Kerzen gehören zum Advent wie die Krippe an Weihnachten.
Schweiz

«Für uns ist es etwas Besonderes, dass unsere Kerzen in wichtigen Momenten des Glaubens eine Rolle spielen»

Am ersten Advent haben wir die erste Kerze entzündet. Kerzen schenken uns ein besinnliches Licht, das uns zur Ruhe bringt. Das Gefühle weckt. Was empfindet eigentlich ein Kerzenprofi im Advent und an Weihnachten, wollte kath.ch wissen. Und fragte nach beim ältesten Hersteller der Schweiz, bei Hongler Kerzen, der seit 1703 Kerzen produziert.

Wolfgang Holz

Herr Egger, was haben Sie empfunden, als Sie die erste Kerze am Adventskranz angezündet haben?

Thomas Egger: Für uns von Hongler Kerzen ist der erste Advent immer ein besonderer Moment – auch weil wir dann spüren, dass wir die erste grosse Etappe unserer intensivsten Jahreszeit geschafft haben. Wir gehen den Adventssonntag bewusst und ruhig an. Die erste Kerze wird im Familienkreis angezündet – ein warmes, kleines Ritual, das den Start in die Adventszeit markiert.

«Von den 200 Tonnen Kerzen, die wir verkaufen, stellen wir ungefähr die Hälfte in Altstätten selbst her.»

Ist der Advent Ihre geschäftigste Zeit im Jahr?

Egger: Ja, der Advent zählt eindeutig zu den lebendigsten und geschäftigsten Zeiten des Jahres für uns. Neben der normalen Kerzenproduktion bieten wir jeweils eine besondere Adventsausstellung im Laden an, ergänzt durch einen Kiloverkauf auf unserer Warenrampe – so können Kundinnen und Kunden preisgünstig viele Kerzen auf Vorrat kaufen.

Adventskerzen
Adventskerzen

Wir laden Interessierte auch ein, selbst Kerzen zu ziehen: ein Erlebnis für Jung und Alt und eine Rückkehr zu alter Handwerkstradition. Hinzu kommt unser Kerzencafé: In unserem Innenhof oder Zughaus bieten wir während der Adventszeit hausgemachte Köstlichkeiten an: Kuchen, Vermicelles, warme Getränke. Ideal, um bei Kerzenlicht und gemütlicher Stimmung innezuhalten und sich auf die Weihnachtszeit einzustimmen.

Wie viele Kerzen stellen Sie pro Jahr her und verkaufen Sie?

Egger: Wir sind eine kleine, traditionelle Manufaktur — bei Hongler Kerzen arbeiten rund 30 Personen. Wir produzieren in überschaubarem Rahmen: Die Werkstatt liefert Kerzen für Kirchen, private und saisonale Anlässe – mit Sorgfalt und viel Handarbeit. Statt auf Masse setzen wir bewusst auf Qualität, Vielfalt und persönliche Betreuung. Die Zahl der gefertigten Kerzen schwankt stark je nach Saison. Von den 200 Tonnen Kerzen, die wir verkaufen, stellen wir ungefähr die Hälfte in Altstätten selbst her.

Hongler Kerzen ist ein Familienbetrieb (v.l.): Cyril Egger, Elsa und Thomas Egger
Hongler Kerzen ist ein Familienbetrieb (v.l.): Cyril Egger, Elsa und Thomas Egger

Wie viele verschiedene Arten von Kerzen gehören zu Ihrem Sortiment – und welche verkaufen Sie am meisten?

Egger: Wir führen ein Sortiment von mehreren tausend Varianten: Stab-, Zieh-, Bienenwachs-, Garten-, Duft-, liturgische und Anlasskerzen in unterschiedlichen Grössen, Farben und Ausführungen. Am beliebtesten bleiben aber die klassischen Stabkerzen – schlicht, elegant, vielseitig. Sie gehören seit Jahrhunderten zu den Bestsellern und werden quer durch alle Generationen geschätzt.

«Die Zusammenarbeit mit Kirchgemeinden und Pfarreien ist ein ganz zentraler Teil unseres Betriebs.»

Eine Osterkerze
Eine Osterkerze

Haben Sie auch viele kirchliche Kundinnen und Kunden – und welche Kerzen bestellen diese?

Egger: Ja, sehr viele. Die Zusammenarbeit mit Kirchgemeinden und Pfarreien ist ein ganz zentraler Teil unseres Betriebs. Bestellt werden vor allem Altar-, Oster-, Opferlicht-, Tauf- und kommunionbezogene Kerzen, aber auch die grossen liturgischen Osterkerzen. Diese Kerzen sind sehr hochwertig verarbeitet und aufwendig verziert. Für uns ist es etwas Besonderes zu wissen, dass unsere Kerzen in wichtigen Momenten des Glaubens eine Rolle spielen – etwa bei der Taufe oder in der Osternacht.

«Diese Kerzen herzustellen ist für uns etwas sehr Besonderes, weil sie so viel Symbolkraft tragen.»

Tauf-, Oster- und andere liturgische Kerzen gehören seit jeher zu unserem Kernsortiment. Unsere Osterkerzen bestehen traditionell zu 55 Prozent aus Bienenwachs und werden nach alter Handwerkstechnik gezogen und weiterbearbeitet. Anschliessend verzieren wir sie von Hand – und wir entwickeln jedes Jahr neue Ostersymbole und Sujets. Neben den grossen Kirchenkerzen bieten wir auch Heimosterkerzen an, die die Osterbotschaft ins Zuhause bringen. Diese Kerzen herzustellen ist für uns etwas sehr Besonderes, weil sie so viel Symbolkraft tragen.

Was hat sich denn seit 1703 in der Kerzenherstellung verändert?

Egger: Seit 1703 hat sich viel verändert: Die Materialien und Maschinen sind moderner geworden, wodurch wir gleichmässige Qualität gewährleisten können. Gleichzeitig bleibt die Handarbeit wichtig, besonders bei verzierten oder speziellen Kerzen.

Kerzen, Kerzen, Kerzen...
Kerzen, Kerzen, Kerzen...

Auch das Sortiment ist deutlich gewachsen – heute fertigen wir tausende Varianten. Früher war die Kerze vor allem ein Gebrauchsgegenstand, heute steht sie ebenso für Atmosphäre, Ritual und Symbolkraft.

Welches ist die grösste oder aussergewöhnlichste Kerze, die Sie je hergestellt haben?

Egger: Unsere grössten Kerzen sind die rund einen Meter hohen Osterkerzen. Die aussergewöhnlichste Kerze ist für uns die «Candelunica»: Diese handgefertigten dreiarmigen Bienenwachskerzen sind zugleich Lichtquelle und Designobjekt, mit skulpturalen Formen inspiriert von Pflanzen. Jede Kerze wird mehrfach getaucht und vereint traditionelle Handwerkskunst mit moderner Ästhetik.

«Kerzen schaffen eine Atmosphäre, die kein Lichtschalter der Welt erzeugen kann: Wärme, Ruhe, Bewusstsein, Zusammengehörigkeit.»

Wie wichtig sind Kerzen heute noch, wo doch alles elektrisch beleuchtet ist?

Egger: Kerzen schaffen eine Atmosphäre, die kein Lichtschalter der Welt erzeugen kann: Wärme, Ruhe, Bewusstsein, Zusammengehörigkeit. In Kirchen, an Feiern, beim Abschiednehmen, aber auch an einem ruhigen Abend zuhause – Kerzen sind kleine Lichtmomente, die uns gut tun. Und genau deshalb verlieren sie nie an Bedeutung.

Für Wärme und Ruhe sorgen Kerzen.
Für Wärme und Ruhe sorgen Kerzen.

«Es ist schön zu wissen, dass unsere Kerzen in vielen Haushalten und Kirchen Licht und Freude schenken.»

Was bedeutet Weihnachten für Sie persönlich – worauf freuen Sie sich am meisten?

Egger: Für uns ist Weihnachten ein Fest des Lichts, der Wärme und der Gemeinschaft. Wir freuen uns besonders darauf, Zeit mit der Familie zu verbringen, bei Kerzenlicht innezuhalten und die festliche Stimmung bewusst zu geniessen. Gleichzeitig ist es schön zu wissen, dass unsere Kerzen in vielen Haushalten und Kirchen Licht und Freude schenken.

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Kerzen gehören zum Advent wie die Krippe an Weihnachten. | © zVg
3. Dezember 2025 | 16:00
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