus Büchel am Tag der Weihe.

«Und so sind es gerade auch TikTok-Filme, die auf den Smartphones junger Leute weltweit die Runde machen und so zu einem Besucherrekord in der Stiftsbibliothek im vergangenen Jahr beigetragen haben», so Sebastian Schneider.

«Bei der Einkehr vor dem Kerzli-Ständer ist man nicht an eine Zeit oder an eine Zugehörigkeit gebunden.»

Der Besucherrekord im St.Galler Weltkulturerbe korreliere mit dem Kerzli-Rekord in der Kathedrale und sei gewiss ein Teil der Erklärung. Martin Rusch führt für den Trend weiter ins Feld, dass Glaube und Spiritualität heute individuell geprägt seien.

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«Bei der Einkehr vor dem Kerzli-Ständer ist man nicht an eine Zeit oder an eine Zugehörigkeit gebunden», sagt der Diakon. Ein Kerzli anzuzünden, gebe einem die Möglichkeit, einen Moment für sich und seine persönlichen Gedanken, Sorgen und Wünsche zu erleben. Und das in einer Stille, die laut Rusch einfach guttue.

Martin Rusch, Diakon und Interimsleiter der Dompfarrei St. Gallen
Martin Rusch, Diakon und Interimsleiter der Dompfarrei St. Gallen

Dieses Ritual werde wohl auch wichtiger in der heutigen Zeit, in der die Unsicherheit in aller Welt wachse, so Rusch. Neben der zunehmenden Individualität dürfte für den Rekord auch das vergangene Pilgerjahr ein Aspekt gewesen sein, in dem zusätzliche Gläubige den Weg nach St.Gallen gefunden haben.

Direkthilfe für gute Zwecke

Mit der zunehmenden Zahl steigt auch der Umsatz mit den Kerzli, die einen Franken kosten. Das Gute daran: Nach Abzug der Materialkosten von circa 20 Rappen geht der volle Betrag laut Schneider an eine gemeinnützige Organisation.

«In den Genuss dieser Spenden kommen lokale und nationale Projekte wie etwa die Gassenküche, die Caritas oder die Opfer der Umweltkatastrophe in Blatten. Aber auch internationale Projekte wie etwa «Sounds of Palestine» werden unterstützt», erklärt Schneider.


Opferkerzen in der Kathedrale St. Gallen | © zVg / Kath. Kirche St. Gallen
8. Februar 2026 | 15:00
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