Erzbischof Ramzi Garmou
Schweiz

Teheraner Erzbischof: Iraner wandern in Schweiz aus und konvertieren

Zürich, 12.5.16 (kath.ch) Im Iran gibt es viele Menschen, die Christen werden möchten. «Wir dürfen ihnen die Tür aber nicht öffnen», sagt der chaldäisch-katholische Erzbischof von Teheran, Ramzi Garmou (71). Das Islamische Gesetz verbietet die Konversion zum Christentum und setzt diese unter Umständen unter Todesstrafe.

Georges Scherrer

Der Iran ist von der Auswanderung der Christen geprägt, sagte Garmou gegenüber kath.ch. Auch viele Muslime, die zum Christentum konvertieren möchten, schliessen sich diesem Exodus an. In einem europäischen Land können sie die Konversion vollziehen – auch in der Schweiz.

Auf Einladung des Hilfswerk Kirche in Not besuchte der Erzbischof im April die Eidgenossenschaft, um Zeugnis von der Situation der Christen in Nahost zu geben. Garmou ist zudem Apostolischer Visitator der Chaldäer in Europa. In dieser Funktion bereiste er weitere Länder des Kontinents.

Ich glaube nicht, dass die jungen Leute zurückkehren werden

Er sei nicht als Bittsteller nach Europa gekommen, betonte er im Gespräch. Er spricht darum nicht von einer «Kirche in Not» im Iran, sondern von einer «Kirche in Bewährungsprobe». Not töne negativ und könne zur Hoffnungslosigkeit führen. «Wir sind nicht verzweifelt. Wir sind einer Prüfung ausgesetzt», meint der Erzbischof mit Bestimmtheit.

Ganz Diplomat fordert er das Gebet der Gläubigen für seine Kirche in Iran und bemerkt gleichzeitig zu möglicher finanzieller Hilfe: «Wenn wir Geld für die Armen erhalten, dann kann ich das nicht zurückweisen.»

Europas Bischöfe sollen auf USA einwirken

Einen Aufruf richtet er hingegen an die europäischen Bischofskonferenzen. Diese sollen auf die Landesregierungen Druck machen, damit sie auf die USA Einfluss üben. Garmou sieht die USA als hauptverantwortlich für das Chaos, das zurzeit in Nahost herrsche. Der Einmarsch von 2003 im Irak habe bestehende staatliche Strukturen zerstört. Terroristen aller Art konnten in die so entstandenen Freiräume eindringen.

Im Iran leben heute rund 5000 Katholiken. Sie gehören dem chaldäischen, armenischen oder lateinischen Ritus an. «Die Herde ist klein, wie es im Evangelium heisst» erklärt Garmou. Sie ist aber dazu ausersehen, «in diesem grossen islamischen Land für die lebendige, aktive und wirkliche Präsenz des auferstandenen Christus Zeugnis zu geben».

Aus diesem Grund bin ich als Bischof für die Chaldäer in Teheran nicht pessimistisch

Viele Christen sind ausgewandert. Geblieben sind vor allem ältere Leute. «Ich glaube nicht, dass sich die jungen Christen und Kinder, welche sich im Westen an das Leben dort gewöhnt haben, in unser orientalisches Land zurückkommen», meint der Geistliche und setzt sogleich hinzu: «Ich betone aber immer wieder, dass die Bedeutung einer kleinen Kirche nicht unterschätzt werden darf.»

Glaubenspraxis beschränkt sich auf erlaubte Orte

Die Kraft der christlichen Kirchen hänge nicht vorrangig von der Anzahl Gläubigen und den Institutionen ab, sondern vom «Zeugnis, dass die Gläubigen geben». Dieses Zeugnis und das tägliche Leben können die Menschen zu Christus hinziehen. «Aus diesem Grund bin ich als Bischof für die Chaldäer in Teheran nicht pessimistisch, was die Zukunft der Kirche in diesem Land angeht.» Der Erzbischof verweist auf jene nicht-christlichen Iraner, die Christ werden möchten – dies trotz der Risiken, die sie erwarten.

Dem Geistlichen sind jedoch die Hände gebunden. Religionsfreiheit gibt es nicht. In Teheran trete er zwar in seinem Gewand als Erzbischof auf. Verboten sei es aber, jenen das Evangelium zu verkünden, die Christ werden wollen. Konversionen von Muslimen sind nicht erlaubt. «Ich darf keine Iraner empfangen, die Christ werden wollen.»

Die Verfassung der Islamischen Republik anerkennt drei religiöse Minderheiten: Christen, Zoroaster und Juden. «Wir dürfen unsere Kulte in den anerkannten religiösen Stätten praktizieren.» (gs)

Erzbischof Ramzi Garmou | © 2016 Video Hans Merrouche
12. Mai 2016 | 12:59
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CH-Filmfestival: Brücke zum Iran

Einblick in den Iran gibt das «2. Iranische Filmfestival Zürich» (IFFZ), das vom 26. Mai bis 1. Juni stattfindet. Das Festival diene dazu, «die kulturelle Kluft zwischen Iranern und Schweizern zusammen mit den in der Schweiz lebenden Ausländern zu füllen». Zudem will das Festival dem Gastland etwas zurückgeben, indem es jedes Jahr die besten Spiel-, Dokumentar- und Kurzfilme aus allen Generationen der iranischen Filmemacher in die Schweiz bringt. Das IFFZ hofft, dass auf diese Weise eine Plattform für die Präsentation der iranischen Kultur und Tradition geschaffen wird und über den Film Brücken zwischen den Kulturen gebaut werden.